Die merkwürdige Sehnsucht von US-Präsident Donald Trump. Außerdem: Wie wirkt Australiens Social-Media-Verbot? Und warum es bald eine Steuererhöhung geben dürfte. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
man muss sich das einmal in seiner ganzen Absurdität vor Augen führen: Die Oppositionsführerin eines Landes, dessen diktatorischen Machthaber die USA gerade entführt haben und dessen Zukunft höchst ungewiss ist, ist zu Gast im Weißen Haus. Und dann geht es um, Trommelwirbel: ein Stück Edelmetall.
So geschehen gestern Abend. Die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado hat US-Präsident Donald Trump nach einem gemeinsamen Essen ihre Nobelpreis-Goldmedaille überreicht – mehr dazu lesen Sie hier.
Im Vorfeld hatte der US-Präsident Machados Auszeichnung eingefordert, nicht zum ersten Mal. Die Weitergabe eines Preises, der eigentlich gar nicht weitergegeben werden darf, ist der neue, schräge Höhepunkt einer langjährigen, absurden Obsession von US-Präsident Donald Trump.
Donald Trump und der Nobelpreis
Donald Trump liebt Preise. Öffentlich behauptete er mehrfach, er sei in Michigan zum "Man of the Year" gekürt worden. Problem nur: Den Preis gibt es gar nicht, enthüllte CNN. Besonders angetan hat es Trump der Friedensnobelpreis, seit Jahren lechzt er nach einer der wohl bedeutendsten Auszeichnungen der Welt. Nelson Mandela bekam ihn, Mutter Teresa – und 2009 auch Barack Obama. Was Donald Trump ärgerte und wohl der Beginn seiner Besessenheit von dem Preis war.
"Der Mittelpunkt seines öffentlichen Lebens ist für Donald Trump sein Ruhm und der Friedensnobelpreis wäre eine schöne Trophäe, um sie sich an die Wand zu hängen", sagte John Bolton, Trumps ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, der "New York Times". "Er sah, dass Obama den Friedensnobelpreis bekam und dachte sich: Wenn Obama ihn für nichts bekommen hat, warum sollte er ihn dann nicht auch bekommen?"
In Trumps erster Amtszeit (2017-2021) wurde das Nobelpreis-Thema immer präsenter, zunächst im Kontext seiner Gespräche mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. "Trump sollte den Friedensnobelpreis erhalten. Das Einzige, was wir brauchen, ist Frieden", sagte der frühere südkoreanische Präsident Moon Jae-in im Jahr 2018 – damals selbst für die Auszeichnung gehandelt. Trump gab sich bescheiden: Jeder denke, er solle den Preis bekommen, sagte er, aber er selbst wolle nur einen "Sieg für die ganze Welt", das sei der einzige Preis, den er sich wünsche.
Dafür sprach Trump dann aber doch ganz schön häufig über den Nobelpreis.
- 2018 zog er gegenüber der "New York Post" einen absurden Vergleich: "Sie werden ihn mir nie geben. Wir hätten den Emmy für 'The Apprentice' bekommen sollen, wissen Sie? Ich hatte die Nr. 1-Show."
- Er mokierte sich über die Vergabe-Mechanismen: "Ich würde einen Nobelpreis für viele Dinge bekommen, wenn sie ihn auf faire Weise vergeben würden, was sie nicht tun."
- Und er ärgerte sich über die Auszeichnung anderer: 2019 etwa, als der äthiopische Ministerpräsident den Nobelpreis bekam (was durchaus umstritten war): "Ich habe einen Deal gemacht, ich habe ein Land gerettet. Und ich habe gerade gehört, dass der Staatschef dieses Landes jetzt den Friedensnobelpreis dafür bekommt, dass er das Land gerettet hat. Aber wissen Sie, so ist das nun mal. Solange wir es wissen, ist das alles, was zählt. Ich habe einen großen Krieg verhindert, ich habe sogar mehrere verhindert."
So geht das dann auch in Trumps zweiter Amtszeit weiter: Der US-Präsident lobt sich für die vielen Kriege, die er angeblich beendet hat, sagt, er habe den Nobelpreis verdient, beklagt sich – und gibt sich dann bescheiden: "Mir geht es nicht darum, Preise zu gewinnen", sagte Trump etwa vor den Vereinten Nationen. "Es geht darum, Leben zu retten."
Dem widersprach Trumps ehemaliger Berater mit Blick auf Venezuela noch einmal deutlich: "Sehen Sie, es geht immer nur um Trump", sagte er gegenüber CNN. "Er kümmert sich weniger um Venezuela als um den Preis."
Der britische Psychiater Dr. Raj Persaud sieht in Trumps Nobelpreis-Obsession eine Mischung aus Narzissmus und Verschwörungsglaube. Wenn Narzissten nicht die von ihnen erwartete Anerkennung bekämen, griffen sie auf Verschwörungstheorien zurück, sagt Persaud. Ganz nach dem Motto: Sie sind gegen mich, wenn sie mir nicht den Preis geben, den ich verdiene.
Immerhin: Einen Trostpreis bekam Donald Trump im Dezember 2025 dann doch: den frisch für ihn eingeführten Fifa-Friedenspreis. Das sorgte zwar für jede Menge Spott und Kritik, Trump freute sich trotzdem. Preis ist eben Preis.
Australiens Social-Media-Verbot: Erste Zahlen bekannt
Immer wieder warnen Experten vor den Folgen exzessiven Social-Media-Konsums bei jungen Menschen. Australiens Verbot für unter 16-Jährige hat die Debatte noch einmal befeuert. Frankreich plant mittlerweile ein ähnliches Gesetz. Und auch in Deutschland spricht sich eine Mehrheit für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige aus.
Aber was bringt das australische Gesetz überhaupt? Einen Monat nach Inkrafttreten zog der Premierminister eine erste Bilanz:
5-Minuten-Talk: Warum es bald eine Steuererhöhung geben dürfte
In unserem Podcast 5-Minuten-Talk geht es heute um das Thema Steuern: Überall ist nur von Steuersenkungen die Rede – für die Wirtschaft, für kleine und mittlere Einkommen. Aber das geht rechnerisch nicht auf. Das schwant mittlerweile auch der Union.
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Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Trumps Politik löst bei vielen Menschen Unbehagen aus – und den Wunsch, US-Dienste wie Gmail nicht mehr zu unterstützen. Gerade im Digitalen gibt es tolle europäische Alternativen. Mein Kollege Malte Mansholt stellt sie vor:
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Ich wünsche Ihnen einen stressfreien Freitag und ein schönes Wochenende!
Stefan Düsterhöft
