Zurück in die 90er: Neues von Robbie Williams: "Eine Menge Brit" und "auch Pop"

Published 4 hours ago
Source: stern.de
Zurück in die 90er: Neues von Robbie Williams: "Eine Menge Brit" und "auch Pop"

Nach sieben Jahren veröffentlicht Robbie Williams ein neues Album. Darauf reist der britische Popstar musikalisch zurück. Auf "Britpop" gibt es vertraute Klänge und ein paar Überraschungen.

Superstar Taylor Swift ist schuld. Angekündigt hatte Robbie Williams sein neues Album schon im Mai 2025 - ursprünglich sollte es im Oktober erscheinen. Aber da erschien Swifts "The Life Of A Showgirl", mit dem Williams nicht konkurrieren wollte, wie er später offen zugab. Darum verschob er sein Album auf Februar 2026. Doch dabei blieb es auch nicht. Jetzt ist "Britpop" überraschend drei Wochen früher auf dem Markt.

"Ihr dachtet, es käme dann, dann haben wir anders entschieden", verkündete Williams auf seinem Instagram-Account, "und jetzt habe ich entschieden, dass es jetzt kommt". Einen Vorgeschmack gaben im vergangenen Jahr vier Singles und ein paar handverlesene Konzerte in kleinen britischen Clubs, bei denen Williams, der sonst Stadien füllt, "Britpop" in voller Länge performte.

Eine Heavy-Metal-Legende an der Gitarre

Das Albumcover zeigt ein Gemälde von Robbie Williams, wie er Mitte der 90er Jahre, kurz nach seinem Ausstieg bei Take That aussah. Denn dahin wollte der 51-Jährige musikalisch zurück. "Ich hatte mir vorgenommen, das Album zu machen, das ich nach meinem Ausstieg bei Take That im Jahr 1995 schreiben und veröffentlichen wollte", sagte Williams zur Albumankündigung. "Es war die Hochphase des Britpop und ein goldenes Zeitalter für britische Musik."

Die erste Single, zugleich Eröffnungstrack des Albums, hat jedoch wenig mit Britpop zu tun. "Rocket" ist ein simpler, aber packender Hardrock-Song, an dem der legendäre Heavy-Metal-Gitarrist Tony Iommi von Black Sabbath mitwirkt. Der Background-Gesang stammt vom einstigen Deep-Purple-Bassisten und Sänger Glenn Hughes. "Auf diesem Album habe ich mit einigen meiner Helden gearbeitet", sagte Williams.

Rückkehr in die Zeit von "Cool Britannia"

Erst dann geht's los mit dem Britpop – mit "einer Menge Brit" und "ganz sicher auch Pop", wie der Popstar selbst sagt. "Spies", "Pretty Face" oder "All My Life" sind tatsächlich unverkennbar die Rückkehr zum Robbie-Williams-Stil der 90er Jahre. Das ist nicht originell, aber eingängig. In der Zeit von "Cool Britannia" tauschte er den Boyband-Sound gegen etwas ein, das mehr - wenn auch nicht ganz - nach Oasis klang, als nach den erhebenden Popsongs aus Gary Barlows Feder.

Barlow, mit dem sich Williams damals zerstritten, aber längst versöhnt hat, war als Songwriter an einem kuriosen Song beteiligt. "Morrissey" klingt wie ein Loblied auf den für geniale Musik ebenso wie für Kontroversen berühmten Sänger. "Ich habe es aus der Sicht eines Stalkers geschrieben, jemand, der total besessen von ihm und verliebt in ihn ist", stellte Williams klar, dem nachgesagt wird, er würde Morrissey optisch immer ähnlicher.

Zwischen Hip-Hop, Glamrock und Tony Christie

Wer gedacht hatte, dass der begnadete Entertainer nach seinem größten Karriereflop "Rudebox" dem Hip-Hop fernbleibt, hat sich geirrt. Leider. Denn "Bite Your Tongue" zeigt einmal mehr, warum er das Rappen lassen sollte. Es klingt einfach zu albern.

Seltsamerweise hat der Refrain hohe Ähnlichkeit mit "Rocket". Mit Unterstützung von Supergrass-Frontmann Gaz Coombes singt der 51-Jährige das eindeutig Glamrock-inspirierte "Cocky". "Human" ist eine Kollaboration mit dem Latin-Pop-Duo Jesse & Joy - seichter, melancholischer Pop, jedoch ohne hörbaren Latin-Einschlag.

Mit orchestraler Begleitung, harmonischen Streichern und "Lalala"-Chorgesang erinnert "It's OK Until The Drugs Stop Working" augenzwinkernd an die schwungvollen, opulenten Pop-Hymnen der 60er und 70er Jahre von Neil Diamond, Tony Christie oder Engelbert Humperdinck.

Lässt Williams die Beatles hinter sich?

Williams Hauptgrund, das Chartduell mit Taylor Swift zu meiden, war seine Hoffnung, dass er mit "Britpop" - Best-Of-Compilations und den Soundtrack zu seinem Biopic "Better Man" eingerechnet - zum 16. Mal die britischen Albumcharts toppt. Das erwähnte der britische Sänger mehrmals. Damit würde er die Beatles überholen. Derzeit haben beide 15 Nummer-Eins-Alben.

"Britpop" ist ein solides Werk. Williams' Rückkehr zum 90er-Jahre-Sound ist geglückt. Viele Songs hätten auch auf sein Debüt "Life Thru A Lens" gepasst. Seine Aussage, "Britpop" sei das Album, das er damals habe machen wollen, irritiert allerdings etwas. Schließlich enthielt der Millionenseller "Life Thru A Lens" Megahits wie "Angels", "Let Me Entertain You" und "Old Before I Die". Diesem Vergleich kann "Britpop" nicht standhalten.

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