Ministerpräsidenten: Wer kennt alle Vorgänger von Haseloff in Sachsen-Anhalt?

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Ministerpräsidenten: Wer kennt alle Vorgänger von Haseloff in Sachsen-Anhalt?

Gehälteraffäre, Rücktritte, Minderheitsregierungen: Die Amtszeiten der Ministerpräsidenten erzählen von politischen Umbrüchen in Sachsen-Anhalt. Ein Quiz zu den Vorgängern von Reiner Haseloff.

Am 27. Januar will Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) von seinem Amt zurücktreten. CDU-Landeschef Sven Schulze soll einen Tag später im Landtag von Sachsen-Anhalt zum neuen Regierungschef gewählt werden. Wer waren die Vorgänger von Haseloff? Ein Überblick.

Oktober 1990 bis Juli 1991

Vor der Wende hat der Mann in seiner Heimatstadt Stendal als Tierarzt gearbeitet. Nach der Wiedervereinigung wurde er der erste sachsen-anhaltische Ministerpräsident. Wenige Monate später warf er das Handtuch, nachdem er eine Vertrauensfrage in der CDU-Landtagsfraktion verloren hatte. Parteifreunde warfen ihm vor, Landtagsabgeordnete mit dubiosen Stasi-Vorwürfen zum Mandatsverzicht zu nötigen. 

Der CDU-Spitzenkandidat war bei der Landtagswahl 1990 leer ausgegangen. Drei Abgeordnete legten ihre Mandate nieder, so dass der Mann nachrücken konnte. Der Generalbundesanwalt leitete später Ermittlungen wegen Nötigung eines Verfassungsorgans ein, diese wurden eingestellt. Sein Name: Gerd Gies (CDU).

Juli 1991 bis November 1993

Der Hochschuldozent kam kurz nach der Wende aus Niedersachsen nach Magdeburg. In der ersten Landesregierung wurde er zunächst Finanzminister, acht Monate später übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten. Ende 1993 setzte eine Gehälteraffäre seiner politischen Karriere jedoch ein rasches Ende. 

Zuvor war Kritik des Landesrechnungshofs laut geworden, dass der Regierungschef und drei weitere Kabinettsmitglieder mit unbegründeten Angaben über ihr früheres Westgehalt ein zu hohes Gehalt in Sachsen-Anhalt bezogen hätten. Das löste eine Welle öffentlicher Empörung aus, das ganze Kabinett trat zurück. Der Ministerpräsident sprach von einer "Rufmordkampagne". Später wurde er vor Gericht von allen Vorwürfen freigesprochen. Sein Name: Werner Münch (CDU).

Dezember 1993 bis Juli 1994

Der gelernte Agraringenieur übernahm nach der Gehälteraffäre das Amt des Ministerpräsidenten. Bei der Landtagswahl im Juni 1994 blieb die CDU zwar stärkste Kraft, doch mit der SPD gelang keine Koalitionsbildung. Deshalb wurde der Ministerpräsident Oppositionsführer, später wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Ostbeauftragter. Sein Name: Christoph Bergner (CDU).

Juli 1994 bis Mai 2002

Der Sozialdemokrat bildete als erster Ministerpräsident der Bundesrepublik eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Tolerierung durch die PDS abhängig war. Acht Jahre hielt sein "Magdeburger Modell", ehe er 2002 eine deutliche Wahlniederlage erlitt. Der promovierte Mathematiker wirkte nach seinem Ausscheiden aus der Politik weiter in kirchlichen Ämtern und blieb ein gefragter Redner. Sein Name: Reinhard Höppner (SPD).

Mai 2002 bis April 2011

Der ehemalige Gynäkologie-Chefarzt war von 1991 bis 1994 Finanz- und dann Sozialminister in einer CDU/FDP-Regierung. Dann ging es für die CDU in die Opposition, 2001 avancierte er zum CDU-Fraktionschef. Mit ihm fuhr die CDU bei der Landtagswahl 2002 einen klaren Sieg ein und bildete mit der FDP eine Koalition. 2006 folgte ein Bündnis mit der SPD. Er galt als bedächtiger Politiker, dem im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen jeglicher Drang zur öffentlichen Selbstdarstellung fehlte. Sein Name: Wolfgang Böhmer (CDU).

Seit April 2011

In die Landespolitik stieg der bisherige Direktor des Arbeitsamtes Wittenberg 2002 ein, zunächst als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. 2006 wurde er Wirtschaftsminister, 2011 Ministerpräsident. Reiner Haseloff führte in knapp 15 Jahren drei verschiedene Regierungsbündnisse in Magdeburg. Die Rolle des Landesvaters verkörpert er wie kaum einer seiner Vorgänger. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hebt der glühende Lokalpatriot die reiche Geschichte des heutigen Sachsen-Anhalts mit seinen Kaisern, Reformatoren, Künstlern und Erfindern hervor.

Es gab noch zwei Vorgänger

Das Land Sachsen-Anhalt ist nach den ersten freien Landtagswahlen am 20. Oktober 1946 aus der Provinz Sachsen entstanden. Von 1946 bis 1949 war nach Angaben der Staatskanzlei der Autor Erhard Hübener (LDPD) Ministerpräsident. Auf ihn folgte von 1949 bis 1952 der gelernte Schlosser Werner Bruschke (SED). 1952 wurde Sachsen-Anhalt im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR de facto aufgelöst und in die Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt.

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