Prinz Harry hat auf umstrittene Aussagen von Donald Trump zur NATO reagiert. Der Royal diente selbst zweimal in Afghanistan.
In der Welt der Royals gilt eigentlich ein eisernes Gesetz: Bloß nicht in die Politik einmischen! Doch wenn es um die Ehre seiner Kameraden geht, kennt Prinz Harry (41) offenbar keine Zurückhaltung mehr: Der Herzog von Sussex hat sich am Freitag ungewohnt deutlich in die aktuelle politische Debatte um jüngste Äußerungen Donald Trumps (79) eingeschaltet.
Der US-Präsident hat in einem Fox-News-Interview die Rolle der NATO-Partner im Afghanistan-Krieg massiv kleingeredet. Seine Behauptung: Die Verbündeten hätten sich während des Konflikts "ein wenig abseits der Frontlinien" aufgehalten und sich "zurückgehalten".
Für die britische Öffentlichkeit eine Frechheit: Schließlich war Großbritannien nach den USA der zweitgrößte Truppensteller und verlor Hunderte Soldaten. In London kochen die Emotionen hoch: Von Politikern aller Parteien bis hin zu Veteranenverbänden hagelt es Kritik.
Prinz Harry erinnert an Angehörige gefallener Soldaten
Für Prinz Harry ist die Sache besonders persönlich: Der Sohn von König Charles III. (77) absolvierte selbst zwei Touren in Afghanistan. In seinem Statement hob Harry die Bedeutung von Artikel 5 des NATO-Vertrags hervor - die Beistandsklausel, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte aktiviert wurde.
"Die Verbündeten folgten diesem Ruf", so Harry. "Auch ich habe dort gedient. Ich habe dort Freunde fürs Leben kennengelernt. Und Freunde verloren. Das Vereinigte Königreich alleine hat insgesamt 457 Angehörige des Militärs verloren." Er erinnerte an die Familien, die Söhne und Töchter begraben mussten, und an die Kinder, die ohne ihre Eltern aufwuchsen. "Diese Opfer verdienen es, wahrheitsgemäß und mit Respekt behandelt zu werden", mahnte er.
Prinz Harrys eigener Einsatz an der Front
Prinz Harrys militärische Laufbahn umfasste insgesamt zehn Jahre. Nach seiner Ausbildung trat er in das Regiment der Household Cavalry ein. 2008 wurde er heimlich für zehn Wochen nach Afghanistan entsandt, musste jedoch abgezogen werden, nachdem Medien seinen Standort preisgegeben hatten. Sein zweiter Einsatz erfolgte zwischen 2012 und 2013 als Apache-Hubschrauberpilot und Bordschütze. In diesem Zeitraum war er direkt an Kampfeinsätzen beteiligt.
In seiner Autobiografie "Reserve" reflektierte er offen über diese Zeit und gab an, 25 Taliban-Kämpfer getötet zu haben - eine Zahl, die er laut eigenen Angaben weder mit Stolz noch mit Scham betrachtet, sondern als notwendigen Teil seiner Aufgabe sah.
Seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 2015 widmet sich Prinz Harry intensiv der Unterstützung von Veteranen. Er gründete unter anderem die Invictus Games, ein internationales Sportevent für verwundete und kranke Soldaten.
