Olympische Sommerspiele: Olympia in Hamburg? Finanzierungskonzept bis März geplant

Published 4 hours ago
Source: stern.de
Olympische Sommerspiele: Olympia in Hamburg? Finanzierungskonzept bis März geplant

Barrierefreiheit, Kosten und Bürgerbeteiligung – Hamburgs Olympia-Pläne stoßen auf Lob und heftige Kritik. Wie die Entscheidung beim Referendum ausgehen könnte, bleibt spannend.

Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote will bis Mitte März ein Finanzierungskonzept für mögliche Olympische Spiele in der Hansestadt vorlegen. Das beinhalte zwar keine exakten mathematischen Berechnungen, sagte der SPD-Politiker. Das sei für ein in 10, 14 oder 18 Jahren anstehendes Sportgroßereignis auch nicht möglich. "Aber trotzdem werden wir (...) eine Grundkalkulation haben, die auch so belastbar ist, dass man (...) auf der Grundlage dann auch eine Entscheidung treffen kann." 

Ende Mai Olympia-Referendum in Hamburg

Ende Mai können Hamburgs Bürgerinnen und Bürger in einem Referendum entscheiden, ob sie Olympische Spiele in der Stadt haben wollen oder nicht. Beim Referendum 2015 hatten sie mehrheitlich dagegen gestimmt. Hauptgrund für das damalige Hamburger Nein zu Sommerspielen 2024 waren Analysen zufolge die Kosten, fehlende Finanzzusagen des Bundes und das Geschäftsgebaren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Grote sagte, er hoffe diesmal an 60 Prozent Zustimmung heranzukommen. Die Mitbewerber-Stadt München hat in ihrem Referendum am 26. Oktober vergangenen Jahres bereits mit 66,4 Prozent Ja-Stimmen vorgelegt. Die Region Köln-Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen plant Ratsbürgerentscheide am 19. April. In der Bewerberstadt Berlin ist noch unklar, ob und wie eine Bürgerbeteiligung aussehen könnte.

DOSB entscheidet im September über deutsche Bewerbung

Wer im Rennen um die deutsche Bewerbung letztlich das Rennen macht, will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 26. September in Baden-Baden entscheiden. Aus Grotes Sicht haben München und Hamburg die größten Chancen. Gleichzeitig appellierte er: "Man ist auch kein schlechter Mensch, wenn man sich dagegen entscheidet. Aber die Erwartung ist, die Bitte ist und der Appell ist: „Beschäftigt euch mit dem Konzept"." 

Olympia-Projektleiter Steffen Rülke betonte: "Wir sind fest davon überzeugt, die Olympischen, Paralympischen Spiele sind eine große Chance für die Wirtschaft, für die Kultur, für den Hafen, für die Vereine in dieser Stadt." Das Entscheidende sei aber: "Wir wollen die Spiele nach Hamburg holen für die Menschen in dieser Stadt, für die Jungen und für die Alten, für die Menschen, die seit Kurzem hier zu Hause sind und für die Menschen, die schon seit sehr langer Zeit hier zu Hause sind."

Mehr als 3.000 informierten sich im Beteiligungsverfahren

Im bisherigen Beteiligungsverfahren zur geplanten Bewerbung Hamburgs um Olympische Spiele sind rund 800 Rückmeldungen eingegangen. Insgesamt hätten sich in 15 Bürgerdialogen und Beteiligungsverfahren sowie online mehr als 3.000 Bürgerinnen und Bürger informiert, teilte die Innenbehörde mit. 

20 Prozent der Anregungen etwa zu Themen wie Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe, Rahmenprogramm oder Inklusion fänden direkt den Weg in das Hamburger Bewerbungskonzept. Weitere 55 Prozent seien noch in der Prüfung. Der Rest habe nichts mit Olympischen Spielen zu tun oder sei nicht verwertbar. Als größte Risiken bewerteten Teilnehmer einer Online-Umfrage die Kosten und Einschränkungen etwa durch Baustellen und Sicherheitsvorkehrungen.

Goldmedaillen-Gewinnerin Müller betont Thema Barrierefreiheit

Die zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin bei Paralympics und Fahnenträgerin in Paris 2024, Edina Müller, betonte, dass die Themen Barrierefreiheit und Inklusion bei den Bürgerdialogen eine wichtige Rolle eingenommen hätten, unterstreiche, dass die Barrierefreiheit im Alltag alle betreffe. "Den Spirit, die Botschaft und die weltweite Strahlkraft der Paralympics wollen wir gemeinsam nutzen, um die Gesellschaft noch inklusiver, unsere Stadt noch barrierefreier zu machen."

Der CDU-Oppositionsführer Dennis Thering sagte, jetzt komme es darauf an, die Hamburgerinnen und Hamburger davon zu überzeugen, dass Olympische Spiele einen echten Mehrwert für Hamburg böten. "Ein transparentes und tragfähiges Finanzierungskonzept wird dabei eine der zentralen Voraussetzungen sein, um die Menschen mitzunehmen." Die AfD kritisierte Grotes Auftritt als eine politische Selbstinszenierung.

Linksfraktion erklärt Beteiligungsformat für kläglich gescheitert

Kritik kam auch von der Linksfraktion: "Das groß angekündigte Beteiligungsformat des Senats ist kläglich gescheitert", sagte der Linken-Sportexperte Martin Wolter. "Trotz des großen Werbeaufwands haben nicht einmal 3.000 Menschen teilgenommen, das sind gerade mal 0,16 Prozent der Bevölkerung." Trotzdem zu behaupten, die Bewerbung trage "die Handschrift der Hamburgerinnen und Hamburger" sei eine Irreführung der Öffentlichkeit.

Ähnlich äußerte sich die NOlympia-Gruppe. "Die sogenannten Beteiligungsveranstaltungen unter dem Vorzeichen eines vermeintlich alternativlosen Ergebnisses entpuppten sich als Werbevortrag des Olympiaverkäufers mit angekoppelter Kampagnenmarktforschung", sagte NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich. Bedenklich sei auch, dass feste Finanzierungszusagen des Bundes behauptet würden, während der Senat gegenüber der Bürgerschaft unter anderem habe einräumen müssen, dass der Bund sich nicht an den Bewerbungskosten in Höhe von 18 Millionen Euro beteilige.

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