Esbjerg, Ostende, jetzt Hamburg - das dritte Gipfeltreffen der Nordsee-Anrainer findet in der größten deutschen Hafenstadt statt. So viele Staats- und Regierungschefs im Rathaus sind nicht alltäglich.
Der Ausbau der Energie-Partnerschaft steht im Mittelpunkt des dritten Nordsee-Gipfels, zu dem Bundeskanzler Friedrich Merz die Anrainerstaaten am Montag nach Hamburg eingeladen hat. Erwartet werden im Rathaus Staats- und Regierungschefs sowie die Energieminister aus neun Nordsee-Ländern. Was auf dem Programm steht und worauf sich die Hamburgerinnen und Hamburger einstellen müssen:
Worum geht es bei dem Treffen?
Der Kanzler will, dass die Nordsee zum "größten Reservoir für saubere Energie weltweit" wird. Ziel des Gipfels sei es, den grenzüberschreitenden Ausbau der Offshore-Windenergie, den Wasserstoffmarkt und zugleich eine leistungsfähige und vernetzte Offshore-Infrastruktur im gesamten Nordseeraum weiter "ambitioniert" voranzutreiben, heißt es aus Berlin.
Windparks auf See sollen zum Erreichen der Klimaziele eine zentrale Rolle spielen genauso wie der Einsatz von Wasserstoff als Ersatz fossiler Energien. Außerdem soll es um eine Vernetzung von Windparks für einen verstärkten internationalen Stromhandel gehen. Dem Kanzler zufolge sollen in Hamburg die Weichen gestellt werden, um die grenzüberschreitende Energieerzeugung und den -transport zu ermöglichen.
Warum Hamburg?
Fragt man den Senat, heißt es: "Hamburg ist als einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Europas sowie als Zentrum für die Windenergie- und Wasserstoffwirtschaft der richtige Standort für den Nordsee-Gipfel." Zwei Drittel der deutschen Offshore-Windprojekte würden aus der Hansestadt gesteuert, zudem sei Hamburg mit Leuchtturmprojekten wie dem geplanten Wasserstoff-Groß-Elektrolyseur in Moorfleet Vorreiter und in der Wasserstoffwirtschaft.
"Die Hansestadt hat insofern ein substanzielles Interesse daran, dass auf dem Gipfel konkrete Abkommen und Ergebnisse erzielt werden", heißt es aus dem Rathaus. Zudem sei man als größte deutsche Hafenstadt traditionell eng mit den Nordseeanrainern verbunden.
Die beiden vorherigen Nordsee-Gipfel fanden in den Hafenstädten Ostende in Belgien und Esbjerg in Dänemark statt.
Wer kommt zum Gipfel?
Eingeladen sind die Staats- und Regierungschefs sowie Energieministerinnen und Energieminister aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Island sowie Vertreter der Europäische Kommission und der Nato. Die meisten haben zugesagt.
Nach dpa-Informationen werden sieben Staats- und Regierungschefs nach Hamburg kommen - inklusive Kanzler. Die anderen lassen sich durch Stellvertreter oder andere Regierungsmitglieder vertreten. Außerdem werden mehr als 100 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter erwartet.
Gab es schon zuvor so große internationale Treffen in Hamburg?
Das mit Abstand größte internationale Treffen auf der Ebene von Staats- und Regierungschefs in Hamburg war der G20-Gipfel vor knapp acht Jahren. Wegen gewalttätiger Ausschreitungen linker und linksextremer Demonstranten und scharfer Sicherheitsvorkehrungen in der gesamten Stadt ist er vielen Hamburgern aber nicht in guter Erinnerung.
Zur "Hamburg Sustainability Conference" kamen in den vergangenen zwei Jahren jeweils Vertreter aus über 100 Ländern in die Hansestadt - 2024 waren unter den Teilnehmern der Nachhaltigkeitskonferenz auch elf Staats- und Regierungschefs.
Wie steht es um die Sicherheit?
Wenn sich so viele Staatenlenker an einem Ort versammeln, gelten immer hohe Sicherheitsstandards. Anders als beim G20-Gipfel 2017 werden beim Nordsee-Gipfel allerdings keine Gegenproteste erwartet. Die Polizei sei dennoch mit ausreichend Kräften im Einsatz, um die Veranstaltung abzusichern, hieß es.
Gibt es Einschränkungen wegen des Treffens?
Während des Treffens sind die Straßen rund um das Rathaus und die Handelskammer für den Autoverkehr gesperrt. In den angrenzenden Straßenzügen sei mit "Auswirkungen auf die Geschäftswelt, den Liefer- und Personenverkehr sowie den ÖPNV zu rechnen", teilte die Polizei mit.
Über dem Rathaus gilt während des Treffens zudem ein Flugverbot für Drohnen und Kleinflugzeuge. Außerdem könne es im Tagesverlauf zu weiteren, kurzfristigen und temporären Beeinträchtigungen im Straßenverkehr kommen, wenn Staatsgäste durch die Stadt transportiert würden, hieß es.
