Bezirke: Kaffeewette untersagt - Bezirke wollen sammeln

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Bezirke: Kaffeewette untersagt - Bezirke wollen sammeln

Trotz rechtlicher Bedenken der Senatskanzlei wollen Berliner Bezirke an der Kaffeewette für Obdachlose festhalten. Was die Aktion so besonders macht.

Über eine alljährliche Sammlung von Kaffeepackungen zur Versorgung von Obdachlosen in Berlin gibt es Streit. Die Senatskanzlei äußerte rechtliche Bedenken gegen die sogenannte Kaffeewette, an der sich in diesem Jahr alle Bezirke mit Ausnahme von Friedrichshain-Kreuzberg beteiligen wollten. Darüber hatte zunächst der "Tagesspiegel" berichtet. 

Die Aktion, die vor rund sieben Jahren ins Leben gerufen wurde, war in diesem Jahr vom 19. Januar bis 5. Februar 2026 geplant. Die Senatskanzlei habe dies jedoch untersagt, teilten mehrere Bezirke mit. "Die Senatskanzlei informierte die Berliner Bezirke darüber, dass nach der Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters der Verdacht auf Käuflichkeit oder Bestechlichkeit bestünde", teilte etwa das Bezirksamt Neukölln mit. 

"Wie bei allen öffentlichen Aktionen schauen wir genau hin, wie die Kaffeewette umgesetzt werden kann. Daran arbeiten wir gerade – mit dem klaren Ziel, den positiven Kern der Idee zu bewahren", teilte Senatssprecherin Christine Richter auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. 

Hikel: Schlag ins Gesicht 

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sprach jedoch von einem Schlag ins Gesicht für engagierte Unternehmen und Bürger, die ein Zeichen des Zusammenhalts hätten setzen wollen. "Es geht darum, dass die Kältehilfe gestärkt wird. Die sind der Star bei der Wette", sagte Hikel der RBB-Abendschau. 

Nach Angaben der Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) erklärten beteiligte Unternehmen als Wettpaten nunmehr ihren Rückzug aus der Kaffeewette. 

Beide Bezirksbürgermeister kritisierten die Haltung der Senatskanzlei als kaltherzig und erklärten, an der Kaffeesammlung festhalten zu wollen. Auch in Tempelhof-Schöneberg und Lichtenberg sollen Kaffeepakete gesammelt werden.

Im Jahr 2019 ins Leben gerufen

Die Aktion war 2019 in Berlin-Neukölln ins Leben gerufen worden: Bürger wurden dazu aufgerufen, Kaffeepäckchen zur Unterstützung lokaler Kältehilfeeinrichtungen zu spenden. Jeder Bezirk, der es schaffte, mindestens 500 solcher Päckchen zu sammeln, erhielt von einem Einzelhändler und mehreren Partnern 2.500 Euro zusätzlich für die Kältehilfe im jeweiligen Bezirk.

"Die Kaffeewette ist eine schöne Idee für die wichtige Arbeit der Kältehilfe in unserer Stadt. Sie steht für das, was Berlin ausmacht: Offenheit, Begegnung und Zusammenhalt", betonte Senatssprecherin Richter. "Der Regierende Bürgermeister findet diesen Ansatz ausdrücklich gut."

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