Geothermie ist nicht nur ein Thema für Wärmenetze wie in Erfurt. Beim Bau von Eigenheimen rückt die Wärme aus der Erde als Energiequelle zunehmend in den Blick.
Die Wärme der Erde wird in Thüringen immer häufiger bei Wohnungsbauprojekten als umweltfreundliche Wärmequelle angezapft. "Oberflächennahe Geothermie wird in Thüringen bereits in vielen kleineren Anwendungen genutzt, insbesondere durch Erdwärmesonden und Erdwärmekollektoren in Kombination mit Wärmepumpen", teilte das Thüringer Energieministerium auf Anfrage mit. Sie habe sich vor allem für Privathaushalte und kleinere Gewerbegebäude etabliert.
Immer häufiger sind in Thüringen Projekte von Häuslebauern zu sehen, wo Bohrungen nach Erdwärme in die Tiefe gehen. Allerdings müssen dafür die geologischen und wasserrechtlichen Bedingungen stimmen. Auch die Klimatechnik des Lindenau-Museums in Altenburg soll bei der laufenden Generalsanierung auf Klimatechnik umgestellt werden, die mit Energie aus Geothermie arbeitet.
Bisher stehen jedoch vor allem Großprojekte wie in Erfurt im Fokus, wo es in Tiefen bis zu 7.000 Meter gehen soll. Seit geraumer Zeit laufen Untersuchungen für das Projekt, das perspektivisch Teile des Fernwärmenetzes der Thüringer Landeshauptstadt versorgen könnte.
Spezielle Netze in kleinen Orten
Nach Angaben des Ministeriums gewinnen für Kommunen und kleinere Wohnungsbaustandorte in ländlichen Regionen sogenannte kalte Nahwärmenetze an Bedeutung. Auch dabei geht es um oberflächennahe Geothermie mit Sonden. Diese Netze transportierten Niedertemperatur-Wärme. Die eigentliche Wärmeversorgung der Gebäude erfolge dann dezentral über Wärmepumpen.
Der Vorteil: Wärmeverluste im Verteilnetz seien wegen der niedrigen Temperaturen sehr gering, zusätzliche Umweltwärme könne über die Leitungstrasse aufgenommen werden.
Werther und Erlau nutzen Wärme der Erde
Beispiele dafür gibt es laut Ministerium unter anderem in Werther im Kreis Nordhausen oder in Erlau im Kreis Hildburghausen. Nach Angaben der Thüringer Wärme Service GmbH (Rudolstadt), einer Tochter des Versorgers Thüringer Energie AG (TEAG/Erfurt) entstand in Werther Thüringens erstes sogenanntes "kaltes Nahwärmenetz", an das mehr als 30 Einfamilienhäuser mit Wärmepumpen angeschlossen sind. Investor sei die Energiegenossenschaft Helmetal.
In Erlau im Kreis Hildburghausen gehe es um Erdwärme, die ebenfalls für ein kaltes Nahwärmenetz genutzt werden soll. Nach Angaben der TEAG-Tochter ist die Versorgung von 18 Einfamilienhäusern vorgesehen. Bei diesem Projekt würden Sonden eingesetzt, die bis zu 100 Meter in die Tiefe reichten.
Messungen für Tiefengeothermie in Erfurt
Neben den Stadtwerken Erfurt prüfen laut Angaben des Ministeriums auch die Eichsfeldwerke und die Stadtwerke Heilbad Heiligenstadt das Potenzial in der Region für Tiefen-Geothermie. In Erfurt soll über Seismik-Messungen mit tausenden kleinen Messgeräten herausgefunden werden, wo der richtige Standort für eine aufwendige Probebohrung ist. Allein die Messungen sollen einige Million Euro kosten.
Bei der Tiefengeothermie wird die Wärme von Gestein genutzt, um Wasser zu erwärmen und für die Heizung von Wohnungen einzusetzen. Für das Gesamtprojekt in der Landeshauptstadt, das nach bisherigen Angaben 2045 grüne Energie liefern könnte, beläuft sich das Investitionsvolumen nach Unternehmensangaben voraussichtlich auf eine halbe Milliarde Euro.
