Chemie-Standort: Kosten für Weiterbetrieb bei Domo derzeit nicht bezifferbar

Published 1 hour ago
Source: stern.de
Chemie-Standort: Kosten für Weiterbetrieb bei Domo derzeit nicht bezifferbar

Sachsen-Anhalt springt ein, um den Betrieb beim Chemieunternehmen weiterlaufen lassen zu können. Für Wirtschaftsminister Schulze dürfte es wichtig sein, dass schnell ein Investor gefunden wird.

Nachdem das Land Sachsen-Anhalt den Weiterbetrieb an dem Standort des Chemieunternehmens Domo Chemicals in Leuna angeordnet hat, sind die dadurch entstehenden Kosten derzeit nicht schätzbar. "Da die Summe von verschiedenen Faktoren abhängt, lässt sich eine konkrete Zahl derzeit nicht nennen", erklärte eine Sprecherin des Landesverwaltungsamts. Grundsätzlich würden die Kosten in so einem Fall "im Laufe des Verfahrens dem Verursacher in Rechnung gestellt".

Das Land hatte angeordnet, dass die Anlagen des belgischen Unternehmens aus Gründen der Gefahrenabwehr zunächst weiterbetrieben werden. Dafür hat Sachsen-Anhalt eine sogenannte Ersatzvornahme angeordnet, stellt also Mittel bereit, um einen Minimalbetrieb in Leuna am Laufen zu halten.

Schulze: "Es gibt Interessenten"

Wirtschaftsminister Sven Schulze verteidigt die Anordnung des Weiterbetriebs. Der sei nötig, um im Zweifelsfall etwa Gefahren für die Umwelt abzuwehren, betonte der CDU-Politiker im Gespräch mit dem MDR. Zudem könne der Insolvenzverwalter die so gewonnene Zeit nutzen, um Investoren zu suchen. "Es gibt Interessenten, hier einzusteigen", sagte Schulze. Das Unternehmen in Leuna sei "durchaus sehr interessant".

Zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, an seinen deutschen Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg wegen Insolvenzen seine Anlagen herunterfahren zu müssen. Durch die Anordnung des Landes sei die kurzfristige Stilllegung der Produktion aber vorerst vom Tisch, hatte der Insolvenzverwalter erklärt.

Gewerkschaft: Anordnung ist "gute Nachricht"

"Die kurzfristige Lösung für die drei Standorte der Domo ist eine gute Nachricht und beweist die Ernsthaftigkeit der Politik für die Beschäftigten, das Chemiecluster und die Region", sagte die Leiterin Nordost der Chemiegewerkschaft IG BCE, Stephanie-Albrecht Suliak. Nun sei es wichtig, dass alle Akteure weiter an einem Strang ziehen, um die Situation bei der Domo zu lösen, die Branche in Mitteldeutschland zu stabilisieren und die Zukunft der Beschäftigten zu sichern.

Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeitende.

InfraLeuna: langfristige Stabilität und Perspektive nötig

InfraLeuna unterstützt den Betrieb der Domo-Anlagen in Leuna. "Die Hilfe der InfraLeuna ist vor allem darauf gerichtet, die Suche des Insolvenzverwalters nach einer Lösung zur langfristigen Sicherung des Unternehmens zu unterstützen", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Eigentümerfamilie habe sich bedauerlicherweise aus dem Kreis der aktiv nach einer Lösung suchenden Parteien verabschiedet. "Verblieben sind das Land Sachsen-Anhalt sowie einzelne große Lieferanten, insbesondere die InfraLeuna."

Das Unternehmen betonte in seiner Mitteilung: "Für den gesamten Standort kommt es jetzt darauf an, dass für eine intakte und gut positionierte Anlage ein Partner gefunden wird, der langfristige Stabilität und eine Perspektive in der Entwicklung sichert."

Geld soll zurück zum Land kommen

Mit Blick auf das Geld, das das Land nun für den Weiterbetrieb in die Hand nimmt, sagte Schulze dem MDR: "Natürlich wird Sachsen-Anhalt schauen, wie das Geld, das jetzt eingesetzt werden muss, auch wieder zurück zum Land fließt." Folglich profitiere auch das Land, je eher ein neuer Investor gefunden werde.

Schulze betonte, dass die Hilfe des Landes keinen Einstieg Sachsen-Anhalts in das Unternehmen bedeute. Ebenso wenig habe die Anordnung des Weiterbetriebs mit seiner Kandidatur als Spitzenkandidat der CDU bei der anstehenden Landtagswahl zu tun.

Insolvenz kann weitreichende Auswirkungen haben

Die Insolvenz der drei Tochtergesellschaften von Domo könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. In Leuna und Premnitz wurde vor allem Kunststoff produziert, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien). 

Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Nach Angaben der IG BCE erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro.

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