Grubenunglück vor 105 Jahren: 57 Tote bei Explosion unter Tage - So kam es zur Katastrophe

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Grubenunglück vor 105 Jahren: 57 Tote bei Explosion unter Tage - So kam es zur Katastrophe

Der Bergbau hat Sachsen Wohlstand gebracht. Doch immer wieder gab es in der jahrhundertelangen Bergbaugeschichte auch dunkle Stunden. So wie vor 105 Jahren in Oelsnitz im Erzgebirge.

Der 24. Januar 1921 zählt zu den dunkelsten Stunden des Bergbaus in Sachsen. 200 Bergleute waren an jenem Montag zur Frühschicht auf dem Friedensschacht in Oelsnitz im Erzgebirge eingefahren. Doch etliche Kumpel sahen die Sonne und ihre Familien nie wieder. Zum 105. Jahrestag der Grubenkatastrophe wurde am Sonnabend auf dem Friedhof der Stadt ihrer Opfer gedacht. 

"Bedenkt man, wie viele der Opfer noch glücklich aus den Schützengräben des Krieges oder aus langer Gefangenschaft heimgekehrt waren, begreift man das Unglück als umso schwerwiegender", erläutert Heino Neuber, Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers, dem Förderverein des Museums "Kohlewelt". 

Auch einer seiner Vorfahren sei damals ums Leben gekommen. 38 Bergleute starben direkt durch die Explosion, 19 weitere infolge ihrer schweren Verletzungen - insgesamt also 57 Todesopfer. 

So nahm die Katastrophe ihren Lauf

Doch wie war es dazu gekommen? An jenem Wintermorgen hatte sich unter Tage Grubengas entzündet und so die Explosion ausgelöst. In den Abbauen habe wegen des austretenden Gases kontinuierlich Frischluft zugeführt werden müssen, erklärt Neuber. Doch der Ventilator sei bei Schichtbeginn außer Betrieb gewesen. 

Daher hatte sich hochexplosives Methan-Luft-Gemisch angesammelt. Wie es sich dann genau entzündet hat, habe nie ganz geklärt werden können. Wahrscheinlich habe ein Hauer seine Benzin-Sicherheitslampe versucht zu reinigen, sie geöffnet und so die Explosion verursacht, sagt Neuber. 

Den Rettern habe sich im Licht ihrer Lampen ein Bild des Grauens geboten. Zwischen etlichen Toten seien Verletzte in der Dunkelheit umhergeirrt; durch die Druckwelle umgeworfene Hunte und deformierte Gleise hätten die Wege unter Tage versperrt, wie Zeugen damals berichteten. Beim Versuch ihnen zu helfen, hätten Schwerverletzte entsetzlich geschrien. Ihre Brandwunden bereiteten entsetzliche Schmerzen. 

Laut Neuber wurden infolge des Grubenunglücks Sicherheitsvorschriften verschärft. So waren Benzin-Sicherheitslampen fortan nur noch bestimmten Fachleuten vorbehalten, die Mannschaften wurden mit elektrischen Lampen ausgerüstet. "Zudem hatte man Ventilatoren an Orten mit Neigung zu Grubengasaustritten ständig in Gang zu halten."

Viele Tote auch bei anderen Unglücken unter Tage

In der Geschichte des sächsischen Bergbaus gab es immer wieder Unglücke unter Tage, bei denen auch Tote zu beklagen waren. So starben ebenfalls im Oelsnitz-Lugauer Revier 101 Menschen, als 1867 ein Schacht zusammenbrach. Einen zweiten Fluchtweg gab es nicht, sodass viele Bergleute erstickten. 

Noch mehr Menschen starben 1960 bei einer Explosion in einem Steinkohlebergwerk in Zwickau: 123 Bergleute. Es gilt als das folgenschwerste Grubenunglück in der damaligen DDR. Auch im Erzbergbau gab es folgenschwere Unglücke. So etwa 1955 im Uranabbau der Wismut. Bei einem Grubenbrand in Niederschlema starben 33 Menschen, mehr als 100 wurden verletzt. 

Neben dem Abbau von Erz spielte einst auch die Steinkohle eine wichtige Rolle im sächsischen Bergbau - vor allem in den Regionen Zwickau, Oelsnitz-Lugau und dem Döhlener Becken bei Freital. Die Kohle war als "Schwarzer Diamant" in den Fabriken begehrt, wo sie die Maschinen am Laufen hielt. Damit war die hiesige Kohle ein wichtiger Treiber für die Industrialisierung in Sachsen.

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