Alex Pretti demonstrierte in Minneapolis gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE – und starb dabei. Was ist über den erschossenen US-Amerikaner bekannt?
Bis zum Samstag war Alex Pretti ein unauffälliger US-Bürger. Mittlerweile halten Menschen Schilder mit seinem Namen hoch, sein Gesicht geht durch die Nachrichten – und vielleicht wird er als Symbolfigur für das gelten, was in den USA unter Donald Trump schieflief.
Beim Protest gegen die Einwanderungsbehörde ICE und ihr Vorgehen wurde Pretti von Bundesbeamten erschossen. Das Heimatschutzministerium sprach von "Abwehrschüssen", Videoaufnahmen lassen diese Darstellung jedoch zweifelhaft erscheinen. Sein Tod löste international Bestürzung aus und führte in den USA zu neuen Proteste gegen die Abschiebepolitik von Trump.
Alex Pretti arbeitete in einem Krankenhaus für Veteranen in Minneapolis
Was ist bekannt über den erschossenen US-Amerikaner? Alex Jeffrey Pretti wurde 37 Jahre alt, wurde im US-Bundesstaat Illinois geboren, wuchs in Wisconsin auf und lebte in Minneapolis, berichten US-Medien. Laut seiner Familie arbeitete er als Krankenpfleger auf der Intensivstation eines staatlichen Krankenhauses für Veteranen.
Seine Familie beschrieb ihn in einem Statement an verschiedene US-Medien als "einen gutherzigen Menschen, dem seine Familie und Freunde sehr am Herzen lagen". Weiter heißt es: "Alex wollte in dieser Welt einen Unterschied machen."
Sein Vater Michael Pretti sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP, sein Sohn sei sehr verärgert über das Vorgehen von ICE in Minneapolis und den gesamten Vereinigten Staaten gewesen. "Er fand es schrecklich, Kinder zu entführen, einfach Leute von der Straße wegzuholen. Ihm lagen diese Menschen am Herzen, und er wusste, dass es falsch war, deshalb nahm er an Protesten teil." Seit dem Tod von Renee Good, die nicht einmal drei Wochen zuvor ebenfalls von einem ICE-Beamten erschossen wurde, gab es in der Stadt intensive Demonstrationen.
Familie widerspricht Aussagen des Heimatschutzministeriums
Seine Familie, die in Colorado lebt, hatte sich bereits Sorgen um die Lage in der Stadt gemacht. Schon vor zwei Wochen habe sein Vater ihm geraten, bei den Protesten "nichts Dummes" zu machen, sagte Michael Pretti AP. Laut der Nachrichtenagentur erfuhr Pretti erst durch den Anruf eines Reporters vom Tod seines Sohnes.
Alex Pretti war laut Medienberichten nicht vorbestraft, auch seine Familie habe bisher abgesehen von einigen Knöllchen wegen zu schnellen Fahrens keine Probleme mit den Behörden gehabt.
Aussagen des Heimatschutzministeriums, wonach er bei dem Handgemenge die Beamten mit einer Waffe bedroht habe, nennt die Familie "widerliche Lügen" – und verweist auf Videos, die den Vorfall zeigen. "Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird", heißt es in dem Statement. Die Einsatzkräfte hätten ihn ohne legitimen Grund getötet.
Pretti hatte offenbar eine Waffenlizenz und besaß nach Angaben von Familienmitgliedern auch eine Pistole. Diese habe er jedoch so gut wie nie bei sich getragen.
"Bitte berichtet die Wahrheit über unseren Sohn, er war ein guter Mann", bittet die Familie in ihrem Medienstatement. Laut der "Minnesota Star Tribune" hatte Pretti an der Universität Minnesota zunächst Biologie und Umwelt studiert. 2021 schloss er seine Ausbildung zum Krankenpfleger ab. Er hielt sich gerne in der Natur auf, war deshalb auch ein Gegner der Umweltpolitik von Donald Trump. Zu seinen Hobbys gehörte es unter anderem, mit dem Rennrad unterwegs zu sein.
Quellen: AP, "Washington Post", "Minnesota Star Tribune"
