Mordprozess: Mann bekommt lebenslang für Mord an heimlicher Ex-Geliebten

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Mordprozess: Mann bekommt lebenslang für Mord an heimlicher Ex-Geliebten

Rund ein Jahr hatten die beiden eine außereheliche Affäre. Nach der Trennung kommt es noch zu einem letzten Treffen. Mit tödlichen Folgen.

Für den Mord an seiner heimlichen Ex-Geliebten muss ein 35-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Der Mann habe die Frau im Juni 2025 auf einem Parkplatz bei Hermeskeil erschossen, weil sie die außereheliche Affäre auffliegen lassen wollte, sagte die Vorsitzende Richterin Theresa Hardt. Er habe die Offenbarung rächen wollen.

Der Mann aus dem Nordsaarland und die 28-Jährige hätten rund ein Jahr eine "On-off-Beziehung" gehabt, die von beiden ausging. "Sie haben sich fast täglich gesehen", sagte Hardt. Die Frau wollte, dass er sich von seiner Ehefrau trennt, damit sie dauerhaft zusammen sein könnten. Er habe sie aber immer vertröstet und wollte seiner Frau nichts sagen.

Am Tattag hatte der Mann die Affäre telefonisch beendet. Daraufhin habe die 28-Jährige belastende Fotos und Sprachnachrichten an die Schwägerin des Angeklagten geschickt. Und diese forderte den Angeklagten auf, seiner Frau von der Affäre zu erzählen. 

"Er wollte auf keinen Fall, dass die Affäre auffliegt", sagte Hardt. Und da habe sich der Sportschütze entschieden, "das Ganze anders zu lösen". 

Mitlaufendes Handy zeichnete Tat auf

Unter Vorwand, er wolle sich noch mal aussprechen, holte er die 28-Jährige bei ihrer Wohnung in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) ab und fuhr mit ihr zu dem Parkplatz. Was er nicht wusste: Die Frau hatte ein Handy dabei, dass auf Aufnahme gestellt war und alles aufzeichnete.

Auch die Tat: Es ist zu hören, wie der Mann die Waffe durchlädt und abdrückt. Wie Frau nach dem ersten Schuss in den Bauch noch um Gnade bittet. Und dann der zweite Schuss fällt: Er geht in den Kopf und ist tödlich. 

Er sei geplant, kalkuliert und kontrolliert zu dem Parkplatz gefahren, um die Frau "zu exekutieren", sagte Hardt. Er habe keinerlei Emotionen gezeigt - und danach das tote Opfer noch beleidigt. 

Die Frau, die zwei keine Kinder aus ihrer Ehe hat, sei völlig arg- und wehrlos gewesen. Als er die Waffe zückte, habe sie noch ungläubig gefragt: "Willst du mich erschießen?" 

Oberstaatsanwalt Eric Samel sagte in seinem Plädoyer: "Ich habe selten erlebt, dass ein Mord so lückenlos dokumentiert ist wie in diesem Fall." Er hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Der Mann habe die Tat "aufgrund einer narzisstischen Kränkung" begangen.

Mann macht Filmriss geltend

Der Angeklagte behauptet, er könne sich an die Tat selbst nicht erinnern. Er habe immer wieder seiner Frau von der Affäre erzählen wollen. Von ihr trennen wollte er sich aber nie. Als dann kurz vor der Tat ihr gemeinsamer Sohn zur Welt kam, machte er mit der 28-Jährigen Schluss. Diese hatte sich zuvor von ihrem Mann getrennt, um mit dem Saarländer zusammen zu sein.

Vielen Ausführungen des Angeklagten glaubte das Gericht nicht. Er hatte behauptet, von der Familie des Opfers bedroht worden zu sein und sprach davon, dass er sich "von der albanischen Mafia" verfolgt gefühlt habe. "Wir gehen davon aus, dass das eine bloße Schutzbehauptung ist", sagte Richterin Hardt. 

Es sei für die Familie "eine schwere Demütigung" gewesen, dass die verheiratete 28-Jährige eine Affäre hatte, sagte der Verteidiger des Angeklagten, Marius Müller. Am Tatabend habe vor seinem Haus jemand aus der Familie im Auto mit einer Waffe gesessen und gesagt, er müsse die 28-Jährige "wegschaffen". Sonst werde seiner Familie was passieren.

Da sei er in Verzweiflung, Panik und Angst mit seiner Waffe losgefahren. Oberstaatsanwalt Samel sagte, diese Story mache keinen Sinn und sprach von einem "Lügenkonstrukt", das nichts mit dem Geschehen zu tun habe. Der Mann habe - wie die Tonaufnahmen zeigen - nicht verzweifelt, sondern ruhig und bedacht gehandelt.

"Es war eine Hinrichtung"

Die Getötete sei eine herzliche Frau gewesen, die in den Saarländer sehr verliebt gewesen sei, sagte der Vertreter der Nebenklage, Dirk Gerlach. Er dagegen sei ein Narzisst, der sich nur für sich selbst interessiere. Bei der Tat habe der frühere Bundeswehrsoldat kaltblütig gehandelt: "Es war nicht eine Tötung, das war eine Hinrichtung."

Die Verteidigung plädierte für eine Verurteilung wegen Mordes zu zwölf Jahren Haft. Sein Mandant habe die Tat aus einer akuten Bedrohungslage heraus begangen, sagte Müller.

In seinem sogenannten letzten Wort im Prozess sagte der Angeklagte: "Das tut mir wirklich leid." Auch für die Kinder. Er würde gerne das Ganze rückgängig machen, wenn er könnte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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