Tiergesundheit: Sachsen sieht sich zunehmend mit Tierseuchen konfrontiert

Published 6 hours ago
Source: stern.de
Tiergesundheit: Sachsen sieht sich zunehmend mit Tierseuchen konfrontiert

Sachsen kämpft mit Tierseuchen wie Geflügelpest und Afrikanischer Schweinepest. Die zuständige Ministerin Köpping hält Prävention und Kooperation für den Schlüssel zur Eindämmung.

Sachsen sieht sich durch Tierseuchen vor immer größere Herausforderungen gestellt. Die Bekämpfung von Vogelgrippe, Afrikanischer Schweinepest (ASP) und andere Seuchen forderten die Veterinärbehörden dauerhaft, sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) nach der Kabinettsitzung in Dresden. "Globalisierung, Klimawandel und veränderte Rahmenbedingungen erhöhen das Risiko ihrer Ausbreitung." Zuvor hatte sie die Regierung in puncto Tierseuchen auf den aktuellen Stand gebracht.

Köpping pocht auf mehr Prävention und engere Kooperation 

Der Schutz der Tiergesundheit sei von zentraler Bedeutung für die Landwirtschaft, die Ernährungssicherheit und die Gesellschaft. "Um diesen Risiken wirksam zu begegnen, müssen wir neue Wege in der Tierseuchenbekämpfung gehen", sagte Kipping. Dazu gehörten stärkere Prävention und eine enge Zusammenarbeit von Behörden, Wissenschaft und Tierhaltern. Nur so könne man Tierseuchen frühzeitig erkennen, effektiv bekämpfen, Tierleid verhindern und die Zukunft der Tierhaltung sichern. 

Afrikanische Schweinepest so gut wie ausgemerzt

Ein positives Fazit zog Köpping zur ASP. Diese sei in Sachsen so gut wie getilgt. Allerdings könne man die Aussage nur mit Vorsicht treffen, denn schon morgen könnte ein neuer Fall auftreten. Aktuell gebe es bei ASP noch Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Dort seien zurzeit mehr als 2.600 Fälle aktiv. In Sachsen habe man derzeit nur noch einen aktiven Fall, dessen Feststellung am 5. Februar auslaufe: "Dann wird Sachsen nach fünfeinhalb Jahren ASP-frei sein."

Keine Hausschweine in Sachsen von ASP betroffen

Köpping erinnerte daran, dass noch vor drei Jahren ein Drittel der Fläche Sachsens ASP-Sperrzone war. Heute seien nur noch Teile der Landkreise Bautzen und Görlitz betroffen. Dass nur Wildschweine und keine Hausschweine betroffen waren, sei eine Erfolgsmeldung. Sachsen habe seit 2020 rund 60 Millionen Euro für die ASP-Bekämpfung aufbringen müssen. Die Unterstützung der EU über den Bund sei mit weniger als einer Million Euro gering ausgefallen. 

Auswirkungen der Vogelgrippe verheerend

Die Auswirkungen der Vogelgrippe nannte Köpping verheerend. Es sei die schwerste Geflügelpest seit Beginn der Aufzeichnung. Mehr als 2,6 Millionen Tieren seien bisher in Deutschland verendet oder hätten bei der Seuchenbekämpfung getötet werden müssen. In Sachsen gebe es bis dato 39 Nachweise bei Wildvögeln - überwiegend bei Gänsen, Kranichen und Schwänen. Insgesamt habe man in Sachsen bisher über eine halbe Million Nutztiere töten müssen - Puten, Gänse und Hühner. 

Verluste für Tierhalter oft existenzbedrohend

"Die Verluste für die Tierhalter sind oft existenzbedrohend", sagte die Ministerin. Bei ihren Gesprächen mit Tierhaltern habe sie deren Betroffenheit spüren können. "Es ist ja nicht nur, dass man einfach sagt: 'Jetzt keulen wir.' Sondern das sind Tiere." Tierhalter seien natürlich um das Tierwohl bemüht und müssten dann solche Maßnahmen ergreifen. "Das ist für die Tierhalter sehr einschneidend." Die Tierseuchenkasse entschädige zwar, das gleiche allerdings nie die Verluste aus. 

Diskussion um Vogelgrippe-Impfung für Geflügel

Laut Köpping teilen sich Sachsen und die Tierseuchenkasse je zur Hälfte in die Entschädigung. Für 2026 seien vom Land dafür 500.000 Euro eingestellt, das Geld werde aber vermutlich nicht reichen. Sie unterstütze Forderungen, die maximale Summe pro Tier von 50 auf 110 Euro anzuheben. Es sei verständlich, dass Tierhalter eine Impfung des Geflügels fordern. Eine Impfung gegen die Vogelgrippe sei nach europäischem Tierseuchenrecht aber nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die Diskussion darüber gehe weiter.

Nur ein Fall von Blauzungenerkrankung bei Rindern in Sachsen

Bei der Blauzungenerkrankung von Rindern hat Sachsen bisher mit einem Fall zu tun. Am 1. Dezember 2025 wurde bei einem Rind im Landkreis Meißen eine Infektion mit diesem Virus festgestellt. Große Angst unter den Tierhalten herrsche weiterhin beim Thema Maul- und Klauenseuche, auch wenn diese hochinfektiöse Erkrankung in Sachsen im Grunde getilgt sei, so Köpping. Glücklicherweise habe es nach dem Ausbruch der Seuche bei Wasserbüffeln in Brandenburg keine weitere Ausbreitung gegeben.

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