Vermummte ICE-Agenten treffen nicht nur auf den Straßen der USA auf immer mehr Widerstand. Auch in den eigenen Reihen sind offenbar nicht alle mit dem Vorgehen einverstanden.
Nach den tödlichen Schüssen eines ICE-Agenten auf die dreifache Mutter Renee Nicole Good in Minneapolis scheint der Widerstand gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE nicht nur auf der Straße zu wachsen. Im Internet findet sich eine Liste mit den Identitäten von rund 4500 ICE-Agenten. Laut dem US-Magazin "The Daily Beast" stammt sie angeblich von einem Whistleblower im "Department of Homeland Security" – also dem US-Heimatschutzministerium, dem die Einwanderungsbehörde ICE unterstellt ist.
Auf "wiki.icelist.is" finden sich Namen, geschäftliche E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Funktionen und einige Daten aus Lebensläufen, darunter frühere Tätigkeiten von Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde. Der Urheber von "ICE List", Dominick Skinner, sagte "The Daily Beast" über das Daten-Leak: "Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Menschen mit der US-Regierung unzufrieden sind. Die Erschießung [von Good, d. Red.] war für viele Menschen der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte."
Projekt enthüllt Identitäten von 4500 ICE-Beamten
Das Projekt beschreibt sich selbst so: "Das ICE-List-Wiki ist eine öffentliche, überprüfbare Aufzeichnung von Einwanderungskontrollmaßnahmen in den Vereinigten Staaten. Es dokumentiert Vorfälle, Behörden, Personen, Einrichtungen, Fahrzeuge und Justizbehörden, die an Kontrollmaßnahmen beteiligt sind. Die Einträge sind strukturiert, mit Quellenangaben und einem Zeitstempel versehen, um die Überprüfung, Querverweise und langfristige Analysen zu erleichtern. Das Wiki ist für Journalisten, Forscher, Interessenvertreter und die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt." Zugleich finden sich auf der Seite Bitten um Spenden sowie Mitarbeit. Es gibt die Möglichkeit, Fotos, Videos und Dokumente hochzuladen, einen Vorfall zu melden oder bei der Identifikation bislang unbekannter ICE-Agenten zu helfen.
Die Journalistin Laura Jedeed gab unterdessen im Onlinemagazin "Slate"einen Einblick in den Bewerbungsprozess für ICE-Agenten. Demnach hatte sie sich auf einer Messe in Texas bei einem ICE-Karrierecenter gemeldet und schließlich einen Job bei der Behörde angeboten bekommen, obwohl sie Tage vor dem Drogentest gekifft hatte, keine der geforderten Unterlagen eingereicht hatte und schon allein eine Google-Suche ihres Namens sie als linke Journalistin enttarnt hätte. Dem Bericht zufolge scheint der US-Einwanderungsbehörde ziemlich egal zu sein, wen sie für Razzien und Festnahmen auf die Straße schickt.
Staatsanwälte in Minnesota treten aus Protest zurück
In Minnesota haben derweil mehrere ranghohe Staatsanwälte aus Protest gegen den Umgang der US-Regierung mit der Tötung von Renee Nicole Good ihre Ämter niedergelegt. Nach übereinstimmenden Medienberichten traten mindestens sechs Staatsanwälte in dem Bundesstaat zurück. Auch in der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums in Washington D. C. legten Staatsanwälte ihre Ämter nieder.
Anlass ist die Entscheidung der Regierung von US-Präsident Donald Trump, keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen den beteiligten ICE-Beamten einzuleiten, stattdessen jedoch die Witwe des Opfers zu überprüfen.
Quellen:"The Daily Beast", "wiki.icelist.is", "Slate.com" zum ICE-Bewerbungsprozess.
