Welttag der Handschrift: Muskeln, Steinzeit und Hancock – Fakten zur Handschrift

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Welttag der Handschrift: Muskeln, Steinzeit und Hancock – Fakten zur Handschrift

Wie viele Muskeln braucht man eigentlich, um etwas mit der Hand auf ein Papier zu schreiben? Seit wann schreibt die Menschheit eigentlich? Und wie lange wird sie es überhaupt noch tun?

Kleine Einkaufszettel, einmal im Jahr Urlaubskarten und vielleicht noch To-do-Listen – im digitalen Zeitalter mit Smartphones, Computern und Tablets wird nur noch wenig mit der Hand geschrieben. Sollten wir das wieder mehr tun?

Was Wissenschaftler und Experten sagen 

Die Handschrift sei ein kreativer Prozess, an dem 30 Muskeln und 17 Gelenke beteiligt seien, schreibt beispielsweise die Krankenkasse AOK. Das Schreiben mit der Hand sei eine uralte Kulturtechnik, die zwölf Areale im Gehirn herausfordere. 

Wie fing es mit der Schrift eigentlich an?

Am Anfang waren die Schriftzeichen und Hieroglyphen. Rund 5.000 vor Christus entwickelten die Völker der Welt Symbole und Bilder zur Organisation und Kommunikation. Später kamen der Universität Hildesheim zufolge sogenannte Phonozeichen für bestimmte Laute dazu. In Ägypten entwickelten schließlich Wanderarbeiter eine Art Alphabet, das auch in Rom für Begeisterung sorgte. Fortan wurde mit Rohrfeder auf Papyrus geschrieben. Im Mittelalter schrieb man auf Pergament, später auf Papier. Die Schrift ist zum Kulturgut geworden. Gleichzeitig wird immer weniger mit der Hand geschrieben.

Welttag der Handschrift ist am 23. Januar

Um das zu ändern, wurde der Welttag der Handschrift ins Leben gerufen. Und zwar 1977 in Amerika. Der Tag wurde gewählt, weil John Hancock an dem Tag Geburtstag hatte. Der politische Führer hatte 1776 als erstes die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, seine Unterschrift sticht auf dem berühmten Dokument klar heraus. An dem Tag sollen Menschen nun besonders für die Bedeutung des Schreibens mit der Hand sensibilisiert werden.

Kontroverse um Schreibschrift an Grundschulen 

In Deutschland ist die Schreibschrift an den Grundschulen längst nicht mehr flächendeckend Pflicht. In mehreren Bundesländern ist auch die auf Druckbuchstaben basierende sogenannte Grundschrift als alleinige Ausgangsschrift erlaubt. Die Schweiz hat der "Schnürlischrift" inzwischen komplett den Rücken gekehrt. 

Hessen ist allerdings klar dagegen, wie deren Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) kürzlich sagte. "Das handschriftliche, flüssige Schreiben unterstützt nachweislich ein tieferes Textverständnis und fördert die Merkfähigkeit sowie strukturiertes Denken – Kompetenzen, die in allen Lebensbereichen von unschätzbarem Wert sind." Die Handschrift sei "sozusagen ein Werkzeug zur besseren Benutzung unseres Gedächtnisses."

Das Schreiben als Hobby

Eine kleine Renaissance erlebte das Schreiben mit der Hand als das sogenannte Handlettering in Mode kam. Das bunte, moderne und kreative Schreiben von Wörtern und Sätzen wurde ein beliebtes Hobby – vor allem im Bereich "Mit Liebe selbst gemacht". Die Kalligraphie ist dagegen die "Kunst des schönen Schreibens" von Hand. Das Wort ist aus den griechischen Wörtern kalós (schön) und graphein (schreiben oder eingravieren) entstanden.

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