70. Geburtstag: Der gefallene Hollywoodstar Mel Gibson

Published 11 hours ago
Source: stern.de
70. Geburtstag: Der gefallene Hollywoodstar Mel Gibson

Eine Jahrhundertkarriere in Hollywood, doch privat gezeichnet von Skandalen. Heute feiert Mel Gibson seinen 70. Geburtstag.

Er war einer der größten Stars der 1980er und 90er Jahre, baute sich zusätzlich zu seiner Karriere als Hollywoodstar ein zweites Standbein als überaus respektierter Regisseur auf - und sorgte mit etlichen privaten Skandalen für Schlagzeilen. So ganz weg vom Fenster war Mel Gibson, der am 3. Januar 70 Jahre alt wird, trotz aller privaten Probleme und kontroversen Interview-Äußerungen dennoch nie. Ob er aber jemals wieder außerhalb des religiös-konservativen Lagers für Furore sorgen wird, erscheint eher fraglich.

Superstar der 80er- und 90er-Jahre

Mel Gibson, so scheint es, wurde als Filmstar geboren. Schon bei frühen Auftritten in Werken wie "Mad Max" 1 und 2, "Gallipoli" oder "Die Bounty" zeigte er im Übermaß jenes Star-Charisma, das auch schon unvergessene Leinwandlegenden wie etwa Steve McQueen (1930-1980) besaßen, begeisterte mit seiner Athletik und Physis und hatte immer ein verschmitztes Funkeln in den Augen.

Spätestens mit der "Lethal Weapon"-Filmreihe konnte sich der in Australien aufgewachsene US-Amerikaner auch in Hollywood etablieren. Es folgten Auftritte in so unterschiedlichen Werken wie "Braveheart" - auch seine zweite Regie-Arbeit - oder an der Seite von Helen Hunt (62) in der zeitlosen Komödie "Was Frauen wollen".

Spannende, unkonventionelle Regie-Arbeiten

Einen zweiten Akt erhielt Mel Gibsons Hollywood-Karriere jedoch durch seine ausgezeichneten Fähigkeiten als Filmemacher. Für den voller historischer Fehler steckenden "Braveheart" erhielt er einen Oscar für die Beste Regie, inszenierte in den Folgejahren unter anderem "Die Passion Christi" über den Leidensweg Jesu, "Apocalypto" über das Schicksal eines Maya-Kriegers im Jahr 1511 sowie den formidablen (Anti-)Kriegsfilm "Hacksaw Ridge".

Neben der Tatsache, dass es in der Hollywood-Historie eher ungewöhnlich für einen Schauspielstar von Gibsons Format ist, sich mal eben als Regisseur neu zu erfinden, begeistern gerade die letztgenannten drei Titel alle auf ihre ganz eigene Art.

"Die Passion Christi" lockte selbstverständlich besonders in den USA scharenweise gläubige Christen in die Lichtspielhäuser und ist bis heute mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 600 Millionen US-Dollar der finanziell erfolgreichste christliche Film der bisherigen Kinogeschichte.

In "Die Passion Christi" wird auch ausschließlich Aramäisch, Hebräisch und Latein gesprochen - während die indigenen Figuren in "Apocalypto" ausschließlich Mayathan sprechen. Beide Werke sind untertitelt, das sind nun wahrlich nicht die Standard-Hollywood-Projekte. Auch "Apocalypto" kam auf ein überaus respektables Einspielergebnis von rund 120 Millionen US-Dollar gegenüber einem Budget von 40 Millionen. Und Mel Gibson muss man hier - wie auch bei "Hacksaw Ridge", für viele der beste Film über den Zweiten Weltkrieg seit "Der Soldat James Ryan" - außerordentlich viel künstlerischen Mut attestieren. Etwas, das in der US-Traumfabrik leider immer weniger vorhanden zu sein scheint.

Mel Gibson und die privaten Skandale

Doch neben diesen beachtlichen Erfolgen als Filmemacher sorgte Gibson auch immer wieder für private Skandale. Unvergessen sein betrunkener antisemitischer Wutanfall gegenüber einem Polizisten aus dem Jahr 2006. "Verdammte Juden... die Juden sind für alle Kriege der Welt verantwortlich", sagte er zahlreichen US-Medien zufolge und fragte den Polizisten, der ihn auf seiner Alkoholfahrt gestoppt hatte: "Sind Sie Jude?"

Im Jahr 2010 dann kamen weitere fürchterliche Aussagen Gibsons an die Öffentlichkeit, als eine Tonbandaufnahme publik wurde, auf der er seiner Partnerin Oksana Grigorieva (55) unter anderem droht, ihr Haus in Brand zu stecken, während sie sich darin befindet. Grigorieva beschuldigte ihn außerdem, sie so hart ins Gesicht geschlagen zu haben, dass er ihr die Zähne brach. Mel Gibson bestritt nie, dass er tatsächlich auf diesen Aufnahmen zu hören ist.

Daneben ist Gibson bekannt als gläubiger Katholik, der im Jahr 2003 etwa erklärte, dass seine Ehefrau Robyn Denise Moore, Mutter von sieben seiner neun Kinder, seiner Auffassung nach nicht in den Himmel kommen wird, weil sie Protestantin ist.

"Es gibt kein Heil für diejenigen, die außerhalb der Kirche stehen. Daran glaube ich. Sagen wir es so. Meine Frau ist eine Heilige. Sie ist ein viel besserer Mensch als ich. Ehrlich. Sie ist Anglikanerin, gehört der Church of England an. Sie betet, sie glaubt an Gott, sie kennt Jesus, sie glaubt an diese Dinge. Und es wäre einfach nicht fair, wenn sie es nicht schaffen würde, sie ist besser als ich. Aber das ist eine Entscheidung von oben. Ich akzeptiere das", sagte er im Jahr 2003 laut "People" gegenüber dem "New Yorker".

Etabliert im religiös-konservativen MAGA-Lager

Trotz seiner Skandale wurde Mel Gibson in Hollywood jedoch nie ganz gecancelt. Oftmals zog er sich selbst ein wenig aus der Öffentlichkeit zurück, um einige Jahre später wieder ein kleines Mini-Comeback hinzulegen.

Derzeit, so scheint es, hat der einstige Superstar in Hollywood seinen Platz gefunden. Von US-Präsident Donald Trump (79) wurde er neben Sylvester Stallone (79) und Jon Voight (87) zu einem "Sonderbotschafter" für die US-Filmindustrie ernannt. Die drei als konservativ bekannten Schauspieler sollen Trumps "Augen und Ohren" in der Traumfabrik sein. Und Gibson arbeitet an der Fortsetzung von "Die Passion Christi". "Die Auferstehung Christi" soll in zwei Teilen am Karfreitag und Christi Himmelfahrt 2027 weltweit in den Kinos starten. Als Schauspieler war Gibson indes in den vergangenen Jahren größtenteils in einer vergessenswerten Reihe von B-Movies und Actionfilmen zu sehen, die es oftmals gar nicht ins Kino geschafft haben. Ob er jemals wieder im Hollywood-Mainstream große Erfolge feiern wird, erscheint eher fraglich.

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