Meister des Mysteriösen: David Lynch wäre jetzt 80: Seine besten Werke

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Meister des Mysteriösen: David Lynch wäre jetzt 80: Seine besten Werke

Vor einem Jahr starb David Lynch. Seine legendäre Serie "Twin Peaks" ist nun komplett bei Arte in der Mediathek zu sehen. Welche Filme heute noch faszinieren – und wo sie gestreamt werden können.

Vor einem Jahr starb der Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor David Lynch, wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag. Jetzt am 20. Januar wäre der Spezialist fürs Abseitige 80 geworden - Zeit, um sein Werk noch einmal Revue passieren zu lassen und zu empfehlen.

Lynchs bahnbrechende Serie "Twin Peaks", mit der das Autorenkino Anfang der 90er Jahre Einzug ins Fernsehen hielt und die den bis heute andauernden Hype um Qualitäts-, Edel-, High-End-Serien - oder wie auch immer man sie nennen mag - lostrat, ist derzeit bei Arte in der Mediathek vollständig abrufbar.

Was man wo von David Lynch sehen kann und vielleicht auch sollte - eine Auswahl:

"Twin Peaks" (Staffeln von 1990, 1991, 2017)

Bei "Twin Peaks" (in Deutschland erstmals 1991 bei RTL ausgestrahlt) irritierte manchen einst schon der Vorspann, kam er doch ohne das Kaleidoskop der in die Kamera guckenden Köpfe aus, so wie es bei Erfolgsserien wie "Dallas", "Falcon Crest" oder "Schwarzwaldklinik" zuvor stets Brauch war.

Gegen Serien im Soap-Zuschnitt, die ihr Personal schon im Vorspann vorstellen und Klischeefiguren für berechenbare Zerstreuung einsetzen, stellte Lynch im Vorspann unter anderem ein Vögelchen im Wald zu düsteren langsamen Klängen. Lynch machte doppelbödige Handlungen, komplizierte Charaktere, Abgründe, Geheimnisse oder auch Übersinnliches zum Massenphänomen und beendete alte Sofa- und TV-Sehgewohnheiten.

Staffel 1 bis 3 von "Twin Peaks" mit Kyle MacLachlan in der Hauptrolle sind seit 8. Januar auf arte.tv abrufbar (bis 19.12.2026). 

Der Sender beschreibt die Serie als "David Lynchs Meisterwerk, eine einzigartige Symbiose aus Seifenoper und Filmkunst". Es lasse in die Abgründe einer amerikanischen Kleinstadt eintauchen und fühle sich wie ein böser Traum an, aus dem man niemals erwachen wolle. 

"Eraserhead" (1977) 

Surrealistischer Erstlingsfilm von Lynch. "Ein durch eine schmutzig-düstere, verfremdete Hinterhofwelt irrender Mann wird Vater eines Monsters, dessen Existenz er schließlich nicht mehr ertragen kann", fasste das "Lexikon des internationalen Films" zusammen. Das Werk beeinflusste viele andere Filme, darunter Stanley Kubricks "Shining". (In Flatrate beim Prime-Video-Channel Arthaus+ enthalten)

"Der Elefantenmensch" (1980) - "The Elephant Man"

Eindrucksvoller Schwarz-Weiß-Film über einen fürchterlich verunstalteten Mann, der im viktorianischen England als Jahrmarktssensation vermarktet wird. Der Film mit John Hurt (und Anthony Hopkins als Arzt Frederick Treves) war ein internationaler Kassenerfolg mit acht Oscar-Nominierungen. (In Flatrate beim Prime-Video-Channel Arthaus+ enthalten)

"Der Wüstenplanet" (1984) - Originaltitel: "Dune"

Inzwischen ist die Neuverfilmung dieses Stoffs mit Timothée Chalamet wohl wesentlich bekannter. In Lynchs Fassung des Science-Fiction-Märchens aus den 80ern spielen Kyle MacLachlan, Jürgen Prochnow oder auch der Sänger Sting mit. Es geht um die Befreiung eines Planeten von Unterdrückern. (In Flatrate beim Prime-Video-Channel Lionsgate+ enthalten)

"Blue Velvet" (1986)

In seinen Filmen verband Lynch verstörende surrealistische Rätsel und Alpträume mit Alltagsszenerie. Am Anfang von "Blue Velvet" wird etwa ein abgetrenntes Ohr auf einem penibel gepflegten Rasen gefunden. Die Story rund um Korruption und Sado-Maso-Sex dreht sich um den Collegestudenten Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan). Isabella Rossellini spielt eine missbrauchte Nachtclub-Sängerin, Dennis Hopper einen Verbrecher. (In Flatrate bei Netflix enthalten)

"Wild at Heart" (1990) 

Brutales Road-Movie über ein junges Liebespaar, mit Nicolas Cage und Laura Dern in den Hauptrollen, brachte Lynch 1990 die Goldene Palme in Cannes. Kam bei vielen Kritikern nicht ganz so gut an wie die anderen Filme von Lynch. (Bei zahlreichen Streamingdiensten zu kaufen oder leihen für um die 4 bis 10 Euro)

"Lost Highway" (1997) 

Thriller um einen schizophrenen Killer. Ein eifersüchtiger Saxofonist soll seine Frau ermordet haben und sitzt im Gefängnis. Eines Morgens sitzt an seiner Stelle ein junger Mechaniker in der Zelle, der freikommt und eine Affäre mit einer Frau beginnt, die der Frau des Saxofonisten sehr ähnelt. Lynch unterlegte diesen Psychothriller, in dem unter anderem Bill Pullman und Patricia Arquette mitspielen, auch mit Musik der deutschen Hard-Rock-Band Rammstein. (In Flatrate beim Prime-Video-Channel Arthaus+ enthalten)

"Mulholland Drive – Straße der Finsternis" (2001)

Der Mulholland Drive ist eine lange Panoramastraße im Großraum Los Angeles, die nach dem Ingenieur William Mulholland benannt ist, der einst die LA-Trinkwasserversorgung organisierte. Der Mystery-Thriller (Originaltitel nur "Mulholland Drive") dreht sich um einen Unfall auf dieser kurvenreichen Straße, bei dem eine Frau ihr Gedächtnis verliert. 

Eine Vielzahl von Begegnungen in der Filmmetropole Hollywood, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, verknoten sich in diesem Werk albtraumhaft zu einer Story um Medienmythen. Für viele ist der unzuverlässig erzählte Horrorthriller mit Naomi Watts und Laura Harring ein Puzzle, das man knacken kann, für andere pure Langeweile. (Unter anderem bei Mubi in der Flatrate enthalten)

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