Toter auf der Lombardsbrücke: Nach Todesfall: Ruf nach mehr Straßensozialarbeit in Hamburg

Published 3 hours ago
Source: stern.de
Toter auf der Lombardsbrücke: Nach Todesfall: Ruf nach mehr Straßensozialarbeit in Hamburg

Warum der Sozialverband die aktuellen Hilfsangebote für Obdachlose in Hamburg als unzureichend kritisiert und was sich nach dem Todesfall ändern soll.

Nach dem Tod eines mutmaßlich obdachlosen Mannes in Hamburg soll die Unterbringung von Obdachlosen neu aufgestellt werden. Das hat der Landesverband des Sozialverbands Deutschland in der Hansestadt gefordert. Hamburg brauche "mehr Straßensozialarbeit - für kurzfristige Hilfen, Wohnungen und langfristig neuen Perspektiven auf ein Dach über dem Kopf", sagte der Landesverbandsvorsitzende Klaus Wicher.

Der tote Mann war am Dienstag vor einem Zelt auf der Lombardsbrücke gefunden worden. Es gebe keine Hinweise auf Fremdeinwirkung oder Suizid, sagte eine Polizeisprecherin. Es liege nahe, dass der 59-Jährige obdachlos war.

Von Alkohol und Gewalt geprägte Atmosphäre

Klaus Wicher sagte: "Ich finde es sehr tragisch, dass die Hilfe, die die Stadt diesen Menschen zukommen lässt, viele offensichtlich gar nicht erreicht. Immer wieder hören wir, dass nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer im Winter nicht in die Sammelunterkunft gehen wollen. Sie fühlen sich dort nicht sicher, weil die Atmosphäre von Alkohol und Gewalt geprägt ist, viele haben auch Angst vor Diebstahl ihrer wenigen Habseligkeiten." Es könne aber keine Alternative sein, "in eisiger Kälte auf der Straße zu schlafen und zu riskieren, dabei zu erfrieren".

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) solle vor allem das Thema Sammelunterkünfte neu bewerten. "Diese Idee, viele Menschen an einem Ort eine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten, stammt aus meiner Sicht aus alten Zeiten, wo Obdachlosigkeit vor allem männlich geprägt war", sagte Wicher: "Diese Sicht auf das Thema ist meiner Meinung nach stark veraltet und nicht mehr zeitgemäß."

Categories

HamburgTodTodesfallDeutschland