Beim Parteikongress in Mülheim feiern kommunale Mandatsträger in NRW ihre Erfolge bei der jüngsten Kommunalwahl. Parteichefin Weidel will im Wahljahr 2026 mehr.
Vor ihrer nordrhein-westfälischen Parteibasis hat die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel die Politik der CDU scharf attackiert. Bei einem kommunalpolitischen Kongress in Mülheim kritisierte sie vor allem die Energiepolitik. Die hohen Energiekosten seien hausgemacht und Ergebnis einer "verlotterten, grünen CDU-Politik", sagte Weidel unter dem Jubel von rund 800 kommunalpolitischen Mandatsträgern aus NRW.
Weidel sieht 2026 als Schicksalsjahr und fordert: "Alles geben"
2026 sei ein entscheidendes Jahr für die AfD, sagte die Parteichefin. "Es ist ein Schicksalsjahr." 2026 werden fünf Ländern Landesparlamente gewählt, in drei weiteren stehen Kommunalwahlen an. "Darum müssen wir alle alles geben, erfolgreich in diesen anstehenden Wahlen zu sein", rief sie ihren Anhängern zu.
Wenn die AfD an der Regierung sei, werde sie für entscheidende Änderungen kämpfen, sagte Weidel. "Weg mit der C02-Steuer." Auch das Verbrenner-Verbot wolle die AfD abschaffen und die Kernkraft wieder einführen. Subventionen für Wind- und Solarkraft werde die AfD streichen.
AfD in NRW feiert sich
Vier Monate nach den Kommunalwahlen in NRW kamen rund 800 AfD-Mandatsträger in Mülheim zusammen, um ihre Erfolge zu feiern. Die Rechtspopulisten hatten ihr landesweites Ergebnis mit 14,5 Prozent im Vergleich zu 2020 fast verdreifacht.
Seit der vorletzten Kommunalwahl im Jahr 2020 habe die AfD in NRW auch ihre Mitgliederzahlen verdreifacht, bilanzierte Landesparteichef Martin Vincentz. Nach damals etwa 4.300 Mitgliedern gehe der Landesverband jetzt auf die 13.000er-Marke zu. Landesweit habe die Partei inzwischen rund 2.000 kommunale Mandatsträger.
AfD-Landeschef mahnt Ende der Flügelkämpfe an
Vincentz appellierte an die Parteibasis, Streit und persönliche Verwerfungen zu überwinden und stattdessen zusammenzustehen. "Jeder von uns ist viel kleiner als die Alternative für Deutschland", unterstrich der 39-jährige Arzt, der in der Partei als vergleichsweise gemäßigt gilt. "Keine der Strömungen der Partei ist alleine groß genug, uns zu repräsentieren."
Wenn die AfD es schaffe, gewachsene Konflikte in ihrer mittlerweile über 12-jährigen Parteigeschichte zu überwinden, sei sie nicht aufzuhalten. "Die Einzigen, die uns jetzt noch besiegen können, das sind wir selbst und wir sollten das nicht zulassen", mahnte er. Die AfD sei die größte Gefahr für die anderen Parteien, "denn wir werden diese Parteien alle miteinander ersetzen und wir werden alleine regieren".
Auch die Vizevorsitzende der Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, mahnte die Parteibasis, ein breites Meinungsspektrum abzudecken und das Persönliche hinter die Sache zu stellen. "Ihr seid die Basis für die Kanzlerschaft von Alice Weidel - macht euch das jeden Tag bitte klar." Das Ziel sei zu wichtig, als dass man es am Persönlichen scheitern lassen dürfe.
Weidel, die im ostwestfälischen Harsewinkel aufgewachsen ist, bedankte sich für den Einsatz der Kommunalpolitiker, die an der Basis ein dickes Fell benötigten. "Ihr müsst so richtig viel einstecken", beklagte die umjubelte Parteichefin.
Weidel geschockt über Verwahrlosung in Gelsenkirchen
Sie habe im vergangenen Jahr Wahlkampf in Gelsenkirchen gemacht. "Da wird einem angst und bange", sagte Weidel. "Da frage ich mich, wie man so eine unbürgerliche, verwahrloste Politik den Bürgern überhaupt antun kann." Das sei ein Ausdruck der Politik der CDU.
Dass ein verantwortlicher Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich über das Stadtbild beschwert habe, sei eine Unverschämtheit, legte Weidel nach. "Denn es ist nicht nur das Stadtbild. Es ist eine Landnahme in unseren Fußgängerzonen."
Vor der Halle demonstrierten nach Polizeiangeben in der Spitze rund 500 Leute gegen die AfD. Das Bündnis "Mülheim stellt sich quer" und die Linke hatten zu dem Protest aufgerufen, der laut Polizei friedlich blieb.
