Die russische Justiz will den Prozess gegen den Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly fortsetzen – obwohl er selbst nie offiziell über das Verfahren informiert wurde.
Die russische Justiz will im umstrittenen Strafverfahren gegen den deutschen Karnevalisten und Bildhauer Jacques Tilly an diesem Mittwoch einen neuen Anlauf unternehmen. Richter Konstantin Otschirow hatte den Prozess Ende Dezember verlegt und dies mit der Abwesenheit der Pflichtverteidigerin Tillys begründet, die auf Dienstreise sei. Der Prozess findet in Abwesenheit des Angeklagten statt.
"Ich bin von der russischen Justiz nach wie vor nicht über das Verfahren informiert worden. Kein Brief, keine Info - nichts", sagte Tilly auf dpa-Anfrage. Tilly hatte mehrere Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Kremlchef Wladimir Putin gebaut. Laut Gericht muss er sich nun wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Putin.
Nach diesem sehr weit gefassten Gesetz drohen dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik.
Anklage-Vorwürfe
Tilly wird laut Anklage vorgeworfen, aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass falsche Darstellungen über die russische Armee verbreitet zu haben, hatte das Portal "Ostoroschno Nowosti" berichtet. Tilly hatte betont, die russische Armee in seinen Werken nie thematisiert zu haben. Er habe durch einen Hinweis von "Freies Russland NRW" von dem Verfahren erfahren.
"Humor tut anscheinend doch weh", sagte er. Das Verfahren sei lächerlich. "Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit." Er werde als Karnevalist auf das Verfahren reagieren und bewusst keinen eigenen Anwalt entsenden.
Jacques Tilly: Karnevalswagenbauer aus Düsseldorf
Jacques Tilly ist ein deutscher Bildhauer und Karnevalswagenbauer, der vor allem für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt ist. Seit 1984 baut und entwirft er Karnevalswagen, die schon mehrfach weltweit für Aufsehen sorgten.
Jedes Jahr werden seine Karnevalswagen daher mit besonderer Spannung erwartet. Bereits mehrfach waren die Mottowagen Wladimir Putin gewidmet. Eines seiner Werke – eine Figur von Putin in Handschellen – brachte der Bildhauer nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof. Eine andere Arbeit zeigt Putin in einer ukrainischen Wanne - in Blut badend.
