Der 1. FC Nürnberg hat einen neuen Hoffnungsträger im Sturm. Lockenkopf Piet Scobel trifft bei seinem Startelfdebüt sogar doppelt. Sein Trainer schwärmt.
Der Torjubel des neuen Nürnberger Hoffnungsträgers im Sturm hat noch Luft nach oben. "Das war nie so mein Ding. Daran muss ich noch arbeiten", meinte Piet Scobel amüsiert nach seinem furiosen Startelfdebüt für den 1. FC Nürnberg, das er zum Rückrundenstart der 2. Fußball-Bundesliga sogar mit einem Doppelpack inklusive Siegtreffer krönte.
Der 20-Jährige hat vor dem spektakulären 3:2 (0:1) seiner Nürnberger gegen Aufstiegskandidat SV Elversberg sogar Nachrichten von Freunden in Sachen Torjubel bekommen. An seiner noch sehr verhaltenen persönlichen Choreografie kann Scobel feilen - das Scheinwerferlicht braucht der bisherige Torjäger aus der U23 überhaupt nicht.
Vor einem Jahr noch 5. Liga
"Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt", räumte Scobel ein, nachdem ihn die Nürnberger Fans beim Gang in die Kurve euphorisch gefeiert hatten. "Aber es ist natürlich besonders, das hatte ich so noch nicht in meinem Leben. Es ist ein schönes Gefühl, aber ich genieße es nicht so doll, weil ich nicht so gerne mittendrin stehe."
Auf dem Rasen stand der gebürtige Pinneberger, der im Januar 2025 vom Eimsbütteler TV aus der Oberliga Hamburg nach Franken gewechselt war, dafür umso häufiger goldrichtig. Am Ende zählten die Statistiker bei dem Studenten der Wirtschaftsmathematik satte zwölf Torschüsse.
"Achterbahn der Gefühle"
Nur in der ersten Hälfte wollte es bei ihm einfach nicht klappen. "Das wurmt einen schon, wenn man in der ersten Halbzeit so viele Dinger liegen gelassen hat", sagte Scobel, der zuvor vier Jokereinsätze für den FCN gehabt hatte. Nach dem Wechsel lief es dann rund bei Miroslav Kloses Mannschaft, die zweimal einen Rückstand drehte.
Julian Justvan (56. Minute) und Shootingstar Scobel mit zwei Kopfbällen (71., 90.+3) konterten die Tore von Tom Zimmerschied (39.) und Jarzinho Malanga (65.) vor 25.369 Zuschauern. "Das war eine Achterbahn der Gefühle", meinte Scobel nach dem wilden Schlagabtausch.
Klose meckert - und fliegt erstmals vom Platz
Seine Eltern bekamen den denkwürdigen Auftritt nur am heimischen TV mit. Dafür waren Freunde und frühere Trainer Scobels im Stadion. "Er arbeitet, er ist diszipliniert und haut sich im Training rein", lobte Offensivspieler Justvan Nürnbergs neuen Stoßstürmer. "Er ist angekommen in der Liga und macht hoffentlich so weiter."
Das wünscht sich natürlich auch Klose, der in einer hochemotionalen Schlussphase wegen Meckerns und Tretens einer Wasserflasche mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Es war sein erster Platzverweis als Cheftrainer.
Highlight auch vom Keeper
"Du kannst bei so einem Jungen nicht verhindern, besser zu werden", lobte Klose, früherer Weltklassestürmer und Weltmeister von 2014, den hoch veranlagten Youngster. Scobel habe einen "brutalen Kopfball" und könne sowohl mit Links als auch Rechts schießen. "Piet hat ein fantastisches Spiel gemacht."
Eine herausragende Aktion hatte auch Nürnbergs Schlussmann Jan Reichert, der sein Team mit einem gehaltenen Foulelfmeter von Otto Stange (85.) vor der möglichen Niederlage bewahrte. Aber dieses rasante Spiel am 17. Januar stand ganz im Zeichen Scobels.
