Während die Linke ihre Mitgliederzahl fast verdreifacht hat, schrumpfen die großen Parteien weiter. Ein Überblick vor den Kommunalwahlen 2026.
Die Linke hat ihre Mitgliederzahl in Niedersachsen innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Nach Parteiangaben zählte der Landesverband Anfang Dezember 2024 noch 3.335 Mitglieder. Ein Jahr später seien es bereits 9.404 Mitglieder. Auch andere Parteien in Niedersachsen verzeichnen teils starke Veränderungen ihrer Mitgliederzahlen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Landesverbänden ergab.
Linke erwartet weiteren Zuwachs
Niedersachsens Linke-Chef Thorben Peters sieht im Aufwärtstrend seiner Partei mehr als einen Protesteffekt: "Die Linke ist nie eine Partei, die stark ist, nur weil andere Parteien Mist bauen. Diese Wähler gehen eher zur AfD."
Gewachsen sei die Partei vielmehr, weil sie Wege aufzeige, gegen Ungerechtigkeit vorzugehen: "Die Linke ist für viele Menschen attraktiv geworden, weil wir zeigen, dass man gegen Ungerechtigkeit etwas tun kann, und zwar mit solidarischem, gemeinschaftlichem Engagement."
Zulauf erhalte die Partei aus unterschiedlichen politischen Lagern: "Von den Grünen kamen viele Menschen, die insbesondere mit der Politik in puncto Klimagerechtigkeit, aber auch der Verschärfung der Asylpolitik unzufrieden waren. Aber wir haben auch Zulauf von anderen Parteien." Für 2026 ist Peters optimistisch, die Marke von 10.000 Mitgliedern zu knacken.
CDU sinkt unter 50.000 Mitglieder
Die mitgliederstärkste Partei in Niedersachsen ist weiterhin die CDU – mit einem Vorsprung von etwas mehr als 3.000 Mitgliedern gegenüber der SPD. Zum Ende letzten Jahres zählte die größte Oppositionspartei in Niedersachsen noch 50.627 Mitglieder. Ende November 2025 waren es 49.351 Mitglieder.
Erneuter Rückgang bei der SPD
Auch die SPD von Ministerpräsident Olaf Lies musste leichte Verluste hinnehmen. 2024 zählten die Sozialdemokraten zum Jahresende 46.800 Mitglieder. Ende November 2025 lag die Zahl bei 46.013 Mitgliedern.
Zuwachs bei AfD und Grünen
Die Grünen gaben an, dass sie Ende Dezember 2024 rund 15.000 Mitglieder zählten. Anfang Dezember 2025 waren es demnach rund 18.000 Mitglieder.Ähnlich stark wuchs im Jahr der Bundestagswahl nach eigenen Angaben auch die AfD – von rund 4.900 Mitgliedern im Dezember 2024 auf jetzt rund 8.000 Mitglieder. Zusätzlich lägen knapp 300 Mitgliedsanträge vor, die sich im Bearbeitungsprozess befänden, hieß es.
FDP: Rund 300 Mitglieder weniger als im Vorjahr
Die FDP in Niedersachsen kommt aktuell auf knapp 6.200 Mitglieder, nachdem es Ende 2024 noch etwas mehr als 6.500 gewesen waren. Im Landtag ist die FDP seit 2022 nicht mehr vertreten, in diesem Jahr verpasste sie auch den Verbleib im Bundestag.
BSW: von rund 100 auf über 1.000 Mitglieder
Der 2024 gegründete Landesverband des BSW zählte nach Parteiangaben im vergangenen Jahr erst um die 100 Mitglieder, mittlerweile seien es deutlich mehr als 1.000 Mitglieder. "Wir sind auf dem Weg zu einer Mitgliederpartei", sagte der niedersächsische BSW-Co-Chef Holger Onken.
