Inseltreff und Hausarztpraxis: Borkum bekommt Versorgungszentrum – Telemedizin im Fokus

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Inseltreff und Hausarztpraxis: Borkum bekommt Versorgungszentrum – Telemedizin im Fokus

Ob Stadt oder Land: Gute medizinische Versorgung soll nicht vom Wohnort abhängen, sagt die Landesregierung. Lücken schließen sollen Regionale Versorgungszentren – erstmals nun auch auf einer Insel.

Niedersachsen will die medizinische Versorgung auf Borkum stärken und fördert dafür mit fast einer Million Euro den Aufbau eines Regionalen Versorgungszentrums (RVZ) – des ersten auf einer ostfriesischen Insel. Geplant sei, im Gebäude des Inselkrankenhauses ein Medizinisches Versorgungszentrum für die hausärztliche Versorgung einzurichten, teilte die Staatskanzlei mit. Dort sollen auch telemedizinische Angebote entstehen, die Insulanern und Gästen künftig aufwendige Wege ans Festland ersparen sollen. 

Regionalentwicklungsministerin Melanie Walter reiste am Samstag auf die Nordseeinsel, um der Stadt den Förderbescheid in Höhe von 930.000 Euro zu übergeben. Die SPD-Politikerin teilte mit, Regionale Versorgungszentren seien ein zentrales Instrument der Landes- und Regionalentwicklung. "Gerade dort, wo besondere geografische Bedingungen die Versorgung erschweren – wie auf Borkum –, sorgen RVZ dafür, dass medizinische und soziale Angebote dauerhaft gesichert sind." 

Ziel der Politik der Landesregierung sei es, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen – "unabhängig davon, ob Menschen auf dem Festland oder auf einer Insel leben", sagte Walter in einer Mitteilung weiter. 

Was im RVZ auf Borkum geplant ist

Regionale Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft sind seit einigen Jahren ein neuer Baustein in der Gesundheitsversorgung insbesondere in ländlichen Regionen Niedersachsens. Ein RVZ besteht aus einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und verschiedenen weiteren Angeboten zur Daseinsvorsorge. Das können etwa eine Tagespflege, eine Physiotherapiepraxis, Beratungsangebote und haushaltsnahe Dienstleistungen sein. Was benötigt wird, legen die Kommunen vor Ort fest.

Das MVZ auf Borkum soll die vorhandene medizinische Versorgung auf der Insel ergänzen und langfristig sichern, teilte die Staatskanzlei mit. Dort sollen zwei Ärztinnen und Ärzte arbeiten (1,5 Stellen) - Interessenten gebe es bereits. 

Daneben sollen mehrere Beratungsangebote des Landkreises Leer, die bislang über die Insel verteilt sind, unter dem Dach des neuen RVZ gebündelt werden: Etwa Beratungsgespräche der Familienhebamme, des sozialpsychiatrischen Dienstes und der Senioren- und Integrationsbeauftragten. Um Platz dafür zu schaffen, soll das Obergeschoss des Inselkrankenhauses ausgebaut werden. 

Außerdem will die Insel im RVZ einen Ort für Begegnung, Ehrenamt und Gemeinschaft schaffen. Es soll Platz etwa für Vorträge, Sportkurse und Theateraufführungen für die Inselgemeinschaft entstehen. 

Inselbürgermeister sieht Chance 

Auf Borkum wünschen sich viele schon seit Längerem ein RVZ. Auf der größten ostfriesischen Insel leben rund 5.000 Menschen – besonders im Sommerhalbjahr kommen Tausende Urlauber und Tagesgäste hinzu. 

Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) weist in einer Mitteilung auf das Zukunftskonzept der Insel, "Lebensraumentwicklung 2030+", hin, in der als Ziel die Verbesserung der Lebensqualität für Insulaner formuliert sei. "Die Verbesserung des Gemeinwesens und der ärztlichen Versorgung ist daher ein zentrales Anliegen von Rat und Verwaltung", sagte Akkermann. 

"Mit der Gründung eines kommunalen RVZ/MVZ wird hierfür ein wichtiger Baustein geschaffen." Es biete neben sozialen Angeboten auch die große Chance, attraktive Arbeitsplätze für Allgemeinmediziner anzubieten. 

RVZ ein Vorbild für andere Nordseeinseln? 

Borkum wird das achte RVZ in Niedersachsen. In Betrieb sind solche Einrichtungen bereits in der Wesermarsch, Auetal, Wurster Nordseeküste, Leinebergland und Baddeckenstedt. Zwei weitere werden zurzeit in der Südheide und in Gnarrenburg (Landkreis Rotenburg) aufgebaut. 

"Bislang hat keine weitere Insel Interesse an einem RVZ bekundet", teilt eine Sprecherin der Staatskanzlei mit. Sollte eine Insel Interesse äußern, wäre zunächst eine Machbarkeitsstudie nötig, die ebenfalls gefördert wird.

Was die Gesundheitsversorgung auf Inseln besonders macht

Dass den Inseln viel an ihrer medizinischen Versorgung liegt, wurde kürzlich auch auf Norderney deutlich: Dort hatte die Stadt zum Jahreswechsel das Inselkrankenhaus und das vorhandene MVZ in kommunale Trägerschaft übernommen, um die Gesundheitsversorgung auf der Insel zu sichern.

Grundsätzlich sei die medizinische Versorgung auf den Ostfriesischen Inseln gesichert, teilte die Staatskanzlei weiter mit – dennoch seien die Inseln in Niedersachsen bei der Gesundheitsversorgung eine Ausnahme: Die begrenzte Erreichbarkeit, die Abhängigkeit von Fährverbindungen und die erschwerte Gewinnung von Personal seien Herausforderungen, teilte die Sprecherin am Beispiel Borkum mit. "Hinzu kommt die zusätzliche Auslastung der vorhandenen Angebote durch hohe Touristenzahlen." 

Für die Einrichtung des RVZ auf Borkum sprechen laut der Landesregierung nicht nur das hohe Engagement der Insel und des Landkreises. Die Insellage sei auch geeignet, um neue Ansätze in der Gesundheitsversorgung auszuprobieren – etwa in der Telemedizin oder bei flexiblen und kooperativen Ansätzen beim Personal. "Das RVZ Borkum kann damit Vorbild für andere periphere ländliche Räume werden", teilte die Staatskanzlei weiter mit.

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