Ob Stillstand durch Wintereinbruch oder flächendeckender Stromausfall: Auf solche Notlagen kann man sich vorbereiten. Hier kommen die wichtigsten Hinweise.
Auf den Ernstfall vorbereitet zu sein – das ist das Spezialgebiet sogenannter Prepper, also Menschen, die sich darauf einstellen, eine Zeit lang autark überleben zu müssen. Der Begriff ist abgeleitet vom englischen "to prepare" (für: sich vorbereiten). Prepper wurden lange belächelt, galten sie doch als Menschen, die sich übertrieben Sorgen machten.
Doch manchmal ist Vorbereitung besser: Spätestens seit dem Stromausfall im Südwesten Berlins wissen 50.000 deutsche Haushalte, was es heißt, ohne Strom zu sein. Teilweise über 100 Stunden lang. Und worauf es in der Not ankommt.
Wenn ein Notfall erst mal eingetreten ist, ist es in der Regel schon zu spät. Institutionen wie die Europäische Kommission, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfehlen Haushalten, sich auf Naturkatastrophen, technisches Versagen und gezielte Sabotage einzustellen. Vorräte für drei Tage (72-Stunden-Regel), ein Rucksack mit allerlei Zubehör und einige Dinge mehr sollten für den Fall der Fälle eingekauft und gepackt sein.
Dabei stellen sich unterschiedliche Fragen: Was kann ich essen, wenn der Kühlschrank nicht mehr kühlt? Wie mache ich mir einen Tee, wenn der Wasserkocher nicht mehr funktioniert? Auf welchem Weg kann ich mich über die aktuelle Situation informieren?
Wir haben die wichtigsten Tipps fürs richtige Preppen gesammelt und Betroffene des Stromausfalls aus dem Berliner Südwesten zu ihren Erfahrungen befragt.
1. Die 72-Stunden-Regel
Drei Tage, so empfiehlt der Katastrophenschutz, sollten Sie mindestens autark überleben können. Dafür brauchen Sie vor allem Lebensmittel und Wasser. Zwei Liter pro Person pro Tag zum Trinken und für die dringendste Hygiene. Haltbare Lebensmittel wie Getreide, Konserven und Trockenobst, Nüsse oder Energieriegel – damit kommen Sie über das Gröbste hinweg. In einem Erste-Hilfe-Set finden Sie die nötigsten Medikamente und Verbandszeug. Der 72-Stunden-Vorrat sollte regelmäßig geprüft und abgelaufene Lebensmittel und Medikamente sollten ausgetauscht werden. Sinnvoll ist es, die Reserve nebenbei aufzufüllen und beim Einkaufen mal eine zweite Packung Reis oder Tomatensoße mitzunehmen. Sie müssen regelmäßig Medikamente nehmen? Stellen Sie sicher, dass Sie auch versorgt sind, wenn Sie zwei bis drei Tage lang keinen Zugang zu einer Apotheke hätten.
2. Ersatz für Strom
In der Not heißt es: Kräfte bündeln und diversifizieren. Schließen Sie sich mit Ihren Nachbarn zusammen und prüfen Sie, welche Energiequellen zur Verfügung stehen und eventuell gemeinsam genutzt werden können. Ideal ist ein Notstromaggregat; auch Powerbanks, Batterien und Gaskocher helfen, den Stromausfall zu überbrücken. Stirnlampen, wie sie in jedem Campinggeschäft erhältlich sind, ermöglichen es, sich in der dunklen Wohnung freier zu bewegen. Vielleicht ist vom letzten Weihnachtsfest auch noch eine batteriebetriebene Lichterkette übrig? Auch Kerzen sollten Sie nicht unterschätzen. Sie spenden Licht und können eiskaltes Wasser aufwärmen. Ziehen Sie ungenutzte Geräte unbedingt aus der Steckdose – wenn der Strom wiederkommt, kann es zu Überspannung kommen. Wenn Sie einen Kamin haben, stellen Sie sicher, Holz vorrätig zu haben.
3. Kommunikation
Kennen Sie die Nummer Ihrer Kinder oder Eltern auswendig? Und die des Nachbarn? Ihrer Hausärztin? Machen Sie sich eine Liste der wichtigsten Telefonnummern. Und besorgen Sie sich ein solar-, batterie- oder kurbelbetriebenes Radio. Damit bleiben Sie auf dem Laufenden. Solange Ihr Handy noch funktioniert, lohnt sich ein Blick auf Warn-Apps wie NINA. Tauschen Sie sich außerdem mit den Menschen in Ihrer Umgebung aus. Jeder weiß ein bisschen, und zusammen wissen alle mehr. Ratsam ist es, schon in Nichtkrisenzeiten sein soziales Netzwerk so zu pflegen, dass Sie im Notfall schnell und unkompliziert Unterstützung bekommen.
4. Notfallrucksack
Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf eine Wanderung – lang, anstrengend, mit potenziell unvorhersehbaren Beschwernissen. Mit diesem Bild im Kopf sollten Sie Ihren Notfallrucksack packen. Auf jeden Fall enthalten sein sollten neben dem Erste-Hilfe-Set auch Hygieneartikel, eine Wasserflasche, Taschenmesser, Taschenlampe und Feuerzeug. Kleidung für raues Wetter und ein Schlafsack helfen dabei, warm zu bleiben. Powerbanks und Ladekabel nicht vergessen. Kommt der Rucksack tatsächlich zum Einsatz, müssen noch essenzielle Dinge hinzugepackt werden: Ausweisdokumente (von denen man immer auch eine Kopie haben sollte), Geldbeutel, Schlüssel, Handy, Brille, ggf. das Hörgerät.
5. Mobilität
Machen Sie sich darauf gefasst, dass bei einem Stromausfall auch die Mobilität stark eingeschränkt ist. Bei S-, U-Bahnen und Zügen wird es zu Ausfällen kommen, Busse, die noch fahren, sind schnell überfüllt. Fahrdienste wie Uber sind nicht bestellbar, wenn das Handy nicht mehr funktioniert. Wenn Sie selbst kein Auto haben, bitten Sie mobilisierte Nachbarn um Hilfe – etwa, wenn es darum geht, gehbehinderte Menschen in ein Ausweichquartier zu bringen. Stellen Sie nach Möglichkeit sicher, dass Haus oder Wohnung nicht unbewohnt wirken – dies ist eine Einladung für Einbrecher.
Bei Elektrorollstühlen sollte umgehend der Akkustand geprüft und eventuell auf manuelle Nutzung umgestellt werden.
Wichtig: Wenn der Strom zurück ist, dürfen Elektroautos trotzdem unter Umständen nicht gleich an die heimische Wallbox angeschlossen werden, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden. Gleiches gilt für die Nutzung von energieintensiven Geräten wie Waschmaschine und Trockner. Sonst droht ein erneuter Stromausfall.
6. Finanzen
Wenn der Strom ausfällt, wird es auch mit dem Bezahlen schwierig. Elektronische Kassen sind genauso wenig nutzbar wie Geldautomaten. Auch für Kartenzahlungen ist eine Onlineverbindung notwendig. Deshalb sollten Sie immer eine Notreserve an Bargeld zu Hause haben, um kurzfristig Lebensmittel und Medikamente kaufen oder einen Benzinkanister an der Tankstelle bezahlen zu können. Empfohlen werden 500 Euro pro Haushalt, in kleinen Scheinen, da Sie unter Umständen kein Wechselgeld bekommen. Auch Münzgeld sollte vorhanden sein.
7. So bedroht ein Stromausfall die Haustiere nicht
Ein Blackout bedeutet für Fische oder Reptilien schnell Lebensgefahr, weil in Aquarien und Terrarien Wasserpumpen und Heizstäbe ausfallen. Mit Sauerstofftabletten und batteriebetriebenen Pumpen können Sie den Ausfall überbrücken. Wenn die nicht vorhanden sind: Aquarien isolieren (zum Beispiel mit Decken), zwei- bis dreimal täglich Wasser mit dem Becher von oben hineingießen, um Sauerstoff zuzuführen. Kein Futter geben, weil sonst das Aquarium schnell verschmutzt. Kein Wasserwechsel, keine punktuelle Wärme, um die Tiere nicht noch mehr zu stressen. Wenn der Strom wieder da ist, darf das Wasser nur langsam erwärmt werden.
Besitzer von Hunden, Katzen und anderen Kleintieren sollten auf jeden Fall ausreichend Futtervorräte haben, um die Vierbeiner mehrere Tage ohne Einkauf gut versorgen zu können.
