Die Kosten für Pflegeheime sind hoch und wachsen jährlich weiter. Eine Reform ist überfällig. Darüber kann man verzweifeln. Oder überlegen, wie man selbst vorsorgen kann.
Manchmal genügt ein einziger Blick, um zu erkennen: Diese Rechnung geht nicht auf. Beim Thema Pflegekosten ist es so. Jeder, der sich schon einmal überlegt hat, was es hieße, würde ein naher Angehöriger pflegebedürftig – oder man selbst – der schaut zuerst einmal aufs Einkommen, also auf den Rentenbescheid. Bei den meisten Menschen hierzulande beträgt die gesetzliche Rente rund 1500 Euro. Wenn es sehr gut läuft, vielleicht sogar 2000 Euro. Mehr schaffen die Allerwenigsten. Für einen Platz im Alten- oder Pflegeheim aber sind im bundesweiten Schnitt jeden Monat rund 3250 Euro Eigenanteil fällig. Das sind die aktuellen Zahlen des Ersatzkassenverbandes VDEK. Und dieser Betrag verbleibt, wohlgemerkt, nachdem die Pflegekasse ihren Zuschuss gezahlt hat, ist also in voller Höhe zu tragen.
Keine 2000 Euro Einnahmen, aber 3250 Euro Ausgaben, diese Rechnung geht nicht auf, das ist offensichtlich. Zudem sind die Pflegekosten zuletzt schneller gestiegen als die Inflation: Noch vor drei Jahren lag der Eigenanteil bei 2660 Euro im Schnitt.
Wie also sollen Pflegebedürftige diese Kosten dauerhaft stemmen? Das ist derzeit die große Frage, die auch politisch gelöst werden muss. Denn durch einheitliche Vorschriften und mehr Beteiligung der Bundesländer ließen sich auf jeden Fall hohe Kosten für die Betroffenen vermeiden: Bisher zahlen die Pflegebedürftigen rund 84 Prozent der Baukosten solcher Heime und auch die Ausbildungskosten fürs Pflegepersonal. Müssten sie das nicht, fiele der Eigenanteil rund 640 Euro kleiner aus.
In drei Jahren sind es über 100.000 Euro fürs Pflegeheim
Man muss es einmal durchrechnen: Für das erste Jahr im Pflegeheim sind rund 38.000 Euro fällig. Nach zwei Jahren sind es in Summe rund 74.000 Euro. Es ist etwas weniger als doppelt so viel, weil die Zuschüsse der Pflegekasse sich im zweiten Jahr erhöhen. Im dritten Jahr sind die Zuschüsse noch etwas höher, trotzdem fallen für drei Jahre im Pflegeheim zu aktuellen Kosten insgesamt 105.000 Euro an.
Das sind allerdings Durchschnittswerte. Wie hoch die Kosten genau sind, hängt vom Pflegeheim ab. Diese Beträge variieren auch von Bundesland zu Bundesland erheblich. Während man in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen im Schnitt rund 2400 bis 2500 Euro zahlt, kostet ein Platz in Berlin oder München etwa 3000 Euro, entlang des Rheins schon 3200 bis 3500 Euro und in der Region Stuttgart eher 3500 Euro.
Warum es so weit auseinanderklafft? Weil jedes Bundesland andere Vorschriften macht zu Personalausstattung oder Brandschutz. Zudem treibt auch das jeweilige Mietniveau den Preis. Es lohnt sich also durchaus, bei der Suche nach einem Pflegeheim auch jenseits der eigenen Ländergrenze zu schauen, zumindest jenseits der Stadtgrenze, wenn man in einer der großen Metropolen wohnt. Denn oft ist es im Umland günstiger. In Nordrhein-Westfalen kommt noch eine Besonderheit hinzu: Hier sind die Plätze im Schnitt besonders teuer. NRW zahlt höhere Zuschüsse als andere Bundesländer an all jene, die sich den Eigenanteil nicht komplett leisten können. Dadurch aber zahlen die Nichtbedürftigen mehr.
Immerhin knapp jeder Dritte der 850.000 vollstationären Pflegeheimbewohner kann die Kosten nicht alleine stemmen und braucht Unterstützung vom Sozialamt. Dafür gibt es die "Hilfe zur Pflege", eine Art Grundsicherung für Pflegebedürftige. Zudem zahlt der Staat Wohngeld auch für Pflegeheimbewohner. Generell aber gilt: Bevor solche Gelder fließen, muss erst einmal das persönliche Vermögen bis auf kleine fünfstellige Restbehalte aufgebraucht sein.
Das ist natürlich bitter für die Betroffenen, aber letztlich auch nicht unverständlich. Denn wenn Vermögen in Form von Konten, Depots oder Immobilien vorhanden ist, dann lassen sich die Kosten für den Pflegeplatz doch nicht der Allgemeinheit aufbürden. Oder andersherum gefragt: Wofür häuft denn jeder von uns persönliches Kapital an, wenn nicht, um sich selbst im Alter damit besser versorgen lassen zu können?
Zum Glück werden viele zu Hause gepflegt
Ein paar halbwegs erbauliche Nachrichten gibt es aber: Die Zahlen klingen erschreckend, aber immerhin 86 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Es sind also nur 14 Prozent, die hohe Heimkosten tragen müssen. Und längst nicht alle Pflegebedürftigen sind auch Schwerstpflegefälle, sondern viele benötigen nur umfangreichere Unterstützung im Alltag. Das soll nicht das Problem der Pflegekosten kleinreden, sondern nur sagen, dass längst nicht alle Älteren auch Pflegefälle werden.
Und wer selbst vorsorgen will, der kann das auch gut noch im späteren Alter tun: Wer 50 Jahre alt ist und 3000 Euro in breit gestreuten Aktienfonds anlegt und dann Monat für Monat nur 50 Euro per Sparplan auf dieses Depot packt, der hat nach aller Wahrscheinlichkeit mit 85 Jahren rund 92.000 Euro zusammen. Spätestens mit 90 Jahren dürfte er die 100.000 Euro geknackt haben. Damit wäre er im Grunde gut für den schlimmsten Fall gerüstet.
Und das Beste: Tritt der Fall nicht ein, freuen sich ganz sicher die Erben über das Geld. Klingt makaber, bringt aber mehr als Heulen und Zähneklappern. Es ist außerdem weitaus lukrativer als eine private Pflegeversicherung. Und schafft ein besseres Gefühl, als nur darauf zu warten, dass die Politik den Anstieg der Kosten endlich bremst.
