Hof: Illegale Dieselgeschäfte in Millionenhöhe – Prozessauftakt

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Hof: Illegale Dieselgeschäfte in Millionenhöhe – Prozessauftakt

Es geht vor dem Landgericht Hof um mutmaßlichen Steuerbetrug in Millionenhöhe im Kraftstoffhandel, es geht um geschädigte Kunden. Und um die Frage: Wie groß ist das Netzwerk dahinter wirklich?

Kaufte ein Mineralölhändler aus dem Landkreis Hof nicht besteuerten Kraftstoff? Gingen dadurch Steuereinnahmen in Millionenhöhe verloren? Wurden Kunden betrogen? Diese Fragen muss das Landgericht Hof in einem komplexen Verfahren klären. Neben dem 63 Jahre alten Unternehmer sind noch sieben weitere Menschen angeklagt – sie sollen in verschiedenen Konstellationen an der Beschaffung und dem Weiterverkauf des Kraftstoffs beteiligt gewesen sein.

Zu Beginn des Verfahrens standen viele Zahlen: Die Anklageschrift ist weit über 100 Seiten lang, die Staatsanwaltschaft listete über Stunden Zahlungsvorgänge auf.

Welche Rolle spielen "bisher unbekannte Personen"?

Deutlich wurde aber auch: Die Ermittler vermuten, dass das Netzwerk rund um den illegalen Dieselhandel größer ist als die nun Angeklagten. Von "bisher unbekannten Personen" ist die Rede in der Anklageschrift. Und als Verteidiger forderten, das Tragen von Hand- und Fußfesseln für die Angeklagten zu lockern, wies ein Vertreter der Staatsanwaltschaft darauf hin, dass man davon ausgehe, dass in diesem Tatkomplex noch weitere Menschen auf der Flucht seien.

Dem Mineralölhändler wirft die Staatsanwaltschaft vor, zwischen November 2023 und November 2024 rund 90,5 Millionen Liter unversteuerten Kraftstoff eingekauft zu haben. Er soll demnach gewusst haben, dass die Lieferanten Energiesteuer von rund 44 Millionen Euro hinterzogen haben sollen.

Analysen ergaben nach einer Gerichtsmitteilung vom Dezember zudem, dass es sich in den untersuchten Fällen gar nicht um Dieselkraftstoff handelte, sondern um anderes Schweröl oder Gasöl. Die Anklage umfasse deshalb auch den Tatvorwurf des Betrugs in 27 Fällen zulasten von Kunden.

Europaweites Verfahren "Water into Wine"

Die Staatsanwaltschaft erläuterte nun zum Prozessauftakt, dass bei Kraftstofflieferungen an das Unternehmen die Warntafeln an den Tanklastwagen geändert worden sein sollen. Den illegalen und nicht der Norm entsprechenden Kraftstoff habe man an den firmeneigenen Tankstellen verkauft oder Großkunden direkt beliefert. Sei man von Kunden auf Schäden an Fahrzeugen hingewiesen worden, habe man diese beglichen oder die Versicherung in Anspruch genommen, hieß es in der Anklage. Trotzdem habe man den Kraftstoff weiter eingekauft.

Für den Tatkomplex interessiert sich auch die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA). Im August 2025 gab es demnach auch eine Untersuchung bei der betroffenen Firma unter Regie dieser Behörde. Seitdem sitzt auch der Sohn des nun angeklagten Mineralölhändlers in U-Haft. Die EUStA-Ermittlungen rund um Kraftstoffbetrug laufen unter dem Namen "Water into Wine". Die Europäische Staatsanwaltschaft verfolgt Straftaten, die zulasten des EU-Haushalts gehen.

Viele Termine bis Oktober

Die betroffene Firma hat die Vorwürfe nach Bekanntwerden des Falls im Herbst 2024 zurückgewiesen. Man betonte damals, selbst Opfer krimineller Machenschaften geworden zu sein. Nach der neuerlichen Durchsuchung im August 2025 hieß es, dass die beauftragten Anwälte mit Hochdruck daran arbeiteten, die Vorwürfe zu entkräften. Kurz vor dem Start des Hauptverfahrens wollte sich das Unternehmen auf Nachfrage nicht mehr äußern.

Das Landgericht Hof steht vor einem Mammutverfahren: Bis zum 22. Oktober sind noch 59 Verhandlungstage angesetzt.

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