Die Demokratin Ilhan Omar, die in Minneapolis attackiert wurde, ist regelmäßig Zielscheibe rechten Hasses. Wer ist die Frau, die sich als Kämpferin für Minderheiten sieht?
Ilhan Omar forderte in ihrer Rede im Rathaus von Minneapolis gerade ein Amtsenthebungsverfahren für Heimatschutzministerin Kristi Noem. Die ist verantwortlich für den massiven Einsatz von ICE-Beamten in der Stadt, bei dem es bereits zu zwei Toten gekommen ist. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. Der Hass auf die Männer, die die brutalen Razzien durchführen, sei grenzenlos, heißt es. Aber der Hass schlägt genauso in die andere Richtung aus.
In dem Moment, in dem Omar die Ministerin kritisierte, sprang ein Zuschauer auf und bespritzte sie mit Flüssigkeit. Die demokratische Kongressabgeordnete zuckte kurz, machte dann ein paar Schritte auf den Mann zu und hob andeutungsweise ihre Faust, als wollte sie dem Angreifer eine verpassen. Doch in dem Moment wurde der bereits von Securitymännern niedergerungen. Nach einem kurzen Durcheinander setzte Omar ihre Rede fort: "Wir werden standhaft bleiben, egal was sie uns auch entgegenwerfen mögen", sagte sie. "Wir machen weiter, diese Arschlöcher kommen so nicht davon."
Gänzlich überraschen konnte die Attacke nicht. Ilhan Omar ist, seit sie 2018 für ihren Wahlkreis Minneapolis erstmals in das Repräsentantenhaus gewählt wurde, für viele Republikaner und Rechte Zielscheibe für Hass, Häme und Rassismus. Parteikollegen kritisieren die umstrittene Politikerin wegen ihrer Haltung zu Israel.
Ilhan Omar Sie verkörpert alles, was Konservative und Rechte ablehnen
Sie verkörpert alles, was Konservative und Rechte ablehnen – und sie ist eine echte Pionierin. Neben der demokratischen Abgeordneten Rashida Tlaib aus Michigan war sie die erste Muslima, die ins US-Repräsentantenhaus gewählt wurde. Weil Omar im Kapitol ihr Kopftuch nicht ablegen wollte, wurde das seit 181 Jahren existierende Kopftuchverbot auf Antrag der Demokraten extra aufgehoben. Innerhalb der demokratischen Partei gehört Omar dem Bernie-Sanders-Lager, also zu den richtigen Linken. Ihre zentrale Forderung ist die Abschaffung der Einwanderungs- und Zollbehörde, kurz ICE, und eine gänzlich andere Einwanderungspolitik. Sie setzt sich unter anderem für Arbeitnehmerrechte und eine bezahlbare, staatliche Krankenversicherung ein.
Was sie angreifbar macht, ist ihre Haltung zu Israel und zum Nahost-Konflikt. Ihr wurden wiederholt antisemitische Äußerungen vorgeworfen. 2019 gingen sowohl die Demokraten wie die Republikaner auf sie los, weil sie gepostet hatte, dass es einigen pro-israelischen Gruppen "nur um die Benjamins geht, Baby". Eine eindeutige Anspielung auf das Klischee des reichen Juden. Sie entschuldigte sich für diesen Kommentar. Ebenso enthielt sie sich der Stimme, als das Repräsentantenhaus eine Resolution verabschiedete, in der der türkische Völkermord an den Armeniern anerkannt wurde. Auch dafür wurde sie scharf kritisiert. 2021 setzte sie den Terror der islamistischen Hamas mit Kriegshandlungen der USA und Israel gleich. Später erklärte sie, dass es nicht so gemeint sei.
Einen ersten Höhepunkt erreichten die persönlichen Angriffe auf sie, als Trump sie im Wahlkampf 2020 in seinen Reden auf offener Bühne herabwürdigte. Er stachelte seine Zuhörer dazu an, "Schickt Sie zurück" zu skandieren. Die Hasswelle, die über die dreifache Mutter hereinbrach, war so gewaltig, dass Nancy Pelosi, damals Sprecherin des Repräsentantenhauses, einen 24-Stunden-Schutz durch die Kapitol-Polizei anordnete.
Regelmäßige Morddrohungen gehören zu ihrem Leben
Regelmäßige Morddrohungen gehören seitdem zu Omars Leben. "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Trump und der Häufigkeit von Morddrohungen", sagte sie jüngst der "New York Times". "Es gibt mehrere Personen, die inhaftiert sind oder auf ihre Verurteilung warten, weil sie gedroht haben, mich und meine Familie zu töten." Während der Biden-Jahre hätten die Drohungen nachgelassen, doch seit Trump ins Amt zurückgekehrt sei, hätten sie wieder das Niveau von 2020 erreicht.
Im Zusammenhang mit den brutalen Razzien in Minneapolis hatte Trump die Attacken auf Omar wieder aufgenommen. In der vergangenen Woche beschimpfte der US-Präsident sie als "Müll". Im vergangenen Dezember hatte Trump gefragt, "warum wir eigentlich Leute aus Shithole-Ländern holen?"
Trump spielte zum einen auf Omars Herkunft an. Sie war im Alter von acht Jahren mit ihrer Familie aus Somalia geflohen, lebte vier Jahre in einem Flüchtlingslager in Kenia und erhielt schließlich Asyl in den USA. Sie landete am Ende in Minneapolis, wo die größte somalische Gemeinschaft in den USA lebt. Zum anderen erinnerte er damit an einen Sozialbetrugsskandal in der Stadt. Einige Somalier sollen das Sozialsystem des Bundesstaates systematisch um Hunderte Millionen Dollar betrogen haben. Die Gerichtsprozesse dazu laufen noch. Die Trump-Administration nutzte den Skandal als Begründung für den massiven ICE-Einsatz in der liberalen Stadt.
Omar sieht sich als Kämpferin, wie sie vor einigen Wochen sagte. Sie fühle sich trotz der Drohungen weiterhin berufen, ihrer Arbeit nachzugehen. Sie betrachtet sich als Stimme der Einwanderer und wird weiter gegen ICE und Trump kritisieren. Das klingt glaubhaft.
Quellen: DPA, "RP online", "taz", "New York Times", CBC
