morgenstern: Europas erstes Social-Media-Verbot für Jugendliche naht – zieht Deutschland nach?

Published 51 minutes ago
Source: stern.de
morgenstern: Europas erstes Social-Media-Verbot für Jugendliche naht – zieht Deutschland nach?

Ein Verbot für Instagram, Tiktok und Co. für Unter-15-Jährige nimmt bei unseren Nachbarn eine wichtige Hürde. Außerdem: Trumps Mann fürs Grobe wird abgezogen. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Australien hat es vorgemacht: Im Dezember ist dort das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an den Start gegangen.

Egal ob Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit oder Twitch: Australierinnen und Australier unter 16 dürfen auf den Plattformen kein Konto mehr haben. Verantwortlich sind nicht die Eltern – sondern die Social-Media-Unternehmen. Sie müssen Altersprüfungen vornehmen, bei Missachtung drohen saftige Geldbußen (bis zu 49,5 Millionen australische Dollar, knapp 28 Millionen Euro).

Die erste Bilanz: durchaus positiv. "Heute können wir verkünden, dass es funktioniert", sagte Premierminister Anthony Albanese vor knapp zwei Wochen. 4,7 Millionen Konten von australischen Jugendlichen seien deaktiviert worden.

Das Verbot in "Down Under" gilt international als Vorbild. Mit Frankreich zieht jetzt das erste europäische Land nach. Kommt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche auch bei uns? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Frankreichs Parlament stimmt für Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige

Europas erstes Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche ist auf dem Weg: Heute Nacht haben die Abgeordneten der Nationalversammlung mit großer Mehrheit (130 zu 21 Stimmen) für einen entsprechenden Gesetzentwurf gestimmt. Jetzt muss noch der Senat zustimmen. Tut er das, könnte das Gesetz schon im kommenden Schuljahr – also ab Herbst – in Frankreich gelten.

Warum will Frankreich Social Media für Kinder und Jugendliche verbieten?

In der Begründung des Gesetzentwurfs heißt es, zahlreiche Studien und Berichte hätten die Risiken einer "exzessiven Nutzung" von Online-Netzwerken durch Minderjährige aufgezeigt. Genannt werden etwa der Zugang zu unangemessenen Inhalten, Online-Mobbing und "Veränderungen des Schlafs".

Präsident Emmanuel Macron sagte im Vorfeld der Abstimmung: "Die Emotionen unserer Kinder und Jugendlichen sind nicht zu verkaufen und dürfen nicht manipuliert werden – weder durch amerikanische Plattformen noch durch chinesische Algorithmen."

Was sieht das französische Gesetz konkret vor?

Es soll eine Liste von sozialen Netzwerken und Videoplattformen geben, auf die Kinder und Jugendliche unter 15 nicht mehr zugreifen dürfen – dazu sollen TIktok, Snapchat und Instagram gehören. Die Plattformbetreiber sollen – ähnlich wie in Australien – zur Altersverifikation verpflichtet werden. Bei Verstößen sollen den Plattformen Strafen von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes drohen. Vom Verbot ausgenommen sein sollen Online-Enzyklopädien wie Wikipedia. Ebenfalls geplant: Die Ausweitung des bislang in Grund- und Mittelschulen geltenden Handyverbots auf Gymnasien.

Wie sehen die Deutschen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche?

Laut einer repräsentativen Insa-Umfrage aus dem Dezember 2025 würde auch in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige befürworten: 60 Prozent sprachen sich in der Umfrage dafür aus, 25 Prozent waren dagegen.

Was sagt die deutsche Politik?

Auch politisch wird ein Social-Media-Verbot in Deutschland diskutiert: Man beobachte Australiens Erfahrungen "sehr genau", sagte etwa Familienministerin Karin Prien (CDU) vor wenigen Tagen dem RND. Seit Herbst 2025 ist im Familienministerium eine Expertenkommission aktiv, sie prüft Schritte für einen effektiven Medienschutz für Kinder und Jugendliche und soll bis Mitte des Jahres Vorschläge vorlegen.

Mehrere CDU-Landesverbände haben sich bereits vorher für ein entsprechendes Verbot ausgesprochen, der Landesverband Schleswig-Holstein will laut "Welt" beim Bundesparteitag im Februar einen entsprechenden Antrag vorlegen.

Auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) gilt als Befürworterin eines Social-Media-Verbots. "Kinder und Jugendliche brauchen Schutz statt Selbstdarstellungsdruck", sagte sie im vergangenen Sommer.

Prominente Grünen-Vertreter wie die Vorsitzende Franziska Brantner oder Cem Özdemir, Spitzenkandidat für die Wahl in Baden-Württemberg, haben sich zuletzt ebenfalls für ein Verbot ausgesprochen. Die AfD hat sich in der Vergangenheit mehrfach dagegen positioniert. Die Linke forderte statt eines Verbots mehr Schulungen für mehr Medienkompetenz.

Trumps Mann fürs Grobe wird abgezogen

Gregory Dovino ist zum Gesicht der brutalen Abschiebe-Razzien in den USA geworden, Donald Trumps Mann fürs Grobe. Selbstbewusst schaut er in jede Kamera, martialisches Auftreten mit zweideutigem Mantel und Waffengurt inklusive. 

Bovino ist Chef der US-Grenzschutzbehörde, die in Minnesota die Beamten der umstrittenen Einwanderungspolizei ICE unterstützt. Nachdem in Minneapolis der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti von Bundesbeamten erschossen wurde, sagte Bovino, die Beamten seien die "Opfer".

Jetzt muss der umstrittene Kommandeur offenbar gehen: Laut US-Medienberichten wird er aus Minneapolis abgezogen. Donald Trump schlägt derweil versöhnliche Töne an. Mehr dazu lesen Sie hier:

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Stefan Düsterhöft

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