An Prozesstag 31 im Verfahren gegen Christina Block ist der Psychologe Stefan Rücker geladen. Es geht es um die entführten Kinder und Gewaltvorwürfe.
Wenn der Prozess gegen Christina Block an diesem Montag weitergeht, dann vorerst ohne den mutmaßlichen Chef-Entführer David Barkay. "Seine Aussage wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Hauptverhandlung fortgesetzt werden", heißt es in der Mitteilung des Oberlandesgerichts Hamburg. Stattdessen wird Psychologe Stefan Rücker aussagen.
Rücker war anwesend, als die entführten Block-Kinder kurzzeitig zurück im Haus von Christina Block waren. Auch berät er die Unternehmerin schon länger. Auf seiner Homepage wirbt er für sich: "Sie möchten Ihre Chancen vor Gericht verbessern und dabei im Sinne des Kindeswohls handeln? Ich helfe Ihnen, Ihre Interessen zu schützen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die sowohl rechtlich als auch persönlich wirkungsvoll sind."
Christina Block und der Streit um Kindesentfremdung
Im WDR-Podcast "Paarschitt" sagte Rücker im Februar 2024: "Ich bin von der Mutter – also Christina Block – beauftragt worden im Zusammenhang mit den ihr gemachten Gewaltvorwürfen gegen die Kinder." Er sei gebeten worden, herauszufinden, wie es zu solchen Vorwürfen kommen konnte. Laut Block habe diese Gewalt nicht stattgefunden.
"Mein Auftrag war es, hier zu prüfen – anhand der Dokumente, die vorliegen in diesem Zusammenhang –, was daran [an den Gewaltvorwürfen, Anm. d. Red.] sein könnte. Aus welchem Material man einen solchen Vorwurf eventuell konstruiert hat und warum die Kinder sich auch entsprechend belastend der Mutter gegenüber äußern", sagte Rücker. Ob Manipulationen im Hintergrund stattgefunden haben, erkenne man an der Sprache und dem Handeln der Kinder. Zunächst habe Christina Block verstehen wollen, wie die Kinder sich ihr gegenüber so äußern können.
Es geht ihm also um Kindesentfremdung, die Christina Block ihrem Ex-Mann Stephan Hensel immer wieder vorwirft. Dass der Begriff umstritten und umkämpft ist, hat Rücker im Podcast selbst eingeräumt. Der Psychologe Walter Andritzky warnte seine Kolleginnen und Kollegen im "Deutschen Ärzteblatt" sogar davor, sich in Sorgerechtsstreitigkeiten von Elternteilen instrumentalisieren zu lassen und zu leichtfertig Kindern ein "Parental Alienation Syndrome" – so der englische Fachausdruck – zu attestieren.
Spannend wird an diesem Prozesstag also, welche Fragen das Gericht an Rücker hat – und wie sehr seine Einschätzungen die Sicht der Angeklagten stützen. Als neutraler Gutachter zur Beurteilung einer möglichen Kindesentfremdung tritt er jedenfalls nicht in den Zeugenstand.
Quellen: WDR-Podcast mit Stefan Rücker,"drstefanruecker.de", "Deutsches Ärzteblatt".
