Kinderbetreuung, Pflege, Weiterbildung – nur noch bei solchen besonderen Gründen sollten Beschäftigte Anspruch auf Teilzeit haben, lautet der Vorschlag. Aber das sehen auch in der Union nicht alle so.
Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Es soll ihn nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung.
Das geht aus einem Antrag der MIT an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zunächst der "Stern" berichtete. Der Antrag trägt den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit". Widerspruch kam nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus der CDU.
Teilzeit kann nur aus wichtigem Grund abgelehnt werden
Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit erlaubt es Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Bei vorübergehender Teilzeit kehren sie anschließend automatisch zur vorherigen Stundenzahl zurück. Arbeitgeber können den Antrag nur aus gewichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.
Die MIT begründet ihren Antrag damit, dass die Teilzeitquote in Deutschland einen Rekord erreicht habe. "Gleichzeitig herrscht in der gesamten Wirtschaft Fachkräftemangel." Der Antrag sieht auch vor, dass Teilzeitkräfte nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe Sozialleistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld erhalten können. "Die Solidargemeinschaft darf nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern finanzieren", hieß es.
Sozialflügel: Lieber bessere Pflege und Kinderbetreuung
Der CDU-Sozialflügel kritisierte, mit dem Antrag werde das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt. "Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Menschen in Teilzeit, die sie oft als Teilzeitfalle empfinden, wieder auf Vollzeit wechseln", sagte Dennis Radtke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege verbessern."
Dafür sprach sich auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge aus. Sie kritisierte zudem, mit dem Begriff "Lifestyle-Teilzeit" zeichne die CDU ein falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen.
Mehr Teilzeit, aber auch mehr Wochenstunden
Die Teilzeitquote in Deutschland lag 2025 mit rund 40 Prozent auf Rekordniveau. Das führte nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aber nicht dazu, dass das Arbeitsvolumen insgesamt gesunken ist. Denn Teilzeitbeschäftigte arbeiten demnach heute mehr Stunden als in früheren Jahren, zuletzt im Durchschnitt gut 18 Wochenstunden.
