morgenstern: Warum Grönland für Trump so unwiderstehlich ist – und der heutige Tag so brisant

Published 1 hour ago
Source: stern.de
morgenstern: Warum Grönland für Trump so unwiderstehlich ist – und der heutige Tag so brisant

Grönland-Treffen in Washington: Ein Teilnehmer sorgt für zusätzliches Eskalations-Potenzial. Außerdem: Merz und der Iran. Und: schwere Vorwürfe gegen einen Weltstar. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

"Wir brauchen Grönland unbedingt.“ 

"Wir werden Schritte in Bezug auf Grönland unternehmen, entweder auf gütlichem Wege oder auf schwierigere Weise.“ 

"Grönland sollte den Deal machen, weil Grönland nicht sehen will, dass Russland oder China übernehmen."

"Auf die eine oder andere Weise werden wir Grönland haben."

Das sind nur einige der jüngsten Grönland-Äußerungen von Donald Trump, alle aus den letzten eineinhalb Wochen. Der US-Präsident lässt keine Gelegenheit aus, seine Besitzansprüche auf die größte Insel der Welt deutlich zu machen.

Heute kommen in Washington die Außenminister von Dänemark und Grönland mit US-Außenminister Marco Rubio zusammen, natürlich geht es um den amerikanischen Annexionstraum, der so gar nicht der der Grönländerinnen und Grönländer ist. Auch US-Vize JD Vance sitzt mit am Tisch. Ein brisantes Treffen.

Darum ist Grönland für Donald Trump so unwiderstehlich

Donald Trumps Grönland-Begehrlichkeiten sind groß, aus mehreren Gründen: Da ist die strategisch bedeutsame Lage der größten Insel der Welt zwischen Nordamerika und Europa, die raumbeherrschende Position im Arktischen Ozean. Trump argumentiert mit den Sicherheitsinteressen der USA: Wenn wir nicht kommen, dann machen es die Russen oder die Chinesen, sagt er.

Und dann wären da Seltene Erden, Uran, Eisenerz, Gold, Diamanten, Kohle, Öl und mehr. Unter Fels und Eis ist Grönland eine wahre Schatzkammer. Neue Seewege, die durch den Klimawandel entstehen, machen Grönland auch ökonomisch zu einem Schlüsselgebiet: Wer diese Wege kontrolliert, dessen weltwirtschaftlicher Einfluss wächst.

Und es gibt möglicherweise noch einen weiteren, schlichteren Grund für Trumps Grönland-Interesse: Die Größe des Landes reizt ihn. "Trump ist ein Immobilienmensch“, sagte Historiker David Silbey jetzt der "New York Times“, "und die Idee, sich so viel Land anzueignen, scheint mir seine besondere Triebkraft zu sein: das größte Land aller Zeiten.“ Trump sei mehr als jeder andere Präsident an einer Ausweitung von Amerikas Grenzen interessiert, erklärte auch Historiker Daniel Immerwahr gegenüber der Zeitung.

Was macht der US-Vizepräsident beim Grönland-Treffen?

Die US-Ziele sind vor dem heutigen Treffen der Außenminister Grönlands und Dänemarks mit US-Vize JD Vance und Außenminister Marco Rubio also klar. Und auch der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen wurde gestern noch einmal deutlich: "Grönland will nicht von den USA regiert werden. Grönland will nicht Teil der USA sein“, sagte er. Wenn man "jetzt hier und jetzt“ zwischen den USA und Dänemark wählen müsse, "dann wählen wir Dänemark."

Das heutige Treffen in Washington, es ist mehr als nur ein diplomatisches Ritual – es ist ein Versuch, eine gefährliche Konfrontation zwischen Nato-Verbündeten zu entschärfen. Zusätzliche Brisanz gewinnt es durch die Teilnahme von JD Vance: Dass auch der US-Vizepräsident mit den Außenministern am Tisch sitzt, rückt das Treffen noch einmal weiter in Trumps Machtzentrum. 

Gemeinsam mit seiner Frau Usha Vance reiste US-Vizepräsident JD Vance im März 2025 nach Grönland
Gemeinsam mit seiner Frau Usha Vance reiste US-Vizepräsident JD Vance im März 2025 nach Grönland – hier zu sehen beim Besuch der US-Raumfahrtbasis Pituffik
© Jim Watson

Außerdem gilt Vance als einer der stärksten Treiber der Annexionspläne: Mit seinem umstrittenen Grönland-Besuch sorgte er im März 2025 für Aufsehen, wiederholt kritisierte er Dänen und Europäer, sie würden Grönland nicht hinreichend schützen und drohte unverhohlen. Und dass Vance kein Problem damit hat, Verbündete offen zu brüskieren, ist spätestens seit dem denkwürdigen Selenskyj-Termin im Oval Office bekannt.

Schwere Vorwürfe gegen Julio Iglesias

Julio Iglesias, 82, ist einer der bekanntesten Künstler weltweit. Der Spanier veröffentlichte über 80 Platten in 14 Sprachen, verkaufte weltweit mehr als 300 Millionen Tonträger. Jetzt gibt es schwere Vorwürfe gegen den Weltstar: Laut spanischen Medien haben zwei Frauen Iglesias wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt angezeigt.

In einer gemeinsamen Recherche der spanischen Zeitung elDiario.es und des TV-Senders Univision werfen die Frauen Iglesias sexuelle Übergriffe vor. Diese sollen sich laut den Frauen im Jahr 2021 ereignet haben, als beide nach eigenen Aussagen für den Sänger in dessen Villen in der Karibik arbeiteten. Mehr dazu lesen Sie hier:

5-Minuten-Talk: Merz prophezeit Ende des Regimes im Iran – ist das klug?

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Stefan Düsterhöft

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