Obsessiver Schönheitswahn, explodierende Models und ein sexuell übertragbares Virus mit tödlichen Folgen: Die neue Serie von TV-Mastermind Ryan Murphy ist krass. Ashton Kutcher spielt einen Schurken.
Supermodel Bella Hadid stolziert angestrengt über den Laufsteg. Sie schwitzt und wirkt unruhig. Plötzlich stürzt sie sich ins Publikum und attackiert einige Zuschauer. Sie reißt eine Flasche Wasser an sich und trinkt hektisch. Dann rennt sie davon. Nach einer wilden Flucht, auf der sie in einem Bistro scheinbar wahllos Gäste angreift, wird sie von der Polizei gestellt. Zur Festnahme kommt es nicht mehr. Denn plötzlich explodiert das Topmodel.
Body-Horror von Starproduzent Ryan Murphy
Die neue Serie von Ryan Murphy beginnt mit drastischen Bildern - und steigert sich noch. Mit "The Beauty" (ab 22. Januar bei Disney+) widmet sich der Starproduzent und Autor von Serienhits wie "Nip/Tuck", "Glee" oder "American Horror Story" dem populären Genre Body-Horror. Zur Besetzung zählen Evan Peters, Rebecca Hall, Antony Ramos, Jeremy Pope - und Ashton Kutcher, der nach dreijähriger Pause in "The Beauty" zur Abwechslung als eiskalter Bösewicht eine gute Figur macht.
"Ich glaube, jeder ist für irgendwen der Bösewicht", sagte Kutcher (47) der Deutschen Presse-Agentur in London. "Ich habe die Figur aber gar nicht als Bösewicht angelegt. Man schaut sich eher an: Was will diese Person? Was wünscht sie sich? Wie weit würde sie gehen, um das zu bekommen? Und dann arbeitet man sich Schritt für Schritt voran."
Ashton Kutcher als Bösewicht
Kutcher spielt einen skrupellosen Tech-Milliardär namens The Corporation, der ein geheimes Serum entwickelt hat, mit dem gewöhnliche Menschen ihr gewünschtes Schönheitsideal erreichen können. Allerdings hat das Wundermittel dramatische Nebenwirkungen. So tragen die Patienten ein Virus in sich, das unter anderem durch sexuellen Kontakt übertragen wird, aggressiv macht und tödliche Folgen hat.
Nachdem mehrere Supermodels auf ähnliche Weise ums Leben gekommen sind, untersuchen die FBI-Agenten Cooper Madsen (Evan Peters) und Jordan Bennett (Rebecca Hall) das mysteriöse Phänomen. Auf ihrer Spurensuche in Paris, Venedig, Rom und New York geraten die beiden schnell in Gefahr.
Unterdessen räumt ein Auftragsmörder (Antony Ramos als eine Art James-Bond-Bösewicht) mit einer Vorliebe für Yacht-Rock-Musik - insbesondere die Songs von Christopher Cross - für The Corporation Infizierte aus dem Weg, damit die Markteinführung des Serums nicht durch Negativschlagzeilen gefährdet wird.
"Wie weit würdest du für Schönheit gehen?"
"Ryan hat da einfach einen großartigen Rahmen geschaffen", schwärmt Ashton Kutcher, "mit einer Frage im Zentrum, die total berührt, absolut aktuell ist und auch was mit Popkultur zu tun hat: Wie weit würdest du für Schönheit gehen?" Er habe deshalb nicht Nein sagen können, sagte Kutcher, der Parallelen zum für fünf Oscars nominierten Film "The Substance" mit seiner Ex-Frau Demi Moore einräumte.
"The Beauty" ist eine eigentümliche und rasante Mischung aus Krimi, Thriller und Horror - mit sehr viel explizitem Sex und einer Prise Humor. Auch an Action mangelt es der Serie, die auf dem gleichnamigen Comic basiert, nicht. So liefert sich Evan Peters im nächtlichen Venedig mit seinen Verfolgern eine spektakuläre Verfolgungsjagd auf "Mission: Impossible"-Niveau.
Peters beschreibt die Serie humorvoll als "internationalen Science-Fiction-Satire-Body-Horror-Actionthriller mit einer Prise Romantik". Im Kern aber steht der Mensch mit seinen Obsessionen, Eigenarten und Gefühlen. "Ryan war schon immer großartig darin, das zu finden, was Menschen ausmacht – und genau das zuzuspitzen."
Minirolle für Nicola Peltz Beckham
In Nebenrollen und Gastauftritten sind neben Bella Hadid unter anderem Isabella Rossellini, Popstar Meghan Trainor und Nicola Peltz Beckham zu sehen, deren Ehemann Brooklyn Beckham gerade mit seiner Familienfehde für Schlagzeilen sorgt.
Die Story wird im Verlauf der elf Folgen zunehmend absurd - und das ist gut. Nach der etwas klischeehaften und schnöden Anwalts-Seifenoper "All's Fair" mit Kim Kardashian und Glenn Close kehrt Ryan Murphy mit "The Beauty" zu alter Stärke zurück. Der Kontrast zwischen Hochglanz-Erotik und nicht selten unappetitlichen Bildern, zwischen Horror und trockenem Humor, ist originell und äußerst unterhaltsam.
