Bezahlbares Wohnen ist ein Dauerthema in Hamburg. Öffentlich geförderte Wohnungen mit Preis- und Belegungsbindungen sollen helfen, den Markt zu entspannen. Einmal im Jahr zieht der Senat Bilanz.
In Hamburg ist die Zahl der Bewilligungen zum Bau geförderter Mietwohnungen im vergangenen Jahr gesunken. Dennoch wurden 2025 durch staatliche Förderung insgesamt für so viele Wohnungen Mietpreis- und Belegungsbindungen erreicht wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr, sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) bei der Vorlage der Wohnraumförderungsbilanz.
Demnach wurden 2.742 neue geförderte Wohnungen bewilligt. Das waren 350 oder knapp zwölf Prozent weniger als im Vorjahr.
Knapp 1.700 klassische Sozialwohnungen bewilligt
Bei 1.669 Wohnungen handelt es sich um klassische Sozialwohnungen im ersten Förderweg mit einer Kaltmiete von 7,25 Euro pro Quadratmeter. Davon sind 422 für vordringlich Wohnungssuchende vorgesehen.
579 Wohnungen wurden im zweiten Förderweg auch für mittlere Einkommen bewilligt - mit einer Miete von 9,35 Euro. Für 494 weitere im dritten Förderweg bewilligte Wohnungen müssen künftig 12,25 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden.
Die Zahl der durch geförderte Modernisierungen von Bestandswohnungen erfolgten Mietpreis- oder Belegungsbindungen nahm 2025 um knapp 1.000 auf 1.625 zu. Zudem wurden den Angaben zufolge 2.002 Sozialwohnungen durch eine Bindungsverlängerung oder den Ankauf von Belegungsbindungen im Bestand gehalten - knapp 200 mehr als 2024.
Pein: Hamburg bei gefördertem Wohnen bundesweit Spitze
Angesichts einer Förderungsbewilligung für insgesamt 6.369 Wohnungen mit Sozialbindungen sprach Pein von einem "Rekordergebnis, wie wir es seit über 25 Jahren nicht mehr erreicht haben".
Hamburg bleibe im Bundesvergleich Spitzenreiter bei der Förderung von Neubau und Modernisierung. "Damit sichern wir bezahlbaren Wohnraum für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen und stärken den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt."
Laut einer bundesweiten Erhebung kam Hamburg 2024 auf 166 geförderte Wohnungen pro 100.000 Einwohner - der höchste Wert vor Berlin (144) und Schleswig-Holstein (60).
"In einer Zeit, in der landauf und landab über angespannte Wohnungsmärkte gesprochen wird, sendet Hamburg ein Zeichen, wie es gehen kann", sagte der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner. Die neuesten Zahlen seien "ein Erfolg des Bündnisses für das Wohnen und der damit verbundenen sehr guten öffentlichen Förderung des bezahlbaren Wohnens."
Opposition kritisierte "Jubelmeldungen" bei Wohnungsförderung
Kritik an den von Pein vorgelegten Zahlen kam von der Opposition in der Bürgerschaft. "Mit seiner Jubelmeldung versucht der Senat zu verschleiern, dass er das selbstgesteckte Ziel von jährlich 3.000 geförderten Neubauwohnungen wieder nicht erreicht hat", sagte die wohnungspolitische Sprecherin der Linken, Heike Sudmann.
Die Zahlen sollten zwar beeindruckend klingen, "lösen aber das Grundproblem nicht", konstatierte die Stadtentwicklungsexpertin der CDU, Anke Frieling. "In Hamburg haben 643.000 Haushalte Anspruch auf eine Sozialwohnung, da sind 2.742 Wohnungen tatsächlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein."
Der Sprecher für Stadtentwicklung bei der AfD, Joachim Körner, fragte: "Was nützt ein Rekord auf dem Papier, wenn sich immer mehr Bürger ihre Miete nicht leisten können?" Bezahlbarer Wohnraum bleibe in Hamburg Mangelware.
Senatorin: Förderung ist Rettungsanker für Immobilienmarkt
Dass die Zahl der Bewilligung in der Neubauförderung zum Vorjahr sogar sank und die Stadt damit erneut hinter ihrem selbst gesteckten Ziel von 3.000 Bewilligungen pro Jahr zurückblieb, entmutigt Pein offensichtlich nicht: "Fast 2. 800 - das ist ein ziemlich gutes Ergebnis und es ist ganz nah dran an den 3. 000", sagte sie.
Der geförderte Wohnungsbau mache in der Stadt mittlerweile über 40 Prozent des Gesamtneubaus aus. "Die soziale Wohnraumförderung ist ein wahnsinniger Rettungsanker für unseren Immobilienmarkt", sagte Pein. Das sei auch wichtig um in Krisenzeiten keine Ressourcen am Baumarkt zu verlieren. "Wir gehen hier mit unglaublich viel Geld rein, um diese Zahlen hoch und stabil zu halten."
Für die Fortführung der Förderung stellt die Stadt Pein zufolge in diesem Jahr Mittel in Höhe von 868 Millionen Euro bereit. Ziel seien weiter 3.000 geförderte Neubauwohnungen. Zudem 15.000 geförderte Modernisierungen und 1.100 Bindungen im Bestand.
