Umweltschutz: Weniger Beton - Thüringen will Böden entsiegeln

Published 23 hours ago
Source: stern.de
Umweltschutz: Weniger Beton - Thüringen will Böden entsiegeln

Beton, Asphalt, Pflaster - viele Flächen in Thüringen sind versiegelt. Manche sollen künftig der Natur zurückgegeben werden. Wie das gehen soll.

Thüringen will der Umwelt bisher mit Beton oder Asphalt versiegelte Flächen zurückgeben. "Ein Entsiegelungsfonds wird aufgelegt, mit dem wir das finanzieren", sagte Umweltminister Tilo Kummer der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Der Fonds solle zunächst zehn Millionen Euro enthalten. 

Das Geld stammt nach Angaben des BSW-Politikers aus einem gerichtlichen Vergleich, von dem das Land finanziell profitiere. Der Millionenbetrag gehe in zwei Chargen an die Thüringer Landgesellschaft, die damit über den Entsiegelungsfonds verfüge. 

Start mit Flächen von Land oder Kommunen 

"Wir fangen beim Entsiegeln mit Grundstücken im Eigentum der öffentlichen Hand an", sagte Kummer. Als Beispiele nannte er alte Gebäude, die abgerissen werden könnten, Gewerbebrachen oder ungenutzte Parkflächen. "Es gibt mehrere Projekte, die geprüft werden." 

Die Objekte stammten unter anderem von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, der Landesforstanstalt, aber auch von verschiedenen Kommunen. Perspektivisch solle es Projekte in allen Thüringer Landkreisen geben, so der Minister. 

"Wir wollen Boden der Natur zurückgeben." Ein anderer Effekt könnte sein, dass in Summe für Bauprojekte in Thüringen weniger Landwirtschaftsfläche geopfert werden müsse. "Es wird immer noch mehr Fläche versiegelt als entsiegelt." 

Fonds soll sich immer wieder füllen 

Kummer möchte ein Modell, bei dem immer wieder Geld in den Entsiegelungsfonds fließt und er sich möglichst nicht komplett leert. Denkbar sei beispielsweise, dass Ausgleichszahlungen beim Bau von Windkraftanlagen in den Fonds fließen, sagte er.  

Aber auch Gelder aus anderen ausgleichspflichtigen Eingriffen in die Umwelt könnten unter bestimmten Bedingungen genutzt werden. "Der Erhalt bestehender Biotope hat bei den Ausgleichszahlungen aber auch in Zukunft Vorrang vor dem Fonds", sagte Kummer. Oft werden mit den Ausgleichszahlungen, zu denen Bauherren in bestimmten Fällen verpflichtet sind, bisher an anderer Stelle im Freistaat Bäume gepflanzt oder Grünflächen angelegt. 

Nach Angaben des Bundesumweltamtes sind derzeit etwa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland versiegelt - also bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt. Damit würden wichtige Bodenfunktionen verloren gehen, vor allem die Wasserdurchlässigkeit.  Mit der Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen nimmt auch die Bodenversiegelung zu.

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