In Lohne: Bulldogge tötet Halter – Kreis: Hund vorher nicht auffällig

Published 6 hours ago
Source: stern.de
In Lohne: Bulldogge tötet Halter – Kreis: Hund vorher nicht auffällig

Warum tötet eine Bulldogge plötzlich ihren Besitzer? Nach der Attacke im Landkreis Vechta sind noch viele Fragen offen – was bislang über den Fall bekannt ist und was nun mit dem Hund passiert.

Der Hund, der in Lohne seinen eigenen Halter totgebissen haben soll, war vor der Attacke nach Angaben des Landkreises Vechta nicht in gefährlicher Weise gegenüber Menschen aufgefallen. "Beißvorfälle des Hundes gegen Menschen sind gegenüber dem Landkreis bislang nicht zur Anzeige gebracht worden", teilte eine Sprecherin des Landkreises auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Entsprechend sei auch kein Verfahren zur möglichen Einstufung des Hundes als gefährlich eingeleitet worden.

Allein im November 2023 habe es eine Mitteilung bezüglich eines Beißvorfalls des Hundes zum Nachteil einer Katze gegeben, teilte die Landkreisverwaltung weiter mit. Ein Einstufungsverfahren zur Gefährlichkeit des Hundes sei danach aber nicht erfolgt, "da dieser Vorfall für sich genommen nicht die Annahme einer gesteigerten Aggressivität des Hundes im Sinne des NHundG rechtfertigte", teilte die Landkreisverwaltung im Hinblick auf das Niedersächsische Hundegesetz (NHundG) mit. 

Was passiert ist

Der Hund, ein American Bulldog, soll am vergangenen Donnerstag im Lohner Stadtteil Brockdorf seinen 33 Jahre alten Halter totgebissen haben. Eine Passantin hatte den Mann leblos in einem Straßengraben gefunden – daneben die Bulldogge, die nicht von der Seite des leblosen Herrchens wich und sich auch gegenüber Polizei- und Rettungskräften aggressiv verhielt. Alarmierte Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des 33-Jährigen feststellen.

Wie die Polizei am Montag nach einer Obduktion mitteilte, spricht das Verletzungsbild des 33-Jährigen für eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Hund. Der Mann wurde im Gesicht schwer verletzt. 

Wo der Hund nun ist

Die Polizei stellte das Tier sicher. Der Hund kam in ein Tierheim, wo er nach Landkreis-Angaben nun in einem gesicherten Außenzwinger untergebracht sei. Das Ordnungsamt des Landkreises Vechta werde nun das Veterinäramt mit einer amtstierärztlichen Einschätzung der möglichen Gefährlichkeit des Hundes beauftragen, teilte die Landkreissprecherin weiter mit. 

In Niedersachsen gilt das Prinzip der individuellen Gefährlichkeitseinschätzung nach dem Hundegesetz (NHundG). Es gibt nicht wie in anderen Bundesländern eine Liste mit Hunden, die pauschal als aggressiv gelten. Wird ein Hund aggressiv, das heißt, wenn er etwa einen Menschen beißt, können die Behörden nach dem Hundegesetz einen Wesenstest anordnen. Mit diesem Wesenstest wird geprüft, ob von einem Hund eine höhere Aggressivität ausgeht. 

Wie es mit der Bulldogge weitergeht

Von so einem Wesenstest hänge es nun auch ab, wie mit der Bulldogge weiter umgegangen werde, teilte die Landkreisverwaltung weiter mit. Eine Haltung des Hundes sei nur bei einem positiven Ausgang des Wesenstestes möglich. Außerdem müsse der neue Halter oder die neue Halterin dann eine Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes beantragen und bekommen.

Bestehe die Bulldogge den Wesenstest nicht, erstelle ein Tierarzt ein Gutachten, inwieweit eine verhaltenstherapeutische Therapie des Hundes zu einem Erfolg führen könne. Dafür wäre dann derjenige verantwortlich, der den Hund halten möchte. 

Auch ein Einschläfern des Hundes, in der Veterinärmedizin Euthanasie genannt, könnte in Betracht kommen. Das sei aber erst dann möglich, wenn ein verhaltenstherapeutisch ausgebildeter Tierarzt nach "einem zeitlich und inhaltlich adäquaten Therapieversuch" zu dem Urteil komme, dass eine weitere Therapie unter keinen Umständen Erfolg habe. Außerdem müsse der Hund weiterhin eine Gefährdung für den Menschen darstellen. 

Ermittlungen der Polizei 

Unterdessen ermittelt die Polizei weiter, warum und wie es zu der tödlichen Attacke kam. "Das wird ein Stück weit schwierig zu ermitteln sein", sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Der Vorfall habe sich am Donnerstagmittag "mitten auf dem platten Land" abgespielt, an einer Straße zwischen Wald und Feldern ohne viel Durchgangsverkehr. Bislang hätten sich keine Zeugen bei der Polizei gemeldet, die etwa Hund und Halter vor dem Vorfall gesehen hatten. 

Auch der Polizei seien vor dem Vorfall in Lohne keine Hinweise zu dem Hund bekannt gewesen, sagte der Sprecher.

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