Seit fünf Jahren halten es "Anna und ihr Untermieter" Werner Kurtz nun schon miteinander aus, und bei aller Gegensätzlichkeit ist auch immer wieder Raum für Annäherung. So auch im fünften Film, in dem das ungleiche Paar vorübergehend ein kleines Mädchen bei sich aufnimmt und damit für Probleme sorgt.
Eigentlich sind "Anna und ihr Untermieter" (Katerina Jacob und Ernst Stötzner) wie ein lange verheiratetes Ehepaar. Vermutlich sind die gelegentlichen harmonischen Augenblicke zwischen ihnen sogar häufiger als in realen Durchschnittsehen im gehobenen Alter. Aber keine Sorge: Anna und "Herr Kurtz" – "Werner" nur ganz selten – zoffen sich natürlich auch im fünften Film der Reihe, "Volles Haus", mit viel Dialogwitz. Das Drehbuch schrieb erneut Martin Rauhaus, Regie führte diesmal Michael Rowitz.
Fünf Jahre ist es her, dass die lebensfrohe Anna nach dem Verlust ihres Jobs und dem Ende ihrer Ehe einen Untermieter suchte, um die Haushaltskasse aufzubessern. Und sie fand: den griesgrämigen Werner Kurtz. Es ist die klassische "Wie Katz und Maus"-Prämisse: Sie zwar penibel und pedantisch, aber vor allem auch sozial, menschenliebend, empathisch. Er zwar ebenfalls pedantisch – immerhin war er "Leiter des Ordnungsamts Köln Süd", wie er regelmäßig betont -, aber eben auch ein misanthropisches Ekelpaket. Zumindest tut er so.
Dass hinter der schroffen Fassade ein weicher Kern steckt, zeigte sich auch im letzten Film erst wieder, an dessen Ende Anna und Kurtz gemeinsam in der Hollywoodschaukel plauschten. Sogar von Hochzeit sprach Kurtz schon mehrfach. Aus rein steuerlichen Gründen, versteht sich. Nachtigall, ick' hör dir trapsen ...
Neben dem wiederkehrenden verbalen Schlagabtausch der beiden Hauptfiguren ist es der soziale Aspekt, der eine tragende Rolle in der ARD-Reihe spielt. So auch diesmal.
"Herr Kurtz" zeigt seine soziale Seite
Kurtz lernt bei seiner Tätigkeit bei der "Tafel" für Hilfsbedürftige die kleine Pia (Soraya Maria Efe) und ihre Mutter Meike (Liza Tzschirner) kennen. Als Meike mit einer akuten Blinddarmentzündung zusammenbricht und ins Krankenhaus gebracht wird, nimmt Kurtz das Mädchen mit nach Hause. – "Dass SIE das gemacht haben, finde ich einfach großartig", lobt ihn seine Vermieterin. Das kann er natürlich nicht einfach so stehen lassen: "Ja, weil ich ja eigentlich 'Herr Ordnungsamt' bin! Seine Nase in anderer Leute Angelegenheiten stecken und 'nen Haufen Probleme heraufbeschwören ist eigentlich IHRE Spezialität." Ja, so schnell wird der Werner wieder zum Herrn Kurtz ...
Dennoch versuchen sich die beiden als Ersatz-Großeltern für Pia, bis ihre Mutter wieder gesund ist. Dass sie damit gegen das Gesetz verstoßen, nehmen sie in Kauf. Doch dann steht plötzlich Kurtz' Bekannter Klaus (Max Herbrechter) vor der Tür und bittet um Asyl. Kurtz ist alarmiert, Klaus sei ein noch schlimmerer Prinzipienreiter als er. Wenn er Pia entdeckt, sei alles aus.
Und dann steht, nach der konfliktreichen Verlobung im letzten Film, auch noch die Hochzeit von Annas Tochter Karin (Katharina Schlothauer) mit dem Kinderarzt Jens (Golo Euler) an. Dessen arroganter Vater, Klinikdirektor Horst Schulte-Bräucker (Herbert Knaup), ist nach seinen standesdünkelhaften Unverschämtheiten, mit der er sogar seine Frau (Anke Sevenich) vergrault hat, auf dem Fest Persona non grata. Aber ob da das letzte Wort gesprochen ist?
"Anna und ihr Untermieter: Volles Haus" – Fr. 23.01. – ARD: 20.15 Uhr
