Nach Alfred Gislasons Seitenhieb reagiert Italiens Handball-Nationaltrainer Bob Hanning und spricht von einem künstlich hergestellten Disput. Worum geht es?
Der italienische Handball-Nationaltrainer Bob Hanning hat seine öffentliche Kritik an Alfred Gislason verteidigt, sieht aber keinen tiefgehenden Disput mit dem Bundestrainer. "Das war ganz bewusst ein Weckruf. Es ging dabei nie um Personen, sondern um den Sport. Wir alle tragen Verantwortung für unseren Handball und verfolgen dasselbe Ziel: dass unsere Sportart erfolgreich ist und sich weiterentwickelt", sagte Hanning dem Portal "web.de". Der Konflikt mit Gislason werde nur künstlich hergestellt.
Sollte es wirklich ein Weckruf gewesen sein, wirkt er. Denn die DHB-Auswahl startete mit einem Sieg gegen Portugal in die EM-Hauptrunde und hat nun gute Chancen auf das Halbfinale.
Was war passiert?
Vor dem siegreichen Vorrundenabschluss gegen Spanien hatte Hanning von einem Spiel "um die Zukunft des Bundestrainers" gesprochen und den Druck auf den Isländer maximal erhöht. Die von allen Seiten hochgelobte Kaderbreite sei nichts wert, wenn man sie nicht sinnvoll nutzte, kritisierte der Vereinsboss der Füchse Berlin weiter.
Gislason konnte sich daraufhin einen Seitenhieb nicht verkneifen und witzelte: "Vielleicht hätte er sich lieber ein bisschen mehr auf die Italiener konzentrieren sollen". Hanning war mit den Azzurri in der EM-Vorrunde ausgeschieden.
Hanning unzufrieden mit Gislason EM-Nominierung
Schon vor dem Turnier hatte es ein paar Unstimmigkeiten gegeben. Der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Handballbundes kritisierte etwa, dass auf Linksaußen Lukas Mertens und Rune Dahmke den Vorzug vor Berlins Tim Freihöfer erhalten. "Hier ist alles außer Kraft gesetzt worden, was Fairness und Inhalt angeht", befand Hanning.
Auch diese Aussagen hatte Gislason nicht kommentarlos hingenommen. "Jeder sieht seinen Verein aus eigener Perspektive. Es ist aber schon ungewöhnlich, dass ein anderer Nationaltrainer unsere Entscheidungen öffentlich kritisiert", antwortete der 66-Jährige. Vor allem Mertens spielt bislang ein starkes Turnier.
