Sprach-Jury: "Sondervermögen" ist "Unwort des Jahres" 2025

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Sprach-Jury: "Sondervermögen" ist "Unwort des Jahres" 2025

Vorgeschlagen waren unter anderem Begriffe wie "Asylwende", "Deal" und "Drecksarbeit". Doch die Wahl zum "Unwort des Jahres" fiel auf ein Wort aus dem Wirtschaftsdeutsch.

Mehr als 2600 Einsendungen hat die aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie einer Journalistin bestehende Jury gesichtet, nun ist die Entscheidung über das "Unwort des Jahres" gefallen: "Sondervermögen".

Der Gebrauch des ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache stammenden Begriffs in der öffentlichen Kommunikation verdecke, was mit ihm eigentlich gemeint sei: nämlich die Aufnahme von Schulden. 

"Sondervermögen" habe die politischen Debatten geprägt

Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt, hieß es weiter. 

Die Jury für das "Unwort des Jahres" setzt sich aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Gästen zusammen. 

Auch dieses Mal spiegelten die vorgeschlagenen Begriffe politische Debatten des vergangenen Jahres – darunter beispielsweise "Asylwende" sowie der von US-Präsident Donald Trump häufig genutzte Ausdruck "Deal". Hinzu kommt der Begriff "Drecksarbeit", den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem TV-Interview im Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg Israels gegen den Iran verwendet hatte.

Als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen: "Stadtbild"

Den ebenfalls vorgeschlagenen Ausdruck "Stadtbild" hatte auch Merz verwendet: Im Oktober sagte er, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, "aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem". Wen er meinte, war zunächst offen geblieben. Später konkretisierte Merz, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltende Regeln hielten.

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 bestimmt. Interessierte können dafür jeweils bis zum Ende eines Jahres Vorschläge einreichen. 

Infrage kommen Formulierungen, die aus Sicht der Jury gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Mit der Aktion soll für einen angemessenen Umgang mit Sprache sensibilisiert werden. "Unwort des Jahres" 2024 war "Biodeutsch".

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