Die Schneeschmelze könnte Wasserstände in Niedersachsens Flüssen steigen lassen. Experten erklären, welche Faktoren jetzt bei der Schmelze entscheidend sind – und worauf Anwohner achten sollten.
Die infolge milderer Temperaturen schmelzenden Schneemengen werden nach Einschätzung von Experten in den kommenden Tagen zu höheren Wasserständen in Niedersachsens Flüssen führen. Aktuellen Vorhersageberechnungen zufolge sei derzeit aber nicht mit einem überregionalen Hochwasser oder einer größeren Hochwasserlage zu rechnen, teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden (Landkreis Aurich) auf Anfrage mit. Die Hochwasservorhersagezentrale für Niedersachsen ist Teil des NLWKN.
"An wenigen, einzelnen Hochwassermeldepegeln könnte es im Verlauf der kommenden Tage aufgrund der Schneeschmelze zu Überschreitungen der Meldestufe 1 kommen", teilte ein Behördensprecher mit. Die Meldestufe 1 ist die niedrigste der insgesamt drei Meldestufen. Wo diese Schwelle erreicht werde, sei mit "bordvollen Abflüssen" zu rechnen. Stellenweise könne es zu Ausuferungen etwa auf forst- und landwirtschaftlichen Flächen kommen. Siedlungslagen seien nicht betroffen.
Einflussfaktoren auf Schneeschmelze
Wie schnell sich eine Schneeschmelze mit steigenden Wasserständen in Flüssen spürbar bemerkbar macht, hängt nach NLWKN-Angaben von einigen Einflussfaktoren ab. Dazu zählen etwa:
vorhandene, gefallene SchneemengeWasserstände in den Flüssenmöglicher neuer Niederschlag Verlauf des erwarteten Temperaturanstiegs Dauer gefrorener Böden
Die Ausgangslage
Anfang dieser Woche lagen die Wasserstände an vielen Pegeln in Niedersachsen laut NLWKN unter den Wasserständen des langjährigen Mittels. Zudem seien bislang keine größeren Niederschlagsmengen von Meteorologen vorhergesagt worden. In den vergangenen Tagen habe sich eine Schneedecke mit einer mittleren Höhe von 10 bis 25 Zentimetern in Niedersachsen aufgebaut, teilte der NLWKN-Sprecher weiter mit. Mit einem Abschmelzen sei wegen des einsetzenden Temperaturanstiegs in den kommenden Tagen zu rechnen.
Wie es weiter geht
Unter anderem bestimme die Stärke des Temperaturanstiegs, wie schnell die Schneeschmelze ablaufe. "Auch der Frost im Boden ist gerade in den nächsten Tagen ein wichtiger Faktor: Solange der Boden gefroren ist, kann er das Schmelzwasser nicht aufnehmen", teilte der NLWKN-Sprecher weiter mit. Dann gelange das Schmelzwasser recht schnell als Oberflächenwasser in die Flüsse und Kanäle. Sobald der Boden frostfrei werde, könne dieser - aufgrund relativ trockener Witterungsverhältnisse vor dem Schneefall - einiges an Wasser aufnehmen. Aber: "Der Zeitpunkt, wann der Bodenfrost vollständig aus dem Boden raus sein wird, ist dabei schwierig vorherzusagen."
Wo es Informationen gibt
Wer an Kanälen, Flüssen und anderen Gewässern lebt, sollte laut NLWKN achtgeben. "Wichtigster Tipp für Bürgerinnen und Bürger ist beim Thema Hochwasser sicherlich, sich fortlaufend über die Entwicklung zu informieren", teilte der NLWKN-Sprecher weiter mit. Mithilfe von Messwerten und Wettervorhersagen würden täglich neue Wasserstandsvorhersagen berechnet. Informationen und Warnungen sind im Internet abrufbar auf dem Portal www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de.
