Mit einem solchen Wintereinbruch dürfte kaum jemand gerechnet haben: In den nächsten Tagen ist mit neuem Schnee, Sturm und glatten Straßen zu rechnen. Reichen die Streusalzvorräte der Winterdienste?
Gut gewappnet für den Einsatz gegen Schnee und Eis: Die Kommunen in Niedersachsen und in Bremen haben genügend Streusalz gebunkert, um auch bei künftigen Wintereinbrüchen für sichere Straßen zu sorgen. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den großen Städten im Nordwesten. Der Winterdienst der Stadt Hildesheim allerdings kämpft mit Lieferengpässen.
Geräumt und gestreut wird in den Städten nach Priorität - von den Hauptverkehrsstraßen und wichtigen Kreuzungen über Straßen mit öffentlichem Nahverkehr oder starkem Gefälle, Zufahrten zu Krankenhäusern und Fußgängerüberwegen bis hin zu zentralen Radwegen. Die Stadtreinigung der Abfallwirtschaft Region Hannover erinnerte Eigentümer daran, die an das eigene Grundstück angrenzenden Gehwege selbst räumen zu müssen.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums wird der Winterdienst auf Landesebene von den jeweiligen Straßenmeistereien der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr übernommen. Zuständig sind sie für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen mit einer Gesamtlänge von rund 16.200 Kilometern. In den Lagern der Straßenmeistereien sowie vier zentralen Lagern seien mehr als 80.000 Tonnen Streusalz eingelagert, sagte ein Ministeriumssprecher. "Es besteht kein Engpass hier an der Stelle, also ein Streusalzproblem wird mit Sicherheit nicht auftreten."
Hannover
In Hannover ist die Stadtreinigung nach Angaben einer Sprecherin "für die kommenden Wochen bestens gerüstet", die Lagerkapazitäten seien nach wie vor hoch: Allein an der Zentrale liegen demnach rund 6.000 Tonnen Streusalz und 3.000 Tonnen Splitt für die Gehwege bereit. Eine Soleerzeugungsanlage mit einer Kapazität von 10.000 Litern pro Stunde sorgt zudem für ausreichende Mengen an flüssigen Streumitteln. Und: Die Stadtreinigung könne kontinuierlich nachbeliefert werden, betonte sie. Es werde daher "zu keinerlei Knappheit an Streumitteln kommen".
Im Stadtgebiet ist die Stadtreinigung für rund 420 Kilometer Straße, 52 Kilometer Gehwege, 250 Kilometer Radwege, 3.800 Fußgängerüberwege, 645 Behindertenparkplätze und etwa 2.000 Kilometer an Nebenstraßen zuständig. Beim starken Wintereinbruch am vergangenen Wochenende waren den Angaben zufolge rund 180 Mitarbeiter mit 40 großen und 60 kleineren Räum- und Streufahrzeugen im Einsatz. Möglich ist darüber hinaus die Aufstockung auf maximal 280 Einsatzkräfte und über 200 Fahrzeuge - je nach Wetter.
Knapp wird das Streusalz so langsam in Hildesheim - die Stadt schränkt den Winterdienst daher ein. Gestreut werden derzeit nur noch Hauptverkehrsrouten, Stadtbuslinien, Wege zu Schulen und Kindertagesstätten, Straßen mit besonderer Steigung und Fußgängerzonen samt Marktplatz, wie die Stadt mitteilte. Hintergrund: Frühestens ab Ende der kommenden Woche ist mit einer neuen Lieferung Streusalz zu rechnen, der Vorrat des städtischen Bauhofs beläuft sich nur noch auf etwa 200 Tonnen. Derzeit sind den Angaben zufolge im Winterdienst der Stadt täglich rund 75 Mitarbeiter zwischen 3.00 und 21.00 Uhr im Einsatz.
Lüneburg
Keine Probleme in der Versorgung sieht der Winterdienst der Stadt Lüneburg. In den Winter gestartet sei die Stadt mit etwa 800 Tonnen Streusalz, bei inzwischen 15 Einsätzen seien rund 300 Tonnen verbraucht worden, sagte Geschäftsführer Lars Strehse. Damit verblieben 500 Tonnen - und weitere 500 Tonnen seien extern eingelagert. Auch Probleme bei der Versorgung mit Sole und Sand gebe es nicht, sagte er. In den vergangenen zehn Jahren habe die Stadt je Winter durchschnittlich rund 695 Tonnen Streusalz verbraucht, im Winter 2012/2013 sei ein Spitzenverbrauch von 1.512 Tonnen aufgelaufen. Rund 120 Mitarbeiter sind im Winterdienst organisiert, jeweils rund 40 Kolleginnen und Kollegen fahren die Einsätze.
Wolfsburg
Die Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung geht davon aus: Die Streusalzvorräte reichen für den Winter. Derzeit sei ein Vorrat von rund 3.500 Tonnen Streusalz vorhanden, sagte eine Sprecherin. Unklar war zunächst, welche Mengen in den vergangenen Tagen verbraucht wurden. Im Winterdiensteinsatz mit 14 Streufahrzeugen sind den Angaben zufolge rund 25 Mitarbeiter, etwa 20 kommen für die Handreinigung hinzu.
Braunschweig
Die Alba Braunschweig GmbH, zuständig für Abfallentsorgung, Straßenreinigung und Winterdienst in der Stadt, hat nach Angaben eines Sprechers "ausreichend Streustoffe eingelagert" - zum Saisonstart waren es 3.000 Tonnen Streusalz und 700 Tonnen Splitt. Dies soll "in etwa"bis zum Ende der Saison reichen. Geräumt und gestreut werde auf Hauptstraßen und wichtigen Verbindungsstraßen, auf Überwegen komme Splitt, Radwege würden nur geräumt, sagte der Sprecher. Im Winterdiensteinsatz sind 45 Fahrzeuge und 85 Mitarbeiter.
Osnabrück
Die Stadt Osnabrück ist nach Angaben einer Sprecherin gut auf den Winter vorbereitet - mit zu Beginn über 1.000 Tonnen Streusalz. Diese Vorräte hätten sich inzwischen etwa halbiert, sagte sie. Dennoch reichen die Vorräte aus ihrer Sicht für alle notwendigen Einsätze, die Stadt sei angesichts der Wetterlage "handlungsfähig". Ohnehin schwanke der Bestand je nach Verbrauch und Nachlieferungen. Streusalz wurde in den vergangenen Wochen "gezielt und bedarfsgerecht" eingesetzt. Im Winterdienst der Stadt aktiv sind 66 Fahrzeuge und rund 240 Mitarbeiter.
Göttingen
Der Winterdienst der Göttinger Entsorgungsbetriebe sei "gut vorbereitet und ausgestattet für Schnee und Eis", sagte eine Sprecherin. Noch seien etwa 800 Tonnen Streusalz im Lager - verbraucht worden seien bislang rund 150 Tonnen. Angesichts des erwarteten erneuten Wintereinbruchs sagte sie: Sollte der Winter noch kälter und eisiger werden, dürften die Vorräte etwa drei Wochen reichen. Und selbst wenn der Stadt das Streusalz ausgeht, sei sie mit der Sole der Göttinger Saline versorgt. Insgesamt 40 Mitarbeiter und neun - oder bei Bedarf zwölf - Fahrzeuge seien im Einsatz.
Bremen
"Bei uns in Bremen läuft es gut mit dem Winterdienst", sagte eine Sprecherin. Die Silos seien gut gefüllt und bei den Lieferanten gebe es keine Engpässe, genaue Zahlen zu den Mengen lägen allerdings nicht vor. In der Stadt Bremen seien 25 große und 44 kleine Räumfahrzeuge sowie 29 manuelle Teams im Einsatz. Der Winterdienst sei "zu 100 Prozent operationsfähig", betonte sie.
