Der rheinische Präses Latzel warnt vor einer gefährlichen Verquickung von Politik, Populismus und Religion. Er kritisiert die Instrumentalisierung des Glaubens in den USA scharf.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, hat die Instrumentalisierung von Religion in vielen Facetten kritisiert. Wenn Evangelikale in den USA zu den treuesten Wählern von Präsident Donald Trump gehörten oder Trump sich als "messianische Rettergestalt" darstelle, wirke das "völlig fremd, fernab von allem, was wir glauben, leben, lehren", sagte Latzel in seinem Jahresbericht vor der Synode in Bonn.
Es gebe aber auch in Deutschland sogenannte Christfluencer, die die Nähe zu rechtsextremen Parteien wie der AfD suchten, warnte Latzel. "Wir erleben eine Verquickung von Politik, Populismus und Religion, die sich noch verstärken kann." So rechtfertige etwa US-Vizepräsident JD Vance das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten theologisch.
"Jesus ist kein Gewährsmann nationalistischer Politik", sagte Latzel. "Es gibt auch kein Recht des Stärkeren." Imperialismus wie Nationalismus ließen sich christlich nicht rechtfertigen. "Sie sind schlicht ein Ausdruck menschlicher Gier, sprich: Sünde." Völker- und Menschenrechte hätten dagegen christliche Wurzeln und müssten ökumenisch gestärkt.
Frieden wieder lernen
Angesichts der globalen Kriege und Krisen der Welt kritisierte der Präses eine "Militarisierung des Denkens". "Wir brauchen eben nicht nur Verteidigungs-, sondern vor allem auch eine neue Friedensfähigkeit." Es müsse auch gelernt werden, aus Kriegen und Konflikten wieder herauszufinden und zu verhindern, "dass es dazu überhaupt kommt."
Latzel wandte sich auch gegen die Hochrüstung von Staaten, die zu Lasten anderer wichtiger Aufgaben gehe, die ebenfalls finanziert werden müssten. "Es ist vielmehr ein Wahnsinn, welche Unsummen weltweit gegenwärtig in Rüstung investiert werden, während wir eigentlich alle unsere Kräfte für den gemeinsamen Kampf gegen Klimawandel und Armut bräuchten", so das Oberhaupt der rheinischen Kirche. "Wir steuern als Menschheit im Augenblick in die komplett falsche Richtung."
Die Synode der rheinischen evangelischen Kirche tagt noch bis Dienstag. Die zweitgrößte evangelische Landeskirche hat gut zwei Millionen Mitglieder. Ihr Gebiet erstreckt sich über Teile in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland.
