Eine belgische Backpackerin war im Juni 2023 zu einer Wanderung in Tasmanien aufgebrochen und kehrte nie zurück. Sämtliche Spuren führten ins Leere – bis jetzt.
Als Céline Cremer vor drei Jahren in den tasmanischen Urwald aufbrach, ahnte wohl niemand, dass aus dem Wanderabenteuer eine zermürbende Suchaktion werden würde. Von ihrem geplanten Wanderabenteuer ist die Belgierin nie zurückgekehrt. Ein Auto und ein Handy sind alles, was von der 31-Jährigen übriggeblieben sind. Sämtliche Spuren verlieren sich an Tasmaniens Westküste.
Die lokalen Polizeibehörden hatten zunächst mit Drohnen, einem Hubschrauber, Bodenteams und Spezialisten für Schnellwasserrettung nach der Vermissten gesucht. Nach drei Wochen suchten die Beamten mit Leichenspürhunden nach der jungen Frau, weil sie davon ausgingen, dass sie das schlechte Wetter nicht überlebt haben könne. Auch diese Aktion blieb erfolglos – für die Beamten ein Grund, die Suche einzustellen.
Lange Suche in Tasmanien
Nicht so für Jarrod Boys: Er und weitere Bewohner durchforsten die Region um die Philosophers Falls in Waratah – jenes Gebiet, in dem Cremer verschwand – freiwillig seit zwei Jahren. Auch einige von Cremers belgischen Freunde haben sich der Suche angeschlossen.
Ihm Durchhaltevermögen könnte es nun zu verdanken sein, dass sich die Frage nach dem Schicksal der belgischen Touristin bald klärt. Wie mehrere australische Medien berichten, sind die Freiwilligen am Mittwoch auf menschliche Leichenteile gestoßen.
Hat Céline Cremer die Orientierung verloren?
"Ich habe für ein Wunder gebetet, dass ich heute etwas finde", erzählt Jarrod Boys dem öffentlich-rechtlichen Sender ABC am Mittwoch und tatsächlich: Als er auf seiner Wanderung für eine kurze Verschnaufpause stehen geblieben sei, habe er knapp einen Meter entfernt Knochen am Boden entdeckt. Die Überreste hätten einfach auf einem "Haufen Erde und Steine" gelegen, etwa zwei Stunden Fußmarsch von dem Ort entfernt, an dem die freiwilligen Helfer im Dezember 2025 das Smartphone der Vermissten entdeckt hatten.
Neben einer Wasserflasche, einem behelfsmäßigen Poncho und dem Auto der Vermissten war das Gerät bisher der letzte und aufschlussreichste Hinweis auf ihren Verbleib. Es wird vermutet, dass sich die Backpackerin auf ihrem Weg durch den tasmanischen Urwald verlaufen haben könnte. Darauf deuten zumindest die Geodaten hin.
Demnach habe sich Cremer aus unbekannten Gründen abseits der offiziellen Pfade vom und zum Parkplatz entlang einer alten Wasserrinne bewegt. Die GPS-Daten legen die Vermutung nahe, dass die Backpackerin die Orientierung verloren haben könnte, denn nach einiger Zeit habe sie mittels Google-Maps versucht, den Weg zum offiziellen Wanderweg zurückzufinden. Dafür sei sie den Weg wieder zurückgelaufen. Aus unerfindlichen Gründen habe sie aber irgendwann eine südliche Richtung eingeschlagen und durch die dichte Vegetation einen Berg überquert, auf der anderen Seite allerdings wieder den Rückweg eingeschlagen.
Wegen fehlender GPS-Daten verlieren sich Cremers Spuren an dieser Stelle. Ihren weiteren Pfad konnten weder die Polizei noch der freiwillige Suchtrupp weiter rekonstruieren.
Forensische Untersuchung soll Gewissheit bringen
Das Gebiet, wo Jarrod Boys nun jetzt auf die Knochen stieß, hatten die Helfer bisher nicht durchkämmt. "Ich glaube, ich bin einem Schock verfallen. Ich bin kein sehr emotionaler Typ, aber ja, es war trotzdem ein emotionales Erlebnis für mich", schildert Boys. Mit zwei Schnappschüssen habe er anschließend die Behörden informiert.
Auch die tasmanische Polizei bestätigt den Fund. Ein Pathologe bestätigte, dass es sich um menschliche Leichenteile handelt. Ob es sich dabei wirklich um die Überreste von Céline Cremer handelt, müssen Forensiker noch feststellen. Die Wartezeit geht also weiter – aber die Aufklärung ist womöglich in Sicht.
