Ein halbes Kilo Fisch pro Tag: Gefräßige Kormorane an der Havel in Potsdam bringen Angler auf die Palme. Auch ein Thema für die politischen Gespräche von Brandenburgs SPD und CDU?
Hunderte Kormorane suchen auf der Havel In Potsdam nach Nahrung - die als Fischjäger bekannten Wasservögel entfachen damit einen lang anhaltenden Streit neu. Nach dem Willen des Landesanglerverbands soll der Kormoran auch ein Fall für die bevorstehenden Koalitionsgespräche zwischen CDU und SPD in Brandenburg sein.
Was manchen Spaziergänger an der Potsdamer Havel erfreut, bringt Angler auf die Palme: Sie beklagen, dass eine große Ansammlung von Kormoranen aus ihrer Sicht Gewässer leer fressen - und wollen den Bestand reduzieren.
Naturschutz-Organisationen setzen sich dagegen weiterhin für den Schutz der Wasservögel ein. Eine Bejagung und verschärfte Maßnahmen gegen Kormorane halten sie nicht für sinnvoll.
Im Winter sammeln sich Kormorane vielerorts an nicht zugefrorenen Flüssen und offenen Hafenbecken wie jüngst an der Alten Fahrt - ein beliebter Ort für Angler mitten in Potsdam -, um besser nach Fischen jagen zu können.
Großer Appetit der Kormorane auf Fisch
"Diese offenen Stellen nutzen bis zu 1.500 Kormorane seit letzter Woche täglich, um dort zu jagen und ihren täglichen Nahrungsbedarf von zirka 500 Gramm Fisch zu stillen", beklagt der Landesanglerverband Brandenburg. "Innerhalb kürzester Zeit wurde die massive Konzentration von Fisch vollständig aufgelöst." Der Kormoran ist EU-weit geschützt.
Verband: Kormoran-Bestand ein Fall für die Politik
Der Anglerverband hält den Schutzstatus für den Kormoran aber für überzogen und fordert die Politik zum Handeln auf. Dabei geht es um Möglichkeiten zur Begrenzung des Bestands. In der Mitteilung der brandenburgischen Angler heißt es: "Wir fordern daher unter dem Aspekt der zu erwartenden Koalitionsverhandlungen ein Kormoranmanagement (...)." CDU und SPD starten in dieser Woche ihre Gespräche.
2024 war der Fischjäger auch bereits ein Fall für eine Experten-Anhörung im Bundestag. Seit langem klagen Fischereibetriebe über geringere Erträge wegen der Kormorane. Gut ein halbes Kilo Fisch kann ein solcher Vogel am Tag verspeisen.
Ein Abschuss ist in Brandenburg nur unter bestimmten Bedingungen, vor allem an bewirtschafteten Teichen und nur außerhalb von Naturschutzgebieten erlaubt. In der Kormoran-Verordnung heißt es, dass Kormorane etwa zur "Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden" mit einer für die Jagd zugelassenen Schusswaffe getötet werden dürfen.
