Einigung: Mehr Geld für Kliniken - eine gute Nachricht?

Published 7 hours ago
Source: stern.de
Einigung: Mehr Geld für Kliniken - eine gute Nachricht?

Es klingt nach guten Nachrichten: Die chronisch unterfinanzierten Krankenhäuser im Freistaat bekommen mehr Geld für Behandlungen. Aber so richtig zufrieden ist damit niemand.

Thüringens Krankenhäuser bekommen mehr Geld für Behandlungen - allerdings aus ihrer Sicht nicht genug. Der sogenannte Landesbasisfallwert wurde im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei bis vier Prozent angehoben und beträgt nun 4.561,65 Euro, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die Landeskrankenhausgesellschaft mitteilten. Der Wert dient als Grundlage für die Berechnung von Fallpauschalen für Behandlungen in einer Klinik. 

Krankenhäuser: Unterfinanzierung bleibt

Man habe sich auf die höchste gesetzlich mögliche Erhöhung geeinigt, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Rainer Poniewaß. "Die Steigerung der Personal- und Sachkosten liegt deutlich darüber. Es bleibt dabei, dass die Krankenhäuser erheblich unterfinanziert sind." Gut sei, dass sich die Krankenhäuser und die Kassen ohne Schiedsstelle geeinigt hätten. 

Der Verband der Ersatzkassen spricht von einer Erhöhung des Basisfallwertes um 4,0 Prozent, die Landeskrankenhausgesellschaft von 3,2 Prozent. Sie beziehen sich dabei auf unterschiedliche Ausgangswerte. Laut vdek werden in diesem Jahr Ausgaben von rund 2,1 Milliarden Euro erwartet und damit rund 81 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. 

Kassen: Versicherte zahlen mit höheren Beiträgen

vdek-Landeschef Robert Schöning bezeichnete das Ergebnis als Kompromiss und mahnte, jeder Kostenanstieg für die Kassen müsse angesichts der "immer drastischeren Finanzierungssituation" der gesetzlichen Krankenversicherung kritisch betrachtet werden. "Unterm Strich sind es immer die Versicherten, die steigende Kosten mit ihren Beiträgen refinanzieren."

Der Verband sieht vor allem das Land in der Pflicht, die Krankenhauslandschaft stabil zu finanzieren. Es sei für die Investitionskosten zuständig, etwa für Bau, Sanierung oder die Ausstattung mit Geräten. Dieser Pflicht sei der Freistaat in den vergangenen Jahren aber immer weniger nachgekommen. 

Gesundheitsministerin: Freistaat investiert

Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) betonte, dass der Freistaat in den vergangenen Jahren bereits Anstrengungen unternommen habe, um seinen Investitionsverpflichtungen nach dem Bundeskrankenhausgesetz nachzukommen. Thüringen gewährleiste die Kofinanzierung aller Bundesprogramme.

Die Pauschalförderung der Krankenhäuser sei 2025 um zehn Millionen Euro auf 40 Millionen Euro angehoben worden. Für die Jahre 2026 und 2027 liege sie bei insgesamt 123 Millionen Euro. Das sei das höchste Niveau seit 20 Jahren. Dazu kämen 33,5 Millionen Einzelförderung in diesem und nächsten Jahr für Neubau, Umbau und Ausbau von Krankenhausstandorten. "Noch nie wurde so viel an Landesmitteln in die Thüringer Krankenhäuser investiert wie in den kommenden Jahren", so Schenk.

Categories

KrankenhäuservdekThüringenKlinikErfurtNachrichten