Wohnungsmarkt: Studie: 376.000 Wohnungen fehlen in NRW

Published 2 hours ago
Source: stern.de
Wohnungsmarkt: Studie: 376.000 Wohnungen fehlen in NRW

Der Wohnungsmangel verschärft sich. Eine Untersuchung zeigt, dass trotz wachsender Lücke deutlich zu wenig neue Wohnungen entstehen. Mit spürbaren Folgen - vor allem für Jüngere und Ältere.

In Nordrhein-Westfalen fehlen einer Schätzung zufolge mittlerweile rund 376.000 Wohnungen. Damit hat sich die Lücke erneut vergrößert, wie aus einer Studie des Pestel-Instituts hervorgeht. Die Wohnungsnot habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und erreiche wieder das Niveau der frühen 1990er Jahre, sagte Chefökonom Matthias Günther. Besserung sei nicht in Sicht. 

In den Großstädten ist die Lage nach Angaben von Günther seit längerem angespannt, zunehmend zeigten sich auch in ländlichen Regionen wie dem Münsterland Probleme. In vergleichsweise günstigen Regionen wie in Ostwestfalen gebe es hingegen Leerstand. Wohnungen würden dort teils nicht saniert, weil sich Investitionen wegen niedriger Mieten kaum lohnten. 

Viele Sozialwohnungen verlieren Mietpreisbindung 

Zum Abbau des Mangels müssten in NRW bis 2030 jährlich etwa 94.000 Wohnungen gebaut werden. Dieses Ziel werde deutlich verfehlt, sagte Günther. 2024 wurden laut Landesstatistikamt IT.NRW lediglich gut 41.000 Wohnungen fertiggestellt - rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr, als es 48.100 waren. Grund für die Bauflaute sind kräftig gestiegene Zinsen und Baukosten. Viele private Bauherren verzichteten daher auf Projekte, Investoren zögen sich zurück. 

Besonders knapp sind bezahlbare Wohnungen, vor allem Sozialwohnungen. Im Bundesland gab es 2024 laut Studie noch gut 409.000 davon. Mit 22,7 Einheiten je 100 Mieterhaushalten liegt NRW zwar an der Spitze der Flächenländer. Doch bis 2030 fällt ein erheblicher Teil aus der Mietpreisbindung. Nach Ablauf der Frist können Wohnungen frei und meist teurer vermietet werden. Um die Zahl bis 2035 auf 450.000 zu erhöhen, müssten jährlich knapp 18.000 neue Bindungen entstehen – seit 2017 waren es jedoch jeweils deutlich unter 10.000. 

"Ausbildungsverträge kommen nicht zustande" 

Die Lage ist bundesweit angespannt: Der Untersuchung zufolge fehlen rund 1,4 Millionen Wohnungen. Besonders stark trifft der Wohnungsmangel Jüngere. "Ausbildungsverträge kommen nicht zustande, weil Jugendliche keine Wohnung finden", sagt Günther. Viele Ältere blieben mangels bezahlbarer Alternativen in zu großen Wohnungen. Für benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen sei die Situation besonders schwierig. Sie würden wegen des "vermeintlich höheren Risikos in der Vermietung" ausgegrenzt. 

Die Berechnungen des Pestel-Instituts stützen sich auf Daten der statistischen Ämter. Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau sowie weiteren Organisationen. Das Bündnis fordert einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere den Bau von mehr Sozialwohnungen.

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