Emotionen, Leidenschaft, Brisanz - das wurde vom 113. Hamburger Stadtduell erhofft. Doch der FC St. Pauli und der HSV erfüllen die Erwartungen nicht. Das 0:0 hilft niemandem.
Im "Kühlschrank" Millerntor-Stadion suchten die Spieler des FC St. Pauli und der Hamburger SV nach dem 113. Stadtduell Jacken und Decken, um sich bei minus vier Grad aufzuwärmen. Nach einem lange schwachen und eher leidenschaftslosen Stadtderby trennten sich beide Mannschaften 0:0. Ein Remis, das keinem der beiden Teams im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga wirklich hilft. Sowohl St. Pauli als auch der HSV stecken im Tabellenkeller fest.
Die Gäste verpassten damit auch die Revanche fünf Monate nach dem 0:2 gegen den Rivalen aus der Nachbarschaft in der Hinrunde. Immerhin verteidigte der Aufsteiger seinen Vorsprung von fünf Zählern auf den Kiezclub.
St. Paulis Trainer Blessin frustriert: "Einfach zu wenig"
Beide Mannschaften zeigten auch, warum es für sie in dieser Saison nur gegen den Abstieg geht. Nach einer erschreckend schwachen ersten Hälfte wurde es erst nach der Pause intensiver. Dabei hatte der FC St. Pauli die besseren Chancen.
"Wir haben zu wenig getan - vor allem in der ersten Halbzeit", sagte St. Paulis Coach Alexander Blessin bei Sky und fügte hinzu: "Für ein Derby ist das einfach zu wenig." Auch HSV-Abwehrchef Luka Vuskovic haderte nach dem Spiel: "Ich bin schon enttäuscht. Ich denke, wir hätten drei Punkte verdient gehabt, so wie wir gespielt haben."
Friedliche Fanmärsche vor dem Spiel
Vor der Partie hatten sich beide Fanlager mit jeweils einem Marsch zum Millerntor-Stadion eingestimmt. Nach Angaben der Polizei blieb es weitgehend ruhig. Die Polizei sicherte das als Risikospiel eingestufte Duell mit einem großen Aufgebot ab.
Bei Temperaturen um minus vier Grad boten beide Mannschaften in der ersten Halbzeit wenig Erwärmendes für die 29.183 Zuschauer. Der HSV erarbeitete sich im Mittelfeld ein Übergewicht, gewann dort die Mehrzahl der Zweikämpfe. Doch ganz nach vorn brachten die Gäste ebenso wenig zustande wie die Gastgeber.
Beide Teams waren erschreckend schwach. Gespielt wurde kaum, allenfalls gekämpft. Eindrucksvoll zeigten sie, warum sie neben dem 1. FC Heidenheim die ungefährlichsten Mannschaften in der Bundesliga sind. Wenn es überhaupt zu Torabschlüssen kam, waren diese harmlos - oder die Spieler standen im Abseits.
Foul als größter Aufreger in Hälfte eins
So war vor der Pause der einzige Aufreger ein rüdes Foul von St. Paulis Adam Dzwigala an HSV-Offensiv-Mann Alexander Røssing-Lelesiit (7.). Dzwigala sah Gelb, der junge Norweger spielte noch einige Minuten, musste dann aber gegen Fabio Baldé ausgewechselt werden.
Zur zweiten Halbzeit sorgten die Fans beider Lager für eine Verzögerung, als nach dem Abbrennen von Pyro dicke Rauchschwaden durch das Stadion zogen. Der HSV war nach dem Seitenwechsel zunächst weiter optisch überlegen. Doch der FC St. Pauli kam zunehmend besser ins Spiel. Durch die Hereinnahme des flinken Ricky-Jade Jones gab es mehr Zug zum Tor.
St. Pauli wird stärker
Doch die erste gefährliche Situation des Spiels überhaupt hatten die Gäste. Nach einem Eckball scheiterte Vuskovic (54.) mit einem Kopfball an St. Paulis Torwart Nikola Vasilj. Da St. Pauli immer stärker wurde, reagierte HSV-Trainer Merlin Polzin, tauschte seinen Angriff komplett aus und brachte Robert Glatzel, Rayan Philippe und Jean-Luc Dompé.
Polzins St. Pauli-Kollege Blessin hatte zuvor den zuletzt verletzten Kapitän Jackson Irvine und den wiedergenesenden Danel Sinani für Mittelfeld-Impulse aufs Feld geschickt. Diese beiden Personalien brachten noch einmal Schwung. So scheiterte Sinani (80.) an HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes, den Nachschuss verzog Louis Oppie. Zwei Minuten später war es Arkadiusz Pyrka, dessen Schuss ebenso Heuer Fernandes abwehrte. Das war's.
