Terrorprozess: Zeuge will Syrer als IS-Mann gesehen haben

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Terrorprozess: Zeuge will Syrer als IS-Mann gesehen haben

Ein nach Deutschland geflüchteter Syrer soll in den Reihen des IS an Folter und Tötungen in Syrien beteiligt gewesen sein. Ein Zeuge hat nun ausgesagt, ihn in den Reihen des IS gesehen zu haben.

Im Düsseldorfer Prozess um ein Massaker des Islamischen Staats in Syrien hat ein Zeuge ausgesagt, den Angeklagten in den Reihen des IS gesehen zu haben. Er sei dabei gewesen, als Angehörige seiner Familie vom IS auf einen Schulhof gebracht wurden, sagte der 26-Jährige im Zeugenstand des Oberlandesgerichts. 

Er sei damals 13 Jahre alt gewesen. Die Kinder durften gehen, darunter er selbst. Seinen Onkel und dessen Sohn hätte die IS-Männer aber dort behalten und umgebracht. Ihre Leichenteile hätten sie ein halbes Jahr später in der Nähe gefunden. Seinen Onkel hätten sie am Gebiss erkannt, sagte der Zeuge. 

Der Angeklagte, bei dem es sich um einen entfernten Cousin zweiten Grades von ihm handelt, hätte seiner Meinung nach wenigstens versuchen können, ihnen zu helfen. Er habe dies aber nicht getan und später auf Vorwürfe Dritter gesagt, er habe mit dem Tod seiner Verwandten nichts zu tun und hätte ihn nicht verhindern können. Er habe es nicht in der Hand gehabt, sie zu retten.

Der Angeklagte habe früher in den Reihen der Freien Syrischen Armee gekämpft, bevor er sich dem IS angeschlossen habe. 

Kriegsverbrechen. Folter und Mord

Der 34-jährige Syrer, festgenommen in Monheim bei Düsseldorf, sitzt wegen einer Reihe schwerer Straftaten auf der Anklagebank. Es geht um Terrorismus, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Beihilfe zu Folter und Mord. 

Die Bundesanwaltschaft warf dem Mann beim Prozessauftakt vor, als Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an einem Massaker gegen die Angehörigen eines aufständischen Stammes beteiligt gewesen zu sein. Sein Verteidiger bestritt die Vorwürfe beim Prozessauftakt: Sie seien falsch und die Fortsetzung einer alten Familienfehde. 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 34-Jährigen vor, als ortskundiger Führer und IS-Mitglied eine Einheit von IS-Kämpfern im August 2014 zu den Stammesangehörigen geführt zu haben. Familienverbände hätten sich dann auf einem Schulhof versammeln müssen. Männer und männliche Jugendliche ab 15 Jahren seien dort von den Frauen und Mädchen getrennt worden. 

Die männlichen Gefangenen seien misshandelt und zwei von ihnen noch vor Ort enthauptet worden. Der Angeklagte habe das Geschehen, mit einer Kalaschnikow bewaffnet, abgesichert. Der Angeklagte war am 20. Januar vergangenen Jahres in Monheim festgenommen worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

PM Bundesanwaltschaft

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