Vor 30 Jahren: Wie George Clooney mit "From Dusk Till Dawn" einen Tattoo-Trend setzte

Published 2 hours ago
Source: stern.de
Vor 30 Jahren: Wie George Clooney mit "From Dusk Till Dawn" einen Tattoo-Trend setzte

"From Dusk Till Dawn": Vor 30 Jahren stießen George Clooney und Quentin Tarantino die Pforten des "Titty Twister" auf – und hinterließen damit sichtbare Spuren.

Männlich, zwischen Ende 40 und Anfang 60, Horrorfan? Dann stehen die Chancen gut, dass nach dem Gang ins Kino zu "From Dusk Till Dawn" der Wunsch aufkam, sich ein ähnlich supercooles Tribal-Tattoo wie George Clooneys Figur Seth Gecko stechen zu lassen. Wer diesem Impuls nachkam, ist selbst mit langen Ärmeln heutzutage noch schnell zu erkennen: Am Hals und/oder einem Handgelenk lugt ein Teil der ikonischen Tätowierung hervor – das männliche Äquivalent zum weiblichen Arschgeweih.

Und selbst, wenn bei manch einem Möchtegern-Gecko inzwischen die Reue überwiegt (den Begriff "kulturelle Aneignung" sollte man Mitte der 1990er Jahre noch nicht kennen): Die Tattoo-Anekdote zeigt, was für einen immensen Einfluss der Film von Robert Rodriguez, der am 19. Januar 1996 seinen Kinostart in den USA feierte, in der Popkultur hatte.

George Clooney plötzlich böse

Warum der Film vor 30 Jahren so sehr herausstach und es im Grunde bis heute tut: "From Dusk Till Dawn" bricht mehrere sichergeglaubte Kino-Konventionen, entpuppt sich als genrefluid. Was als realistisches, knallhartes Gangster-Roadmovie beginnt, verwandelt sich gegen Mitte des Films in einen noch blutigeren Überlebenskampf gegen eine Horde Vampire. Und sogar eine satte Portion morbider Humor hat es ins "Titty Twister", jene verruchte Bar, in der sich die zweite Hälfte zuträgt, geschafft. Selbst im Jahr 2026 lassen sich filmische Werke, die eine derartig radikale 180-Grad-Wende einschlagen, an einer Hand abzählen.

Das Casting von Clooney als Gangster-Badboy sorgte ebenfalls für Aufsehen. Ist das wirklich "Emergency Room"-Schmachti Dr. Ross, der gemeinsam mit seinem psychopathischen Bruder (Quentin Tarantino) aus dem Knast ausbricht, eine Bank überfällt, Geiseln nimmt und den Tod zahlreicher Menschen zu verantworten hat? Einige wenige moralisch fragwürdige Charaktere spielte Clooney seither zwar noch. Bis dato verkörperte er jedoch nie wieder eine annähernd so verkommene Figur wie in "From Dusk Till Dawn".

Wenig überraschend war der Film deutschen Sittenwächtern ein Dorn im Auge. Die FSK indizierte die Originalfassung sogar, erst 2017 wurde sie als nicht mehr jugendgefährdend eingestuft. Wer bis dahin die fürs deutsche Fernsehen freigegebene Fassung sah, musste auf rund 17 Minuten Film verzichten, von 108 Minuten Laufzeit blieben da nur noch knapp 90 übrig.

"From Dusk Direct to DVD"

Zur Chronistenpflicht gehört es, die zwei Fortsetzungen zu "From Dusk Till Dawn" zu erwähnen. Beide erschienen im Jahr 1999, schafften es aber nie ins Kino. Das erste "Direct to DVD"-Sequel konnte aber immerhin noch mit "T-1000"-Schauspieler Robert Patrick als Hauptdarsteller aufwarten.

In einer kurzlebigen gleichnamigen Serie, die sich wieder um die Gecko-Brüder (aber ohne Clooney und Tarantino) drehte und zwischen 2014 und 2016 ausgestrahlt wurde, wirkte Patrick in einer anderen Rolle ebenfalls mit. Trotz durchaus positiver Kritikerstimmen kam die Serie jedoch nicht über drei Staffeln hinaus.

Salma Hayeks Schlangentanz

Doch zurück zum Original: Die wohl berühmteste Szene stellt Salma Hayeks lasziver Schlangentanz dar. Er probierte es zwar eisern, doch seinen Fußfetisch trug Quentin Tarantino seither nie mehr unverhohlener zur Schau. Dass Hayek ausgerechnet ihm (also einem der beiden Drehbuchautoren) ihre Zehen in den Mund steckt, an ihrem Bein Whiskey herabrinnen lässt – sicherlich reiner Zufall.

Immerhin: Als ausgleichende Gerechtigkeit segnet seine Figur Richard Gecko kurze Zeit später gleich doppelt das Zeitliche. Durchaus zur Freude vieler Fans, schließlich wird seine Performance in "From Dusk Till Dawn" mitunter als schwächstes Glied einer ansonsten starken Schauspiel-Kette um Clooney, Harvey Keitel und Juliette Lewis angesehen. Davon zeugt nicht zuletzt Tarantinos Nominierung für die Goldene Himbeere als "Schlechtester Nebendarsteller" im Folgejahr. Paul Dano gefällt das.

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