Prävention vor Ort: Kampagne gegen häusliche Gewalt startet in Niedersachsen

Published 4 hours ago
Source: stern.de
Prävention vor Ort: Kampagne gegen häusliche Gewalt startet in Niedersachsen

Häusliche Gewalt betrifft alle sozialen Schichten und bleibt oft verborgen. Nun startet eine Kampagne, die das Schweigen im Wohnumfeld brechen und Betroffenen den Weg zur Hilfe zeigen soll.

Häusliche Gewalt bleibt oft hinter Wohnungstüren verborgen. Mit einer Kampagne in Niedersachsen wollen die Wohnungswirtschaft und der Landespräventionsrat Betroffene besser erreichen und Nachbarschaften sensibilisieren. Unter dem Titel "Kein Raum für häusliche Gewalt" soll das Thema gezielt im Wohnumfeld sichtbar gemacht werden, teilten beide mit.

Auslöser sind steigende Fallzahlen: 32.545 Fälle häuslicher Gewalt registrierte die Polizei 2024 in Niedersachsen – rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Fachleute gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Kampagne startet im Wohnumfeld

Die Kampagne startet morgen als Pilotprojekt in 13 Wohnungsunternehmen an zwölf Standorten. Initiiert wurde sie vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) in Niedersachsen und Bremen gemeinsam mit dem Landespräventionsrat, einer Beratungseinrichtung des Landes Niedersachsen. Beteiligt sind zudem die Polizei sowie Frauen- und Mädchenberatungsstellen.

Geplant sind Informationsmaterialien in Treppenhäusern und Quartieren sowie Schulungen für Mitarbeitende der Wohnungsunternehmen. Diese sollen Anzeichen häuslicher Gewalt erkennen und Betroffene an Beratungsstellen oder Polizei vermitteln.

"Wegschauen ist keine Option"

"Häusliche Gewalt passiert dort, wo Menschen sich eigentlich sicher fühlen sollten: in den eigenen vier Wänden", sagte vdw-Verbandsdirektorin Susanne Schmitt. "Wegschauen ist keine Option." Ziel sei es, Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein seien und Hilfe finden könnten.

Nach der Pilotphase ist ein landesweiter Ausbau der Kampagne vorgesehen. Weitere Wohnungsunternehmen hätten bereits Interesse an einer Beteiligung bekundet.

Politische Forderungen über die Kampagne hinaus

Aus dem Landtag kam Zustimmung. Die Grünen-Abgeordnete Evrim Camuz erklärte, Gewalt dürfe "in keinem Zuhause Platz haben". Die rot-grüne Landesregierung verankere im Zuge einer Reform elektronische Fußfesseln im niedersächsischen Polizeigesetz. Opfer könnten so bei Annäherung durch Täter frühzeitig gewarnt werden. 

Kritik kam aus der Opposition. "Präventionskampagnen sind wichtig und richtig – doch sie allein stoppen keinen Täter", sagte die CDU-Abgeordnete Birgit Butter. Sie forderte eine sofortige rechtliche Grundlage für den Einsatz der elektronischen Fußfessel im Polizeigesetz. Die Landesregierung verzögere notwendige Entscheidungen.

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