Mehr als tausend Jahre war die Palaststadt Madinat al-Zāhira verschollen. Doch dank moderner Lasermesstechnik hat ein Archäologe sie nun womöglich wiederentdeckt.
Der Archäologe Antonio Monterroso Checa hat in der spanischen Provinz Córdoba womöglich gefunden, wonach viele Forschende vor ihm vergeblich gesucht haben: den Standort der legendären Stadt Madinat al-Zāhira. Vor über tausend Jahren wurde die Festungs- und Palastanlage zerstört, ihr genauer Standort geriet in Vergessenheit. Jetzt lieferte moderne Lidar-Technologie den entscheidenden Hinweis. Mithilfe von Laserimpulsen macht sie selbst kleinste Höhenunterschiede und Strukturen im Gelände sichtbar, auch unter dichter Vegetation.
Auf den Spuren einer Palaststadt
Im 10. Jahrhundert war Córdoba Hauptstadt eines mächtigen muslimischen Kalifats. Neben der offiziellen Residenz des Kalifen, Madinat al-Zahrā, ließ der einflussreiche Heerführer Almanzor im Osten der Stadt seine eigene Palaststadt errichten: Madinat al-Zāhira. Sie sollte seine Macht demonstrieren und offen mit dem Kalifen konkurrieren. Er verlieh ihr deshalb sogar einen ähnlichen Namen.
Doch die Blüte währte nur kurz. Nach rund 70 Jahren wurde die Stadt im Jahr 1001 während eines andalusischen Bürgerkriegs zerstört. Madinat al-Zāhira verschwand von der Landkarte und allmählich auch aus dem kollektiven Gedächtnis.
Zurück blieben nur alte Schriftstücke und Geschichten. Auf ihrer Basis entwickelten Forschende im Laufe der Zeit 22verschiedene Theorien zum Standort der Stadt – doch nie wurden archäologische Beweise gefunden.
Lidar-Technologie macht Unsichtbares sichtbar
Antonio Monterroso Checa, Forscher an der Universität Cordoba, steht nun wohl vor der Lösung des uralten Rätsels. In einer aktuellen Publikation präsentiert er erstmals Ergebnisse, die auf belastbaren Lidar-Daten beruhen. Seiner wissenschaftlichen Publikation zufolge befand sich Almanzors Palaststadt am östlichen Rand von Córdoba, nahe der heutigen Gemeinde Alcolea, zwischen Flussschleifen und Felsabbrüchen des spanischen Vorgebirges.
Lidar steht für "Light Detection and Ranging" und ist eine Lasermess-Technologie, mit der hochpräzise Geländedaten erfasst werden können. Aber wie hat Lidar bei der Suche geholfen? Ein Flugzeug mit installiertem Lidar‑System sendete Laserimpulse in Richtung Erdboden, die auch dichte Vegetation durchdringen und selbst kleinste Höhenunterschiede im Relief erfassen – so auch am Fuße der Sierra de Cordoba, wo der Forscher Monterroso Checa die alte Palaststadt vermutete.
Mithilfe der Lidar-Datenbank des spanischen Nationalen Instituts für Geografie erstellte der Archäologe digitale Geländemodelle der Region und machte so Strukturen sichtbar, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind: Terrassen, Gebäudereste, Wälle und mögliche Straßenzüge, bislang verborgen unter Wald und Erde. Die Modelle zeigen ein rund 120 Hektar großes Areal, dessen Merkmale der Beschreibung von Madinat al-Zāhira genau entsprechen.
Parallelen zur berühmten Kalifenstadt
Auch der Vergleich mit Madinat al-Zahrā stützt die These. Anders als die verschwundene Stadt des Almanzor ist die westlich von Córdoba gelegene Kalifenstadt nämlich gut erforscht. Große Teile wurden bereits ausgegraben und restauriert. Im Jahr 2018 erklärte die Unesco sie sogar zum Weltkulturerbe.
Wie ihre Schwesterstadt liegt Madinat al-Zāhira dem Forscher zufolge im Gebirgsvorland, in erhöhter Lage und mit strategischem Abstand zur Hauptstadt Córdoba. Außerdem wurden beide Areale seit der Zeit Philipps II. als Weideflächen und Sitz der königlichen Gestüte genutzt – es handelt sich um die einzigen beiden königlichen Weideflächen in der Provinz Córdoba.
Monterroso Checas Ansatz ist neu: Er stützt sich nicht allein auf Textinterpretationen, sondern auf überprüfbare Messdaten. Dennoch bleibt der Forscher vorsichtig. In seiner Publikation betont er, dass es sich bislang um eine Hypothese handelt. Endgültige Gewissheit könne es erst geben, wenn archäologische Ausgrabungen die Lidar-Ergebnisse bestätigen. Bis dahin ist eine rätselhafte Stadt ihrer Wiederentdeckung so nah wie nie zuvor.
